„Ich möchte meinen Beitrag leisten, Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abzubauen“ Dienstag, 12. Mai 2015

v.li.: Seminarleiterin Antonia Martin Sanabria, ein junger Flüchling aus Afrika und Hazar, Cagdas, Student im Studiengang Wirtschaftsrecht

Integration von Flüchtlingen ist Thema in der Blockwoche an der Hochschule Osnabrück

Wael aus Syrien lebt bereits seit 7 Monaten in Deutschland. Er berichtet Sven Schillhahn, Student im Studiengang Betriebswirtschaft und Management an der Hochschule Osnabrück, von seinem Weg nach Deutschland und den unvorstellbaren Bedingungen zu Hause in Syrien. Sven lauscht den Erzählungen des jungen Syrers, den er in dieser Woche während seines Studiums kennengelernt hat. Das Thema „Integration von Flüchtlingen“ war Bestandteil der Blockwoche in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Osnabrück.

Antonia Martin Sanabria, Diplom-Pädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Inklusive Bildung“ an der Hochschule, hat den Kurs organisiert. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihres Seminars ist sie begeistert: „Die Studierenden waren von Anfang an sehr empathisch dem Thema gegenüber.“
Eine Woche lang haben sich Studierende aller Studiengänge einem Thema grundsätzlich gewidmet. Knapp 20 von ihnen nahmen am Kurs „Integration und Unterbringung von Geflüchteten in Osnabrück“ bei Antonia Martin Sanabria teil.
Nach einer rechtlichen Einführung ins Thema, die alle Facetten und Probleme in kommunaler, Landes- und Bundesgesetzgebung zum Thema Flüchtlinge verdeutlichte, stand bereits am ersten Tag ein Stadtteilbegehung im Bereich Rosenplatz an. Dabei waren nicht nur die beiden im Rosenplatzquartier gelegenen Flüchtlingsunterkünfte Thema, sondern auch die vielen Projekte zur Unterstützung der Geflüchteten, die in den vergangenen zwei Jahren hier entstanden sind. Beispielsweise werden im Zentrum für Jugendberufshilfe alte Fahrräder aufbereitet, die den Geflüchteten gegen eine Leihgebühr zur Verfügung gestellt werden. Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema fanden parallel zum Seminar Exkursionen in Kleingruppen von 4-5 Personen statt.
Eine Gruppe half einen Nachmittag bei der Kleiderkammer an Flüchtlingsunterkunft an der Peterburg, eine Gruppe traf sich mit dem Diakon und zwei Experten um über das Thema Kirchenasyl zu sprechen und zwei Gruppen begleiteten zwei Flüchtlingssozialarbeiterinnen bei ihrer Arbeit in der Flüchtlingsunterkunft an der Landwehrkaserne.

Gespräche mit den städtischen Verantwortlichen aus dem Bereich der Integrationsarbeit verdeutlichten den Studierenden die Schwierigkeiten vor Ort. Genau das ist es auch, was die Blockwochen-Teilnehmer aus ihrem Kurs mitnahmen: „Das Thema ist hochaktuell, und ich habe gesehen, wieviel Schwierigkeiten es im Einzelnen gibt. Deshalb möchte ich meinen Beitrag leisten, um die vielen Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abzubauen“, berichtet Sven Schillhahn, Student im Studiengang Betriebswirtschaft und Management.
Den Abschluss der Blockwoche bildete ein Begegnungsfest an der Teutoburger Schule in Osnabrück, welches die Studierenden organisierten.
„Die Teilnehmer beim Begegnungsfest kommen aus vielen Ländern. Es sind Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, Syrien, Albanien und vielen anderen Ländern dabei“, erzählt Martin Sanabria.

Wael und Sven Schillhahn sitzen immer noch am Rande des Begegnungsfests und unterhalten sich. Die Stimmung beim Fest ist fröhlich, Musik wird gespielt und es gibt auch ein kleines Büfett. Die beiden jungen Männer haben nun Zeit, sich anderen Gesprächsthemen zu widmen. Sven ist Bayern München Fan und Waels Tochter trägt auf einem Foto, was er dem Deutschen zeigt, ein FC Barcelona Trikot. Da wird natürlich das Spiel der beiden Vereine analysiert.

Viele ihrer Studierenden aus dem Seminar wollen sich zukünftig in dem Thema engagieren, berichtet Antonia Martin Sanabria. Das Interesse und die Neugier sind groß und Ausgangspunkt für neue Begegnungen. Einige der Studierenden und Flüchtlinge wollen sich in Zukunft regelmäßig treffen, ihre individuellen Erfahrungen austauschen sowie den Flüchtlingen Hilfestellungen im Alltag geben.  

Von: Ralf Garten

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