Förderpreise für drei herausragende Abschlussarbeiten an der Hochschule Osnabrück Dienstag, 30. Juni 2026

Auszeichnungen im Rahmen der Absolvent*innenverabschiedung der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur

Die Bandbreite aktueller Fragestellungen in der Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur spiegelt sich in den diesjährigen Förderpreisen für herausragende Abschlussarbeiten wider. Im Rahmen der Absolvent*innenverabschiedung der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück wurden drei Absolventinnen und Absolventen für ihre wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet. Der vom Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. gestiftete Förderpreis ist mit jeweils 250 Euro dotiert und würdigt Arbeiten, die sich durch Praxisbezug, innovative Ansätze sowie eine besonders überzeugende Bearbeitung auszeichnen.

Wachstum und Stickstoffhaushalt von Baumschulgehölzen in torfreduzierten Substraten mit Holzfasern

Holzfasern bieten als nachwachsender, regional verfügbarer Rohstoff großes Potenzial, den Torfverbrauch im Gartenbau zu verringern. Derzeit wird ihr Einsatz in Kultursubstraten jedoch noch durch eine unerwünschte Stickstofffestlegung begrenzt, die den Pflanzen einen wichtigen Nährstoff entzieht. Wie sich diesem Problem begegnen lässt und holzfaserhaltige Substrate erfolgreich in der bodenunabhängigen Pflanzenproduktion eingesetzt werden können, untersuchte Simon Germer, Absolvent des Studiengangs „Angewandte Pflanzenbiologie – Gartenbau, Pflanzentechnologie“, in seiner Bachelorarbeit zum Thema „Wachstum und Stickstoffhaushalt von Baumschulgehölzen in torfreduzierten Substraten mit thermisch modifizierten und tensidbehandelten Holzfasern“. Für seine herausragende Leistung wurde er vom Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Pflanzentechnologie & Landschaftsarchitektur e.V. mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Urkunde und Preisgeld in Höhe von 250 Euro erhielt er im Rahmen einer feierlichen Zeremonie während der diesjährigen Osnabrücker Kontaktstudientage. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Diemo Daum, Leiter des Fachgebiets Pflanzenernährung an der Hochschule Osnabrück, und Dr. Inga Binner, Beraterin beim Baumschulberatungsring Weser-Ems.

Germer untersuchte in einem einjährigen Vegetationsversuch, wie sich verschiedene Verfahren zur Aufbereitung von Holzfasern auf das Wachstum und den Stickstoffhaushalt von Kirschlorbeer in der Containerkultur auswirken. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Eignung von Holzfasern als Substratkomponente durch eine kurzzeitige thermische Behandlung bei 220 °C und die Zugabe eines Netzmittels deutlich verbessern lässt. So konnte ihr Anteil im Substrat auf 50 % erhöht werden, ohne dass sich das Pflanzenwachstum signifikant von dem in der torfbasierten Kontrolle unterschied. Zur Aufklärung der zugrunde liegenden Mechanismen führte Germer umfangreiche Analysen von Pflanzen-, Substrat- und Drainwasserproben durch und stellte seine Befunde klar und überzeugend dar. „Die Arbeit verbindet wissenschaftliche Tiefe mit hoher Praxisrelevanz und liefert wichtige Impulse für den Einsatz torfreduzierter Substrate im Gartenbau“, betont Prof. Dr. Daum. Darüber hinaus stellt sie ein beeindruckendes Beispiel für die forschungsnahe Qualifizierung von Studierenden an der Hochschule Osnabrück dar. Die Ergebnisse wurden bereits auf einer internationalen Fachtagung vorgestellt und sollen in Kürze auch in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, was ihre Bedeutung und Aktualität zusätzlich unterstreicht.

Landschaft im Übergang – Den Stadtrand Hannover-Kronsberg gestalten

Robert Schröter erhält für seine Bachelorarbeit den Förderpreis für herausragende Abschlussarbeiten an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück.

Am Stadtrand von Hannover treffen Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft, Erholung und Naturschutz auf engstem Raum zusammen. Sektorale Ansätze stoßen hier angesichts von Klimawandel und Flächenkonkurrenz an ihre Grenzen. In seiner Bachelorarbeit „Landschaft im Übergang. Den Stadtrand Hannover-Kronsberg gestalten“ macht Robert Schröter diese Überlagerungen sichtbar und zeigt Wege für eine zukunftsfähige Entwicklung der Landschaft.

