Studierende der Hochschule Osnabrück gewinnen drei Posterpreise bei der Gartenbauwissenschaftlichen Tagung Montag, 16. März 2026
Auszeichnungen für Forschungsarbeiten zu nachhaltigen und technologiebasierten Ansätzen im Gartenbau.
(Osnabrück, 16. März 2026) Drei Masterstudierende der Hochschule Osnabrück sind auf der 58. Gartenbauwissenschaftlichen Tagung an der Fachhochschule Erfurt für ihre wissenschaftlichen Poster ausgezeichnet worden. Das übergeordnete Tagungsthema lautete „Ressourceneinsparung im Gartenbau: Wie Technologie den Gartenbau nachhaltiger gestaltet“. Neben den rund 60 Vorträgen wurden auch 45 wissenschaftliche Poster ausgestellt. Eine unabhängige Jury vergab den ersten Preis an Kim Kyra Brüntjen, den zweiten Preis an Lea Kochmann sowie einen Sonderpreis für Studierende an Linus Arlt. Alle drei studieren im Master „Angewandte Pflanzenwissenschaften“ an der Hochschule Osnabrück. Besonders beeindruckend: Die beiden ausgezeichneten Studentinnen gewannen in einer Kategorie, in der sich auch Promovierende beteiligten.
Die prämierten Arbeiten zeigen beispielhaft, wie neue Technologien und innovative Forschungsansätze dazu beitragen können, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Produktion im Gartenbau nachhaltiger zu gestalten. Von sensorgestützter Düngung über automatisierte Pflanzenanalyse bis hin zur gezielten Anreicherung von Nährstoffen in Lebensmitteln.
Selenanreicherung in Äpfeln durch Blattdüngung
Kim Kyra Brüntjen untersuchte, wie sich der Gehalt des Spurenelements Selen in Äpfeln gezielt erhöhen lässt. Selen ist für viele Körperfunktionen wichtig, kommt jedoch in deutschen Böden meist nur in geringen Mengen vor und gelangt daher auch nur begrenzt in die Nahrungskette. In einem Versuch mit der Apfelsorte „Topaz“ wurde deshalb untersucht, wie sich Selen über Blattdüngung in den Bäumen anreichert und innerhalb der Pflanze verteilt. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Blätter als auch Früchte Selen aus den aufgesprühten Lösungen aufnehmen können. Dabei wurde ein Teil des über die Blätter aufgenommenen Selens in die Früchte transportiert. Durch die Behandlung ließ sich der Selengehalt der Äpfel deutlich steigern: Während Kontrollfrüchte nur sehr geringe Mengen enthielten, erreichten behandelte Äpfel Werte, mit denen bereits der Verzehr eines einzelnen Apfels die empfohlene tägliche Selenzufuhr eines Erwachsenen decken könnte. Die Untersuchung liefert damit wichtige Erkenntnisse für Strategien zur Verbesserung der Nährstoffversorgung über pflanzliche Lebensmittel.
Optische Sensoren für eine präzisere Stickstoffdüngung im Brokkolianbau
Lea Kochmann beschäftigte sich mit der Frage, wie sich der Stickstoffbedarf von Brokkoli- pflanzen genauer bestimmen lässt. Hintergrund ist, dass das pflanzenverfügbare Stickstoffangebot von Böden innerhalb eines Feldes stark variieren kann. Im Rahmen eines Feldversuchs wurde daher untersucht, ob sich der Stickstoffstatus der Pflanzen mittels optischer Sensorsysteme zuverlässig erfassen lässt. Dazu kamen zwei verschiedene Sensortypen zum Einsatz, mit denen wöchentlich während der Wachstumsphase Messungen im Bestand durchgeführt wurden. Anschließend erfolgte die Entnahme von Pflanzenproben, die im Labor auf ihren Stickstoffgehalt untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen den Sensordaten und der tatsächlichen Stickstoffaufnahme der Pflanzen. Besonders der auf Reflexionsmessungen basierende Sensor erwies sich als geeignet, um Unterschiede im Nährstoffstatus zu erkennen. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, wie sensorgestützte Verfahren künftig auch im Gemüsebau eingesetzt werden könnten, um Düngemittel gezielter und damit ressourcenschonender einzusetzen.
Automatisierte Fotobox unterstützt Pflanzenanalyse
Linus Arlt, der den Sonderpreis für Studierende erhielt, widmete sich der automatisierten Erfassung von Pflanzenmerkmalen. In Forschung und Züchtung müssen häufig große Pflanzenbestände untersucht und Merkmale wie Knospen- oder Blütenanzahl dokumentiert werden. Dieser zeitaufwendige Prozess erfolgt bislang vornehmlich manuell. Im Rahmen der Arbeit wurde eine Fotobox entwickelt, die Pflanzen aus mehreren Perspektiven fotografiert und die Bilder anschließend automatisiert auswertet. Dafür wurden Kameras, spezielle Beleuchtung und Polarisationsfilter kombiniert, um schattenfreie und kontrastreiche Aufnahmen zu erzeugen. Mithilfe einer Bildanalyse-Software konnten Blüten zuverlässig erkannt und gezählt werden, während die Knospenerkennung keine sichere Aussage bot. Insgesamt wurden 190 Pflanzen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen das Potenzial solcher Systeme, künftig große Pflanzenbestände und dessen spezifische Merkmale effizienter und objektiver zu analysieren.
Über den Preis
Die Gartenbauwissenschaftliche Tagung ist der wichtigste jährliche Treffpunkt der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft e. V. (DGG) und des Bundesverbands der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V.
Mehr als 200 Personen aus Forschung, Lehre und Praxis kommen hier zusammen und diskutieren aktuelle Themen in Vorträgen und Postern. Für die Hochschule Osnabrück sind die diesjährigen Auszeichnungen eine erneute Bestätigung der Leistungsfähigkeit und des Engagements der Studierenden und Mitarbeitenden in den angewandten Pflanzenwissenschaften.
Von: Ronan Morris