22. Osnabrücker Logistiktag: Verkehrswege stoßen an ihre Leistungsgrenzen Freitag, 26. September 2014
Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Politik und Wirtschaft diskutierten an der Hochschule Osnabrück die aktuellen Herausforderungen für Verkehr und Transport.
„Der Transport von Personen und Gütern ist die Kernleistung der Logistik, der Hauptverkehrsträger für diese Aufgabe ist nach wie vor die Straße“, betonte Axel Jacob, Stellvertreter der ausrichtenden Fachgruppe Logistik, zu Beginn des 22. Osnabrücker Logistiktages. Jacob benannte damit ein zentrales Thema der eintägigen Veranstaltung der Hochschule Osnabrück, an der rund 80 Vertreterinnen und Vertreter der Branche teilnahmen. 70 Prozent der in Tonnenkilometern gemessenen Transportleistung entfielen auf den Verkehrsträger Straße, da dieser die Erwartung vieler Menschen nach flexibler, schneller Belieferung bis zur Haustür am besten erfülle, führte Jacob aus und prognostizierte einen weiter steigenden Transportbedarf für die kommenden Jahre.
Dieser Einschätzung schloss sich Ministerialdirigent Dr. Christoph Wilk vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in seinen Ausführungen an. „Wir verzeichnen Jahr für Jahr wachsende Verkehre, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Dafür müssen wir die Infrastruktur in Schuss halten und dort, wo nötig, ausbauen.“ Und Wilk ergänzte, „insgesamt stehen zu wenige Mittel für die Instandhaltung und den Ausbau bereit". Dafür seien bundesweit jährlich mehr als sieben Milliarden Euro zusätzlich zu veranschlagen. Dem Bundesverkehrswegeplan 2015 werde das Land eine eigene Prioritätenliste zur Seite stellen, die derzeit unter Beteiligung der Öffentlichkeit erstellt werde, versprach Wilk und betonte, „Straßen bedeuten nicht nur Dreck, Lärm und Flächenversiegelung, sie sind für Mobilität, Wirtschaftswachstum und damit für Lebensqualität und Wohlstand unerlässlich“.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Logistik für die Region erläuterte Frank Hesse, Geschäftsführer der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim für den Bereich Standortpolitik. „Mehr als jeder zwanzigste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet im Verkehrsgewerbe“, sagte Hesse. Damit sei die Region ein sehr wichtiger Logistikstandort im bundesdeutschen Vergleich. Die Branche treibe auch die Leistungsfähigkeit der Verkehrswege um. Den Bedarf für Erhalt und Ausbau bezifferte Hesse auf rund 17 Milliarden Euro jährlich. „Das Skandalöse ist, die Mittel sind eigentlich vorhanden. Die Steuereinnahmen aus Verkehr und Transport belaufen sich auf rund 52 Milliarden Euro im Jahr.“
Eine Makroperspektive auf das Thema Verkehr und Transport nahm Dr. Gerhard Troche von der Europäischen Kommission in seinem Vortrag „Europäische Korridore und Herausforderungen für Deutschland“ ein. Die Europäische Union habe sich die Verknüpfung von Verkehrswegen als zentrales Ziel gesetzt, sagte Troche, „was wir in Europa brauchen, ist kein Flickenteppich, sondern ein kohärentes, europäisches Netz“.
Zugleich betonte er, dass Effizienzsteigerungen allein nicht reichten, um den zunehmenden Verkehr zu bewältigen. Gerade mit Blick auf den von der Kommission beschlossenen Klima-Fahrplan für eine CO2-arme Wirtschaft bis 2050, sei es unumgänglich, den Verkehr auf CO2-ärmere Transportmittel zu verlagern.
In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Prof. Dr. Diethardt Freye, wurden insbesondere Wege zur Finanzierung der Infrastruktur erörtert. Um Effizienzsteigerungen in Transport und Verkehr ging es im Vortrag von Dr. Thomas Nobel von der Deutschen GVZ-Gesellschaft. Er hob die Bedeutung von Güterverkehrszentren hervor. Und Michael Moehlmann vom JadeWeserPort skizzierte die Anforderungen, die Häfen bewältigen müssen, um zukunftsorientierte Transportkonzepte umzusetzen. Dr. Roland Zimmerling, Geschäftsführer der aio IT for Logistics, Eugen Siebert von der Kraftverkehr Emsland sowie Dr. Thomas Landwehr vom ISL Bremen und Timo Köhler von der dbh Logistics IT, stellten ihre innovativen IT-Lösungen für eine zukunftsorientierte Transportlogistik vor. Guido Lehrke, Geschäftsführer des Unternehmens integral logistics, zeigte im Vortrag, welche Herausforderungen in Zukunft auf die Logistik zukommen werden.
Der Osnabrücker Logistiktag wird einmal jährlich von der Fachgruppe Logistik der Hochschule Osnabrück veranstaltet. Unterstützt wurde die diesjährige Veranstaltung vom Kompetenznetz Individuallogistik e.V. (KNI), dem Institut für Verkehr und Logistik in der Science to Business GmbH der Hochschule Osnabrück (LOGIS.NET), dem Arbeitskreis „Technische Logistik“ des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Osnabrücker Land (WIGOS) sowie der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.
Weitere Informationen:
Axel Jacob
Verwaltung Professur Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistikmanagement/ Forschungsprojekt KOMOBAR
Telefon: 0541 969-3678
E-Mail: A.Jacob@hs-osnabrueck.de
Von: Isabelle Diekmann