Was bewegt Menschen sich zu engagieren? Donnerstag, 14. Mai 2020

„Flüchtlingsaufnahme kontrovers“ – Der erste Band zum Forschungsprojekt „Zivilgesellschaftliches Engagement“, welcher sich mit den Beweggründen von Engagierten in der Flüchtlingsthematik befasst.

Professorin der Hochschule Osnabrück untersuchte die Beweggründe für ein Engagement in der Flüchtlingsthematik. Die Ergebnisse wurden nun im ersten Band des Forschungsprojektes „Zivilgesellschaftliches Engagement“ veröffentlicht.

Die Neuerscheinung „Flüchtlingsaufnahme kontrovers“ beschäftigt sich mit Motiven und Zielen von Engagierten im Rahmen der Flüchtlingsthematik und stellt damit einen wichtigen Beitrag für die Engagementforschung dar. Das Buch ist der erste von insgesamt zwei Bänden zu dem Forschungsprojekt „Zivilgesellschaftliches Engagement“. Die empirische Forschung zu diesem Teilprojekt führte die verantwortliche Wissenschaftlerin Prof. Dr. Christel Kumbruck, Professorin des Studiengangs Wirtschaftspsychologie, gemeinsam mit einem fünfköpfigen Forschungsteam durch. Das Gesamtprojekt wird von dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI EKD) finanziert.

Engagierte wünschen sich einen fairen Dialog miteinander

Mit dem ersten Band geben die Autorin Prof. Dr. Christel Kumbruck und die Autoren Maik Dulle und Marvin Vogt Einblicke in die Denkwelten und Tätigkeiten von Engagierten. Sie gehen der Frage nach, warum sich einige Menschen für die Unterstützung von Flüchtlingen engagieren, während andere sich für die Verschärfung der Flüchtlingspolitik einsetzen. Im Rahmen der qualitativen Untersuchung wurden zum einen Fokusgruppen beider Seiten gebildet und zum anderen deutschlandweit Einzelinterviews mit Engagierten geführt. Um dabei ein besseres Verständnis der individuellen Sichtweisen zu ermöglichen, werden die Ergebnisse in einem psychologischen Kontext betrachtet. Es wird deutlich, dass verschiedene Strategien für den Umgang mit Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik verwendet werden, die zu Unverständnis auf der Gegenseite führen. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich die Befragten beider Seiten einen fairen Dialog miteinander wünschen. Aber "es ist festzustellen, dass beide Seiten so sehr von der Richtigkeit ihres Engagements überzeugt sind, dass es sehr schwer ist, sie zu einem respektvollen Austausch zu bewegen, zumal es dafür immer beider Seiten bedarf", betont die Psychologin Prof. Dr. Christel Kumbruck. Neben den offensichtlichen Unterschieden zwischen beiden gegenübergestellten Engagementorientierungen werden auch Ähnlichkeiten und Dialogmöglichkeiten aufgezeigt.

Erkenntnisse der Interviews dienen weiterer quantitativer Forschung

Die qualitative Studie, also die Ergebnisse aus Gruppen- und Einzelinterviews, dient als Grundlage für eine deutschlandweite Befragung des SI EKD. Durch die vorangegangene Forschung konnte zivilgesellschaftliches Engagement im Kontext der Flüchtlingsthematik, worüber noch nicht viele Erkenntnisse vorliegen, stärker beleuchtet werden. Diese Ergebnisse flossen in den Fragebogen zur quantitativen Untersuchung ein, die aktuell noch vom SI EKD ausgewertet wird. „Die Ergebnisse unserer quantitativen Forschung werden wir im Rahmen unserer Jahrestagung im September 2020 in Berlin vorstellen“, stellt der Direktor des SI, Prof. Dr. Georg Lämmlin, in Aussicht. Die geplante Tagung zur qualitativen Untersuchung des ersten Bandes musste aufgrund der derzeitigen Veranstaltungsbeschränkungen auf das kommende Frühjahr 2021 verschoben werden. Des Weiteren soll die qualitative Forschung durch vertiefende Auswertung des vorliegenden Materials nach Einzelthemen und Lösungsansätzen an der Hochschule Osnabrück weiter fortgeführt werden.

Hintergrundinformationen zum Forschungsprojekt

Mitte Juni 2018 startete das Forschungsteilprojekt „Zivilgesellschaftliches Engagement: Was bewegt Menschen in Deutschland dazu, sich für oder gegen geflüchtete Menschen zu engagieren?“ unter der Leitung von Prof. Dr. Christel Kumbruck. Die Forschung wird in Kooperation mit dem SI EKD unter der Gesamtleitung von Petra-Angela Ahrens durchgeführt und von diesem finanziert. Das Projekt befasst sich, mithilfe qualitativer und quantitativer Methoden, mit der Erhebung der Begründungszusammenhänge, Werte, Motive und Sinnkonstruktionen der Engagierten beider Seiten. Der qualitative Teil des Projekts liefert eine Grundlage für die anschließende quantitative Erhebung. Die quantitative Befragung des SI EKD wird derzeit ausgewertet und die Ergebnisse werden in einem zweiten Band veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Christel Kumbruck
Professorin für Wirtschaftspsychologie
Telefon: 0541 969-3821
E-Mail: c.kumbruck@hs-osnabrueck.de

Von: Lena-Lotte Peters

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