Professionelle Pflege stärkt regionale Gesundheitsversorgung Freitag, 9. Oktober 2026
Campus im Dialog der Hochschule Osnabrück zur Zukunft der Pflege
Unter dem Titel „Stadt-Land-Pflege – wie die professionelle Pflege die regionale Versorgung von morgen stärkt“ kamen kürzlich Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis sowie interessierte Bürger*innen bei Campus im Dialog der Hochschule Osnabrück zusammen. Rund 90 Teilnehmende nutzten die Veranstaltung am Campus Lingen, um neue Versorgungskonzepte kennenzulernen, eigene Erfahrungen einzubringen und gemeinsam über die Zukunft der regionalen Pflege zu diskutieren.
Begrüßt wurden die Gäste von Dekanin Prof.in Dr. Liane Haak und Prof.in Dr. Rosa Mazzola. Anschließend gaben zwei Impulsvorträge Einblicke in innovative Ansätze aus der Pflegepraxis.
Professionelle Pflege übernimmt mehr Verantwortung
Rebecca Gorecki, Pflegerische Leiterin am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide, stellte zunächst das Konzept der Nurse-Led Unit vor. “Dieses Konzept zeichnet vor allen Dingen aus, dass wir Pflegefachpersonen keine ärztliche Präsenz im täglichen Doing haben, sondern nur dann, wenn wir sie wirklich anfordern. Somit sind wir selbst für das Aufnahme- und Entlassmanagement zuständig und übernehmen eine zentrale Verantwortung für den gesamten Versorgungsprozess.” Durch die eigenständige Koordination der Versorgung könnten Abläufe effizienter gestaltet werden. So koordinieren die Pflegefachpersonen beispielsweise bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustands notwendige diagnostische Maßnahmen und stimmen diese gezielt mit den Ärzt*innen ab.
Versorgung dort gestalten, wo Menschen leben
Miriam Steens, Gesundheits- und Krankenpflegerin, OsteMed Kliniken und Pflege gGmbH, stellte anschließend den Ansatz des Community Health Nursing vor. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie aktivitätsfördernde Angebote durch Pflegefachpersonen stärker in die regionale Versorgung eingebunden werden können – unter anderem mit Blick auf die Lebenssituation von Menschen mit Demenz. Damit wurde zugleich deutlich, dass zukunftsfähige Pflege sowohl fachliche Expertise als auch eine konsequente Orientierung an den konkreten Bedürfnissen der Menschen und an den Gegebenheiten vor Ort braucht.
Gemeinsam Lücken erkennen und schließen
Wie wichtig der Blick auf die tatsächlichen Bedarfe ist, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion mit interaktiver Fragerunde deutlich. Dabei kamen die unterschiedlichen Perspektiven aus Pflegepraxis, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Diskutiert wurde unter anderem, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit neue pflegerische Rollen und Versorgungskonzepte dauerhaft etabliert werden können.
Anke Jünkering von der Senioren- und Pflegeberatung des Landkreis Grafschaft Bentheim betonte bei der Frage, was passieren müsse, um die Versorgungslücken in der Pflege im ländlichen Bereich zu schließen: “Ich denke, dass die Lücken erst einmal systematisch erfasst und identifiziert werden müssen. Und dafür müssen wir an der Basis anfangen, mit den Leuten sprechen und die Bedarfe systematisch erfassen. Und das auch auf die politische Ebene bringen, wo Änderungen stattfinden können.” Insbesondere bei niedrigschwelligen Betreuungsangeboten sehe sie noch großes Potenzial.
Wissenschaftliches Wissen mit individueller Versorgung verbinden
Um die regionale Pflege zukunftsfähig zu gestalten, komme es deshalb vor allem darauf an, die professionelle Pflege zu stärken, stellte Prof.in Rosa Mazzola vom Campus Lingen heraus. “Professionelle Pflege verbindet wissenschaftlich fundiertes Fachwissen mit der individuellen Begleitung und Versorgung von Menschen. Auf dieser Grundlage entwickeln Pflegefachpersonen gemeinsam mit den Patient*innen Lösungen, die auf deren persönliche Situation zugeschnitten sind. Zugleich übernehmen sie im Rahmen ihrer Vorbehaltsaufgaben besondere Verantwortung für die Gesundheit der Menschen und die Qualität der Versorgung.”
Campus im Dialog machte deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen denjenigen ist, die Versorgung gestalten, denjenigen, die sie täglich erleben und denjenigen, die neue Lösungen entwickeln. Die Veranstaltung bot Raum, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, innovative Versorgungskonzepte kennenzulernen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Pflege künftig wohnortnah, bedarfsgerecht und auf wissenschaftlicher Grundlage gestaltet werden kann.
Von: Miriam Kronen