Virtuelle Akademie bringt Studierende aus Osnabrück und US-Bundestaat New York zusammen Mittwoch, 26. Mai 2021

Rund 6.000 km liegen zwischen der Hochschule Osnabrück und der us-amerikanischen State University of New York. Etwa 16 Stunden sind erforderlich, in Corona-Zeiten ist es nur ein Klick.

Im Sommersemester 2021 finden im Rahmen des Projekts „UAS7 Virtual Academy“ zwei Module statt, bei denen Studierende aus Osnabrück und den USA im gleichen virtuellen Seminarraum sitzen. Neben fachlichen Ergebnissen ist das Ziel, den internationalen Austausch zwischen deutschen und internationalen Studierenden zu gewährleisten.
Es zeigt sich, dass der Austausch zwischen den Studierenden trotz der ungewöhnlichen Umstände sehr gut funktioniert hat und auch die ersten Ergebnisse bestätigen diesen Eindruck.

Klimaschutzpraxis in den USA und Deutschland im Fokus

Prof. Dr. Stefan Taeger von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur ist seit mehreren Jahren federführend am Internationalen Workshop Landschaftsarchitektur beteiligt. Hierbei treffen sich die Teilnehmenden jedes Jahr im September für zehn Tage – wechselweise in den USA bzw. in Deutschland. Bedingt durch die aktuelle Situation wird der Workshop dieses Jahr online angeboten und durch eine virtuelle Vorbereitungsphase ergänzt, bei der sich die Studierenden schon im Vorfeld eingehend mit dem Partnerland, kulturellen und fachlichen Unterschieden beschäftigen konnten. Prof. Dr. Douglas Johnston, der das Projekt auf der amerikanischen Seite betreut, sieht klare Vorteile durch diese ausführliche Vorbereitung: „Die virtuelle Akademie ermöglicht uns viel mehr Interaktion, als sonst zeitlich oder finanziell machbar gewesen wäre. Außerdem lernen die Studierenden sich bereits gegenseitig kennen und entdecken Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in ihren bisherigen Studienerfahrungen.“ Gegenstand der Zusammenarbeit sind dabei aktuelle Themen und Megatrends der Landschaftsarchitektur – beispielsweise Küstenschutz, Schutz bei Hochwasserereignissen, Flussrenaturierung und Dachbegrünungen. Im Fokus stehen dabei Beispiele an der amerikanischen Atlantikküste und der europäischen Nordseeküste sowie Schutzkonzepte für dicht besiedelte Küstenbereiche auf beiden Seiten des Atlantiks.

Virtuelle Veranstaltung ermöglicht mehr Studierenden die Teilnahme 

In diesem Jahr behandelt der Osnabrücker Professor für Geoinformatik und Vermessung in seinem Modul im Studiengang Landschaftsarchitektur gemeinsam mit seinem Kollegen aus New York Fallstudien zu Klimaresilienz. Dieser Fachbegriff geht über Anpassung an den Klimawandel hinaus: Er schließt auch die Fähigkeit ein, sich an ändernde Bedingungen anzupassen. Klimaresilienz ist somit ein wichtiger Aspekt für nachhaltige Entwicklung weltweit. Auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Klimaschutzpraxis in den USA und Deutschland stehen auf dem Programm des Workshops. „Selbstverständlich sind manche Aspekte mit einer Präsenzveranstaltung nicht vergleichbar, aber es gibt auch klare Vorteile: Wir sparen uns beispielsweise eine sehr lange Anreise und Kosten“, so Taeger: „Das sind teilweise sogar Gründe, warum manche Studierende überhaupt erst teilnehmen können. Das ist natürlich besonders schön.“
Der Workshopleiter weiter: „Die besondere Herausforderung für eine räumliche Planungsdisziplin wie die Landschaftsarchitektur wird es sein, in der nun folgenden Workshop-Phase in einem Projektgebiet in den USA für die deutschen Studierenden virtuell einen ähnlichen ‚Eintaucheffekt‘ wie real zu erzeugen und kooperative Planungen in ausschließlich virtueller Umgebung umzusetzen.“ Der Ansporn dazu sei, dass dieses Format künftig auch solchen Studierenden internationale Erfahrungen ermöglicht, die keine Fernreisen unternehmen können oder wollen.

In der Veranstaltung ging es im ersten Schritt darum, dass sich die Teilnehmenden untereinander kennenlernen und dabei auch den Umfang des Austauschprogramms verstehen. Das funktionierte beispielsweise, indem die Studierenden zehn kulturelle Unterschiede zwischen den USA und Deutschland herausarbeiteten. In den insgesamt sechs Terminen wird auch thematisiert, welche allgemeinen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland herrschen, wenn es um die Landschaft geht. „Welche Strategien stecken hinter sichtbaren Handlungsweisen? Welche Effekte können verschiedene Maßnahmen haben und in welchen Fällen können sie zur Klimaanpassung und -minderung beitragen? Der Kurs hat mich dafür sensibilisiert, verschiedene Rahmenbedingungen zu vergleichen, sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ganzheitlich zu verstehen: So habe ich auch ein tieferes Verständnis für landschaftsbezogene Strategien in Deutschland gewonnen“, erklärt Elena Treise, die im Master Landschaftsarchitektur studiert.

Planungen für die nächsten Seminare sind gestartet


Für die nächste Runde im kommenden Wintersemester laufen bereits erste Planungen. Prof. Taeger ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des Seminiars und wird die Seminare erneut anbieten.
Die Projektleiterin Gunhild Grünanger und die Projektkoordinatorin Alissa Ziegler laden weitere Lehrende der Hochschule Osnabrück ein, sich an der Virtual Academy zu beteiligen. „Die bisherige Zusammenarbeit zwischen den Lehrenden verlief sehr gut und die Studierenden freuen sich über das innovative Angebot gerade in dieser schwierigen Studienzeit“, erläutert Grünanger, die darauf hofft, dass Angebot auszubauen und zu verstetigen.

Kontakt: E-Mail: Gunhild Grünanger: g.gruenanger@hs-osnabrueck.de / 0541 969-2966
Alissa Ziegler: a.ziegler@hs-osnabrueck.de / 0541 969-5328

Ausführliche Informationen zum IuI-Modul im Rahmen der Virtuellen Akademie.


Hintergrundinfo UAS7 Virtual Academy:

UAS7 e. V. ist der Zusammenschluss der sieben großen forschungsorientierten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, München, Münster und Osnabrück mit starker internationaler Ausrichtung. Die „UAS7 Virtual Academy“ wird gemeinsam mit dem langjährigen US-Konsortialpartner SUNY (State Universities of New York) die internationale Hochschulzusammenarbeit studienbereichsübergreifend neugestalten und neue Vernetzungen für die Entwicklung und Anwendung innovativer Lehr- und Lernformen knüpfen.

 

Von: Ronan Morris