Mehr Talente fürs Studium gewinnen Mittwoch, 16. September 2015
Die Hochschule Osnabrück will Wege ins Studium für alle Qualifizierten ebnen – unabhängig von deren sozialer Situation: Auch Kinder aus Nichtakademiker-Familien oder Flüchtlinge sollen ihre Chance auf ein Studium nutzen können. Das Projekt „Erfolgreich ins Studium!“ verfolgt dieses Ziel seit 2014. Jetzt ist die zweite Projektphase gestartet, sie wird bis Ende 2018 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) gefördert. Auf der Fachtagung zum Auftakt des Folgeprojekts tauschten sich Projektpartner über erzielte Erfolge und neue Pläne aus.
Die niedersächsische Landesregierung will die Bildungschancen von Kindern aus Nichtakademiker-Familien und von Flüchtlingen erhöhen. Dazu fördert das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) mit drei Millionen Euro sechs Projekte an Fachhochschulen, die diesen Zielgruppen den Einstieg ins Studium erleichtern. Darunter ist auch das Projekt „Erfolgreich ins Studium!“ der Hochschule Osnabrück, das bereits 2014 gestartet ist. Nun geht es in die zweite Phase. Bis Ende 2018 stellt das MWK für das Folgeprojekt rund 600.000 Euro zur Verfügung.
Zum Auftakt der zweiten Projektrunde trafen sich am 11. September auf Einladung der Projektleiterin, Prof. Barbara Schwarze, Vertreterinnen und Vertreter regionaler Kooperationspartner und der Politik zum Erfahrungsaustausch. Die MWK-Referentin Dr. Katja Kohrs informierte die Tagungsteilnehmer über das FH-Entwicklungsprogramm, mit dem Niedersachsen die staatlichen Fachhochschulen in deutschlandweit einmaliger Form fördert. Im Zuge dieses Programms wurden 3.400 dauerhaft finanzierte zusätzliche Studienplätze geschaffen. „Über ein Viertel davon kommt von der Hochschule Osnabrück“, hob Dr. Kohrs hervor und dankte den Gastgebern für ihr Engagement: „Dass es so gut klappt, ist nicht selbstverständlich“. Doch die Studierendenzahl soll nicht nur ausgeweitet werden – das Ministerium will weiteren Bevölkerungsschichten Wege zum Studium öffnen. Denn im EU-Vergleich schneide Deutschland recht schlecht ab: Nach neuesten Studien kommen bundesweit nur knapp ein Viertel aller Studierenden aus Nichtakademiker-Familien.
Nicht so an der Hochschule Osnabrück: Der Anteil an Studierenden der ersten Generation liege hier bei rund zwei Dritteln, betonte der Vizepräsident für Studium und Lehre, Prof. Dr. Alexander Schmehmann. Trotzdem wolle die Hochschule die Zahl der sogenannten Studienpioniere weiter erhöhen und so die Chancengleichheit für junge Leute festigen, so Schmehmann. Für ihn sei es vor allem „eine Gerechtigkeitsfrage“. Dazu komme auch ein volkswirtschaftlicher Aspekt: „Bei derzeitigem Fachkräftemangel – gerade im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich – können wir es uns schlichtweg nicht leisten, auf Talente zu verzichten.“ Deshalb stehe im Osnabrücker Projekt vor allem der MINT-Bereich im Fokus, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In seiner Ansprache dankte Schmehmann dem MWK dafür, dass die Förderung „dieses Vernetzungsprojekts“ verlängert und aufgestockt wurde.
Das Vorhaben der HS Osnabrück besteht aus drei Teilprojekten. Das erste davon will Interesse an Naturwissenschaft und Technik schon im Schulalter wecken – und dies unabhängig von der Schulform. Dafür sollen auch bereits bestehende Aktivitäten des Schülerforschungszentrums (SFZ) Osnabrück für berufsbildende Schulen weiter ausgeweitet werden. „Später wird das kooperative Konzept auch auf Schulen im Landkreis übertragen“, so der Vorstandsvorsitzende des SFZ, Prof. Dr. Werner Söte.
Ein zweiter Projektbaustein ist der Aufbau eines Informationskonzeptes für Studieninteressierte. Wie bei der Zusammenarbeit mit Schulen, sollen auch hier spezielle Bedürfnisse von Zuwanderern, Studierenden der ersten Generation und Frauen berücksichtigt werden. Der zuständige Studiendekan Prof. Dr. Rainer Bourdon und Projektmitarbeiterin Ulrike Heuer präsentierten zahlreiche Angebote der Hochschule, mit denen Schwellenängste abgebaut und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt werden. „In der zweiten Projektphase geht es nun darum, bestehende Maßnahmen auf den Prüfstein zu stellen, zu optimieren und weitere regionale Partner zu finden“, erklärte Bourdon.
Das dritte Teilprojekt setzt auf die Begleitung beim Studienstart. Lerntrainerin Regina Wahl und Mentor Marwin Maethner berichteten von der Mentoringarbeit während der ersten Projektphase. Laut ihrer Umfrage unter den beteiligten Studierenden ist es den Mentoren gelungen, den sozialen Zusammenhalt in ihren Gruppen zu fördern. „Das ist einer der entscheidendsten Erfolgsfaktoren“, lobte die Projektleiterin Prof. Schwarze. Nun sollen Mentorinnen und Mentoren – die meist selbst ähnlichen Hintergrund wie ihre Gruppenmitglieder haben – noch umfassender geschult werden. Außerdem prüfe die Hochschule die Entwicklung eines Wahlpflichtfaches, das eine Anrechnung des sozialen Engagements im Bereich Mentoring als Studienleistung ermöglicht, so Schwarze weiter.
Aktuelle Presseinformation zum MWK-Programm „Wege ins Studium öffnen": www.mwk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/bildungschancen-fuer-fluechtlinge-hochschulen-oeffnen-wege-ins-studium--136488.html
Von: Lidia Uffmann