Bundesweite Studie zur Qualität und Akzeptanz der Kita- und Schulverpflegung gestartet Freitag, 11. September 2026

Screenshot mit Zoomkacheln
Auftakttreffen für das neue Forschungsprojekt KiSMo: Beim digitalen Kick-off kamen die drei wissenschaftlichen Verbundpartner sowie Vertreterinnen und Vertreter des BMLEH, der BLE und der DGE zusammen

Wie die Qualität und Akzeptanz der Kita- und Schulverpflegung in Deutschland erfasst und langfristig verbessert werden können, untersucht eine gemeinsame Studie der Hochschule Osnabrück, der Universität Konstanz und der Universität Göttingen.

Osnabrück/Konstanz/Göttingen, 10. September 2026. Rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland essen täglich in Kitas und Schulen. Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung wird die Gemeinschaftsverpflegung weiter an Bedeutung gewinnen. Doch ein aus-gewogener Speiseplan allein reicht nicht aus, wenn das Essen am Ende nicht gegessen wird. Wie Verpflegungsangebote gestaltet sein müssen, damit sie gesundheitlichen und fachlichen Anforderungen entsprechen und zugleich von Kindern und Jugendlichen gerne angenommen werden, untersucht nun das bundesweite Forschungsprojekt KiSMo - Kita- und Schulverpflegungsmonitoring.

Das Verbundprojekt wird von der Hochschule Osnabrück geleitet; Partner sind die Universität Konstanz und die Georg-August-Universität Göttingen. Gefördert wird KiSMo vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über den Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Das Projekt läuft von September 2026 bis August 2028. Die Ergebnisse sollen eine aktuelle und belastbare Grundlage schaffen, um die Kita- und Schulverpflegung in Deutschland datenbasiert weiterzuentwickeln.


„Kita- und Schulessen begleitet Millionen Kinder durch ihren Alltag. Umso wichtiger ist es, verlässlich zu wissen, was gut funktioniert und wo Verbesserungen nötig sind. Dafür brau-chen wir aktuelle bundesweite Daten“, sagt Prof. Dr. Melanie Speck, Professorin für Sozio-ökonomie in Haushalt und Betrieb an der Hochschule Osnabrück und Leitung des Verbundprojekts.

 

Was entscheidet, ob Kinder und Jugendliche das Essen annehmen?

Ein besonderer Schwerpunkt von KiSMo liegt auf der Akzeptanz und Nutzung der Verpfle-gung. Dafür werden alle Beteiligten befragt: von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern über die Leitungen der Kitas und Schulen bis hin zu den Verpflegungsverantwortlichen. So lassen sich die unterschiedlichen Perspektiven auf Angebot, Nutzung, Zufriedenheit, Kosten und organisatorische Rahmenbedingungen für jede Einrichtung miteinander verknüpfen.

„Ob Kinder und Jugendliche das Angebot in Kita und Schule nutzen, hängt nicht allein davon ab, was auf dem Teller liegt. Entscheidend ist die gesamte Ernährungsumgebung: Wie ist die Essenssituation gestaltet, was kostet das Essen, wie läuft die Organisation - und welche Alternativen gibt es auf dem Schulweg oder um die Ecke? Mit KiSMo wollen wir diese Umgebung erstmals bundesweit systematisch erfassen und verstehen, unter welchen Bedingungen Schulverpflegung eine echte Chance hat“, erklärt Prof. Dr. Britta Renner, Professorin für Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie an der Universität Konstanz.

Die Universität Konstanz bringt im Verbund insbesondere ihre Expertise in die schulbezogenen Befragungen ein und verantwortet die Analyse der schulischen Ernährungsumgebung. Dabei werden Befragungsdaten zur Nutzung und Akzeptanz der Schulverpflegung mit Daten zur schulischen Ernährungsumgebung verknüpft.

 

Mehrstufiges Design für belastbare Daten

Um möglichst belastbare Aussagen für Deutschland treffen zu können, ist KiSMo mehrstufig angelegt. Zunächst entsteht eine bundesweite Übersicht aller Kitas, Kitaträger und allge-meinbildenden Schulen. Darauf aufbauend erfasst ein digitales Kurzscreening zentrale Fak-toren - etwa, ob das Essen vor Ort zubereitet oder aus einer Zentralküche angeliefert wird und wie viele Kinder mitessen. Diese Informationen bilden die Grundlage für die Auswahl re-präsentativ angelegter Stichproben für die vertiefenden Befragungen.

„Wir streben an, mit mehreren aufeinander abgestimmten Befragungen an Kitas und Schulen ein möglichst verlässliches Bild für ganz Deutschland zu gewinnen. Nur so können praxisnahe und belastbare Empfehlungen für die Kita- und Schulverpflegung abgeleitet werden“, sagt Prof. Dr. Achim Spiller, Professor für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Georg-August-Universität Göttingen.
Die Erhebungsinstrumente für Kitas und Schulen werden gemeinsam im Verbund entwickelt und abgestimmt. Die Universität Göttingen bringt dabei insbesondere Expertise zur Erfassung zielgruppenspezifischer Akzeptanzfaktoren, zur Fragebogenentwicklung und zur me-thodischen Vergleichbarkeit der Befragungen ein.

Die Hochschule Osnabrück verantwortet neben der Gesamtleitung die Erhebungen in den Kitas sowie die vertiefenden Analysen in ausgewählten Einrichtungen. Durch die langjährige Arbeit im Bereich der indikatorbasierten Nachhaltigkeitsbewertung kann das entsprechende Wissen in diesem Feld eingebracht werden. Das Forschungsteam untersucht Speisepläne, Rezepturen, Portionsgrößen und, soweit verfügbar, Betriebs- und Warenwirtschaftsdaten. Dabei geht es unter anderem darum, inwieweit die Qualitätsstandards der Deutschen Gesell-schaft für Ernährung (DGE) umgesetzt werden. Neben der Nährstoffzusammensetzung wer-den auch Nachhaltigkeitsaspekte und Kosten berücksichtigt. So verbindet KiSMo die Frage, was auf den Teller kommt, mit der Frage, unter welchen Bedingungen das Angebot von Kin-dern und Jugendlichen tatsächlich angenommen und genutzt wird.
Monitoring für die Zukunft

KiSMo soll nicht nur eine Momentaufnahme liefern. Auf Grundlage der bundesweiten Erhe-bungen entwickelt das Forschungsteam ein standardisiertes Monitoring-Konzept. Damit soll es künftig möglich werden, zentrale Kennzahlen zur Kita- und Schulverpflegung - etwa Nut-zung, Angebotsqualität, Nachhaltigkeit und Ernährungsumgebung - regelmäßig, vergleichbar und mit vertretbarem Aufwand zu erfassen. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stefan Stiene, Professor für Intelligente Agrarsysteme an der Hochschule Osnabrück, bringt dafür Expertise zu Datenstrukturierung und KI-gestützten Verfahren ein.

Die Ergebnisse des Projekts sollen in den 16. DGE-Ernährungsbericht einfließen.

 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Melanie Speck 
Professur Sozioökonomie in Haushalt und Betrieb Arbeitsgruppe Transformative Ernährungs- und Konsumsysteme Hochschule Osnabrück 0541 969-5090 m.speck@hs-osnabrueck.de

Prof. Dr. Britta Renner 
Professorin für Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie Universität Konstanz
07531 88-4679 britta.renner@uni-konstanz.de 

Prof. Dr. Achim Spiller 
Professur für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte Georg-August-Universität Göttingen

Von: Ronan Morris