PA.H|LIFETIME.ai
Kohortenstudie: Die körperliche Gesundheit von Musikstudierenden im Fokus
Die Kohortenstudie
Das Forschungsprojekt PA.H|LIFETIME.ai der Hochschule Osnabrück untersucht, wie die Gesundheit von Musiker langfristig verbessert und das Risiko für leistungsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen frühzeitig erkannt werden können. Mithilfe eines interdisziplinären Forschungsansatzes werden Gesundheitsdaten analysiert, um Risikofaktoren zu identifizieren und die Grundlagen für eine individuell angepasste, evidenzbasierte physiotherapeutische Versorgung zu schaffen.
Die prospektive Kohortenstudie ist ein zentraler Bestandteil des Forschungsprojekts. Sie soll dazu beitragen, die Entstehung und Entwicklung musikerassoziierter Beschwerden besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Entwicklung gezielter Präventions- und Behandlungsansätze in der Physiotherapie.
Das erste Studienjahr ist für Musikstudierende eine besonders sensible Phase. Neue Anforderungen, intensive Übezeiten und körperliche Belastungen können mit einem erhöhten Risiko für spielbedingte Beschwerden einhergehen.
Insbesondere neuromuskuloskelettale Beschwerden, beispielsweise im Rücken-, Nacken- oder Schulterbereich, können das Üben, die Probenarbeit und das Auftreten beeinträchtigen. Im weiteren Verlauf können sie auch die musikalische Laufbahn gefährden.
Ein besseres Verständnis der körperlichen Belastungen und ihrer Einflussfaktoren ist daher eine wichtige Grundlage, um gesundheitlichen Beschwerden frühzeitig entgegenzuwirken.
Im Mittelpunkt stehen folgende Forschungsfragen:
- Wie entwickeln sich spielbedingte körperliche Beschwerden im ersten Studienjahr?
- Welche körperlichen und weiteren Einflussfaktoren stehen mit dem Auftreten dieser Beschwerden in Zusammenhang?
- Welche Risikofaktoren lassen sich frühzeitig erkennen?
- Welche Ansatzpunkte ergeben sich daraus für Prävention und physiotherapeutische Begleitung?
Zwölf Monate – drei körperliche Untersuchungen – monatliche Befragungen
Wir begleiten die teilnehmenden Musikstudierenden über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Dabei kombinieren wir physiotherapeutische Untersuchungen mit regelmäßigen Befragungen.
- Zu Studienbeginn: Umfassende physiotherapeutische Untersuchung zur systematischen Erfassung des körperlichen Gesundheitszustands sowie ein ausführlicher Fragebogen.
- Nach sechs und zwölf Monaten: Zwei weitere physiotherapeutische Untersuchungen, um Veränderungen im Studienverlauf zu erfassen und mit den Ausgangswerten zu vergleichen.
- Monatlich über zwölf Monate: Kurze Fragebögen zur kontinuierlichen Dokumentation körperlicher Beschwerden und möglicher Einflussfaktoren.
Durch diese wiederholten Erhebungen können gesundheitliche Entwicklungen im ersten Studienjahr differenziert untersucht werden.
Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die körperliche Gesundheit von Musikstudierenden besser zu verstehen und mögliche Präventionsmaßnahmen gezielter zu entwickeln.
Langfristig möchten wir dazu beitragen, gesundheitliche Beschwerden frühzeitig zu erkennen, die körperliche Belastbarkeit zu fördern und eine gesunde, möglichst schmerzfreie Musikausbildung zu unterstützen.
Über die Kohortenstudie hinaus verfolgt das Forschungsteam das Ziel, die Physiotherapie für darstellende Künstlerinnen als eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu etablieren und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg wurde mit der Einrichtung der weltweit ersten Professur für Performing Arts Physiotherapy erreicht, die bereits mit Prof. Dr. Bronwen Ackermann besetzt wurde. Darüber hinaus ist die Entwicklung eines internationalen Masterstudiengangs geplant, um die wissenschaftliche Qualifizierung und Spezialisierung in diesem Bereich weiter voranzutreiben.
Auch auf institutioneller Ebene konnten wichtige Fortschritte erzielt werden: Neben dem laufenden Forschungsprojekt PA.H|Lifetime.ai konnte das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Christoff Zalpour mit einer erfolgreichen Bewerbung im Rahmen einer Ausschreibung zur Einrichtung eines Forschungszentrums überzeugen. Damit kann das Forschungszentrum PAPy (Performing Arts Physiotherapy) seine Forschungsarbeit aufnehmen und die wissenschaftliche Weiterentwicklung dieses Fachgebiets vorantreiben.
Durch die enge Verknüpfung von Forschung, Lehre und klinischer Praxis sollen wissenschaftlich fundierte physiotherapeutische Ansätze zur Förderung der neuromuskuloskelettalen Gesundheit darstellender Künstler*innen entwickelt und nachhaltig in die Versorgungspraxis übertragen werden.