Das Gebiet zwischen Kronsberg und dem FFH-Gebiet Bockmerholz-Gaim steht unter hohem Entwicklungsdruck durch großflächige Wohn- und Gewerbegebiete. Eine gemeinsame Perspektive auf die Freiräume fehlt bislang. Die Arbeit zeigt, wie durch integrative Betrachtung Landschaftsstrukturen erhalten und Funktionen für Erholung und Artenschutz gestärkt werden können.

Durch die Kombination von Interviews, Transektbegehungen und Grundlagenrecherche werden physische Strukturen, Atmosphären und Wahrnehmungen des Raums erfasst. Daraus entstehen sechs Teilraumtypen, die die Vielfalt des Stadtrands verdeutlichen und Ungleichgewichte zwischen Nutzung und Steuerung aufzeigen. Vier explorative Szenarien untersuchen, wie sich unterschiedliche Steuerungsformen auf Stabilität und Funktion der Landschaft auswirken.

Die Arbeit versteht sich nicht als fertiges Konzept, sondern als strategischer Impuls. Drei Leitlinien – Strukturiert Überlagern, Verbunden Trennen und Geleitet Ermöglichen – bilden den Orientierungsrahmen für eine resiliente Stadtrandlandschaft.

Geschichten des Wandels – lokale Pionier gestalten nachhaltige Zukunft

Paula Hübner erhält für ihre Masterarbeit den Förderpreis für herausragende Abschlussarbeiten an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück.

Wie gelingt gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit – und wer sind die Menschen, die ihn vorantreiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich Paula Hübner in ihrer Masterarbeit „Geschichten des Wandels lokaler Pionier – Transformationsprozesse zur Nachhaltigkeit in Mittelstädten am Beispiel der Stadt Lüdinghausen“.

Lüdinghausen, eine Stadt mit rund 25.000 Einwohner, hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2032 bilanziell klimaneutral zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es nicht nur technologische Innovationen, sondern auch ein gesellschaftliches Umdenken. Hier setzt Hübner an: Sie zeigt, wie lokale Pionier des Wandels auf Mikroebene – in sogenannten Nischen – neue Ideen und Praktiken entwickeln, die das „Weiter-so-wie-bisher“ infrage stellen und Schritt für Schritt in den Alltag der Stadtgesellschaft hineinwirken können.

Ausgehend von theoretischen Ansätzen der Transformation zur Nachhaltigkeit und der Methode des Storytellings identifiziert Hübner engagierte Bürger in Lüdinghausen, die sich mit vielfältigen Projekten im Klimaschutz einbringen. Durch Interviews mit diesen Akteur entstehen anschauliche Wandelgeschichten, die zeigen, was lokale Pionier motiviert, wie sie handeln und welche Herausforderungen sie überwinden. Ergänzt werden sie durch eine Zukunftsgeschichte, die ein mögliches Entwicklungsszenario für Lüdinghausen im Jahr 2032 entwirft.

Die Arbeit überzeugt durch ihren innovativen Ansatz und ihre inhaltliche Tiefe. Hübner analysiert theoretisch die Merkmale von Geschichten und Pionier des Wandels, untersucht förderliche Rahmenbedingungen für Nischenentwicklungen und überträgt diese Erkenntnisse auf den konkreten Fall Lüdinghausen. Das Ergebnis ist ein Stadtmagazin, das die Wandelgeschichten und die Zukunftsgeschichte in einer ansprechenden, grafisch sehr gelungenen Form präsentiert und so nachhaltige Transformationsprozesse greifbar macht.

Von der Forschung in die Praxis: Die Arbeit liefert konkrete Impulse für Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik. Die identifizierten förderlichen Rahmenbedingungen zeigen, wie lokale Akteur gezielt unterstützt werden können, um nachhaltige Entwicklungen in der Breite zu verankern. Gleichzeitig regen die Geschichten dazu an, über eigene Handlungsmöglichkeiten nachzudenken und sich aktiv am Wandel zu beteiligen.

Von: Ronan Morris