Ehrenamtliches Engagement kann vor Vereinsamung im Alter schützen Montag, 24. Juni 2013

Johannes Behnen
Am Anfang steht die Frage der Definition: Johannes Behnen analysierte während der Fachtagung "Einsamkeit und Ehrenamt im Alter" auch, was unter dem Begriff Ehrenamt verstanden wird. Foto: Holger Schleper

Fachtagung der Hochschule Osnabrück zeigte auch den Wandel im Verständnis ehrenamtlicher Tätigkeiten auf

Ehrenamtliches Engagement kann dazu beitragen, im Alter nicht zu vereinsamen. Das ist eine der Kernaussagen der Tagung „Einsamkeit und Ehrenamt im Alter“, zu der jetzt die Hochschule Osnabrück und das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration eingeladen hatten. „Bereits heute ist jeder vierte Einwohner Niedersachsens älter als 60 Jahre. In weniger als einer Generation wird dieser Anteil auf knapp 40 Prozent ansteigen“, stellte Björn Kemeter fest, der im Ministerium das Referat Seniorenpolitik, Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe leitet. Elisabeth Leicht-Eckardt, federführende Professorin des Forschungsprojektes an der Hochschule, machte es mit einem Augenzwinkern noch anschaulicher: „Früher gab es vom Bürgermeister einen Blumenstrauß, wenn man 65 wurde, heute gibt es den mit 90 Jahren.“

Die allgegenwärtige gesellschaftliche Relevanz des Themas war dann auch Anlass für das Sozialministerium, die vom Land mit 300.000 Euro finanzierte Studie in Auftrag zu geben. Dabei legten die Forscher der Hochschule ihr Augenmerk auf ältere Menschen, die sich in der Phase des Übergangs von der Berufstätigkeit in den Ruhestand befinden. Um zu landesweit aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, untersuchten die Wissenschaftler drei Modellregionen: Osnabrück als Beispiel für den urbanen Raum, die Region Göttingen als Modell für den städtisch-ländlichen Übergangsraum sowie die emsländische Stadt Papenburg im ländlichen Gebiet.

Der Doktorand Johannes Behnen präsentierte die Ergebnisse. Im Kern stellte er fest: „Auf einer wissenschaftlich fundierten Einsamkeitsskala konnten wir ablesen, dass die erhöhten Einsamkeitswerte eher bei den nicht ehrenamtlich engagierten Menschen zu finden waren.“ Das Ergebnis beruht auf einer Fragebogenerhebung, wobei 125 engagierte Probanden 44 nicht engagierten Probanden gegenüberstanden. Behnen räumte ein, dass aufgrund der durch strenge Auswahlkriterien reduzierten Datenbasis die Ergebnisse rein statistisch gesehen nicht signifikant sind. „Aber fest steht, dass sich unter den von uns befragten ehrenamtlich engagierten Personen fast niemand einsam fühlte.“
Was die detaillierte Analyse noch zeigte: Ob sich eine Person ehrenamtlich engagiert, wird auch durch die Höhe ihrer Nettoeinkünfte beeinflusst sowie von der Infrastruktur wie dem ÖPNV. Prof. Dr. med. Cornelius Frömmel, Vertreter des Netzwerks Gesundheitsregion Göttingen ergänzte, dass Einsamkeit ein großer Risikofaktor für Erkrankungen ist.

Im gut besuchten Gemeindehaus St. Marien in Osnabrück nahmen die Wissenschaftler zudem die veränderten Anforderungen an ehrenamtliches Engagement in den Blick. Leicht-Eckardt und Behnen betonten, dass sich viele Menschen zunehmend in ausgewählten Projekten engagieren wollen und weniger in Vereinen oder Verbänden. „Und trotzdem stellen diese Menschen die Frage: Wenn ich mich einbringe, wer übernimmt dann die Hintergrundarbeit und schafft die notwendigen Strukturen“, erklärte Leicht-Eckardt. Angesprochen sei damit auch die Bedeutung von Hauptamtlichen. Die Forscher betonten, dass die Hauptamtlichen das unverzichtbare Gerüst bilden und durch Ehrenamtliche nicht ersetzt werden können. „Es ist uns allerdings aufgefallen, dass die ehrenamtlich engagierten Menschen zunehmend Wert darauf legen, bei ihrer Tätigkeit mitentscheidend eingebunden zu werden.“

Resümierend stellte Leicht-Eckardt fest, dass es im Blick auf die Modellregionen eine große Vielfalt an Möglichkeiten gebe, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Aber die Angebote bieten nicht immer ein gute Struktur.“ Die Forscher verbanden das mit der Empfehlung an Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter auf die Phase des Übergangs in den Ruhestand stärker vorzubereiten und ihnen Möglichkeiten für ein erfüllendes ehrenamtliches Engagement aufzuzeigen.

Delia Balzer von der „Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag“ moderierte die Tagung, in der es immer wieder lebhafte Diskussionen gab. Partner in den Modellregionen waren die Freiwilligenagentur und die Stadt Osnabrück, der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer aus Papenburg sowie die Stadt Papenburg und die Stadt sowie die Gesundheitsregion Göttingen.

Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt
Tel.: 0541 969-5088
E-Mail: E.Leicht-Eckardt@hs-osnabrueck.de

Von: Holger Schleper

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