Ausgezeichnete Forschung in der Pferdefütterung Montag, 18. Mai 2026
Die Gesellschaft der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat die Masterarbeit von Merle Severit, Studiengang „Angewandte Nutztier- und Pflanzenwissenschaften“ mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Die Forschungsarbeit mit dem Titel „Unterschiede der Rohnährstoffe von frischem Weidegras von Grünlandstandorten für Pferde mit unterschiedlicher botanischer Ausprägung“ wurde von Prof. Dr. Heiner Westendarp und Dr. Michael Lütke-Dörhoff betreut und liefert neue Erkenntnisse für die Rationsplanung von Pferden.
Da Grünfutter die Grundlage jeder Pferderation darstellt, ist ein Verständnis der Nährstoffgehalte von zentraler Bedeutung. Bisher sind die Unterschiede in Zusammensetzung und Nährstoffprofil der Bestände jedoch lückenhaft erforscht. Für die praxisgerechte Fütterung ist es essenziell, Nährstoffgehalte verschiedener Grünlandbestände mit unterschiedlicher botanischer Zusammensetzung zu kennen, um mögliche Unter- oder Überversorgungen zu berücksichtigen, da diese Auswirkungen auf die Tiergesundheit haben können.
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich Rohnährstoffgehalte von Weidegras auf verschiedenen Standorten unterscheiden und welche Konsequenzen sich daraus für die Ernährung von Pferden ergeben. Dazu wurden 48 Proben frischen Grases aus vier Blockanlagen mit unterschiedlicher botanischer Zusammensetzung zu drei Zeitpunkten der frühen Weideperiode (Ende April bis Mitte Mai) verglichen. Für die Analyse botanischer Unterschiede wurden jeweils zwei Flächen mit dominanter Grasart zusammengefasst (≥ 30 % Deutsches Weidelgras bzw. ≥ 60 % Wiesenschwingel).
Ergebnisse:
Es bestehen Unterschiede in den Rohnährstoffgehalten zwischen den Flächen mit unterschiedlicher botanischer Ausprägung
Höchste Gehalte für Rohprotein und praecaecal verdauliches Rohprotein finden sich auf einer weidelgrasdominierten Fläche mit ältester Ansaat und größter Artenvielfalt.
Die höchsten Energiegehalte weist eine wiesenschwingeldominierte Fläche mit geringen Anteilen an Weidelgras und Wiesenfuchsschwanz auf
Zusammengefasst zeigen Weidelgrasbestände höhere Gehalte an Rohprotein, praecaecal verdaulichem Rohprotein, Rohfett und Rohasche. Für Rohfaser und metabolisierbare Energie bestehen keine signifikanten Unterschiede
Die tägliche Mindestaufnahme an Trockensubstanz zeigt: praecaecal verdauliches Rohprotein liegt fast überall über dem Bedarf, mit Ausnahme einer wiesenschwingeldominierten Fläche
Die energetische Versorgung reicht auf keiner Fläche für erhöhten Bedarf (Arbeit, Trächtigkeit)
Fazit: Die Untersuchung liefert wertvolle Beiträge für die Praxis und für zukünftige Rationsplanungen von Pferden. Aufgrund der botanischen Vielfalt und der Heterogenität der Flächen sind regelmäßige Futteranalysen – auch von frischem Weidegras - sowie ein standardisiertes Fütterungscontrolling erforderlich.
GWP-Preis: Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) setzt sich für wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das Pferd ein. Sie vernetzt Expert*innen aus Forschung und Praxis und zeichnet hervorragende Arbeiten aus der Pferdefütterung,- zucht, - haltung und - gesundheit aus.
Von: Ronan Morris