„Mehr als nur ein guter Pluspunkt für den Lebenslauf“ Freitag, 20. Februar 2026

Elf Absolventinnen des Niedersachsen-Technikums an der Hochschule Osnabrück und Universität Osnabrück haben in einer Feierstunde am Campus Westerberg ihre Urkunden erhalten. Zu den ersten Gratulantinnen gehörten Professorin Dr. Susanne Düchting (Hochschule Osnabrück), Professorin Dr. Andrea Lenschow (Universität Osnabrück) sowie Maleen Glockzin von der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung und die Koordinatorinnen des Berufsorientierungsprogramms Johanna Risse und Marika Gervens. (Foto: Hochschule Osnabrück)

Erfolgreicher Abschluss des Niedersachsen-Technikums: Elf Teilnehmerinnen des Berufsorientierungsprogramms für (Fach-)Abiturientinnen starten gestärkt in ihre MINT-Zukunft. Auf der Feierstunde haben sie jetzt über ihre Erfahrungen in Unternehmen sowie an der Hochschule Osnabrück und Universität Osnabrück berichtet.

Praxis im Unternehmen, Einblicke ins Studium und eine klare berufliche Orientierung: Elf Teilnehmerinnen haben den aktuellen Durchgang des Niedersachsen-Technikums an der Hochschule Osnabrück und der Universität Osnabrück erfolgreich abgeschlossen. Über sechs Monate hinweg arbeiteten sie an vier Tagen pro Woche in regionalen Betrieben mit und besuchten an einem Tag Lehrveranstaltungen an den Osnabrücker Hochschulen. Ziel des Programms ist es, jungen Frauen praxisnah Perspektiven im MINT-Bereich zu eröffnen und fundierte Studien- oder Berufsentscheidungen zu ermöglichen. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Berufsfelder, in denen Frauen in Deutschland noch immer unterrepräsentiert sind.

 

„Jetzt traue ich mir ein technisches Studium wirklich zu.“

Rieke Bienert zieht ein klares Fazit: „Das Technikum hat mir Sicherheit gegeben, meinen Weg im technischen Bereich weiterzugehen.“ Nach dem Abitur wollte sie nicht direkt ins Studium starten, sondern zunächst herausfinden, wie technische Berufe tatsächlich aussehen und welche Anforderungen sie mit sich bringen.

In ihrem Unternehmen PURPLAN lernte sie zahlreiche Abteilungen kennen – von Projektplanung über Elektrowerkstatt, Lagerlogistik und mechanische Fertigung bis hin zum Konstruktionsbüro. Dort arbeitete sie mit CAD-Software und plante eigenständig Bauteile. Der Wechsel vom Schulalltag in reale Projekte mit festen Abläufen und Verantwortung sei anfangs herausfordernd gewesen, habe sie aber besonders wachsen lassen: „Ich habe gelernt, offen auf Neues zuzugehen, Verantwortung zu übernehmen und bei Unsicherheiten aktiv nachzufragen.“ Durch die Einblicke in die verschiedenen Abteilungen habe Rieke ein realistisches Bild davon bekommen, wie vielseitig technische Berufe sein können und welch unterschiedlichen Aufgabenbereiche es gibt: „Besonders wichtig war für mich, dass ich gelernt habe, mich schnell in neue Themen einzuarbeiten, flexibel zu bleiben und mich in verschiedenen Arbeitsumgebungen zurechtzufinden.“ 

An der Universität Osnabrück hat Rieke Bienert die Vorlesung „Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“ besucht – ebenfalls eine gute Erfahrung aus ihrer Sicht: „Ich habe ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie Informationssysteme funktionieren, wie Daten verarbeitet werden und welche Rolle digitale Prozesse in Unternehmen spielen.“ Für die 20-Jährige steht fest: „Ein technisches Studium ist für mich nun eine realistische und motivierende Perspektive.“

 

„Es war viel mehr als nur ein Pluspunkt für den Lebenslauf.“

Auch Hannah Euler blickt sehr positiv auf das vergangene Halbjahr im Niedersachsen-Technikum zurück. Mit einem schulischen Interesse an Informatik wollte sie herausfinden, ob sowohl ein Studium als auch der Berufsalltag in diesem Bereich zu ihr passen – und gleichzeitig ihr Fachwissen vertiefen: „Besonders wichtig war mir die Möglichkeit, über das Technikum unkompliziert einen qualifizierten Praktikumsplatz mit enger Betreuung zu erhalten.“

Beim Software-Dienstleister basecom entwickelte sie eigenständig eine Web-Anwendung: „Es geht um eine Übersicht der Restaurants in Osnabrück mit internen Bewertungen, Favoritenfunktion und Entscheidungs-Quiz.“ Dafür führte die Technikantin Interviews mit Mitarbeitenden, definierte Anforderungen, entwarf das Design und setzte die Anwendung inklusive Datenbankanbindung technisch um. So durchlief sie den kompletten Entwicklungsprozess – von der Idee bis zum fertigen Produkt. Neben fachlichen Kompetenzen gewann Hannah vor allem an Selbstvertrauen: „Kundentermine, Präsentationen und Teamarbeit haben mir Einblicke in betriebliche Abläufe gegeben und meine kommunikativen Fähigkeiten gestärkt.“ Besonders wertvoll seien für die 18-Jährige die persönliche Atmosphäre, neue Freundschaften und das Gefühl gewesen, als vollwertiges Teammitglied mitzuwirken.

An der Hochschule Osnabrück belegte sie das Modul „Audio- und Videotechnik“ und hat sowohl eine Hausarbeit als auch eine Klausur mitgeschrieben. Hannah Eulers Fazit: „Ich gehe mit neuen Bekannt- und Freundschaften und vielen neuen Kompetenzen aus dem Technikum heraus. Es ist viel mehr als nur ein guter Pluspunkt für den Lebenslauf.“

 

Breites Angebot an beiden Hochschulen und in elf Kooperationsunternehmen

So wie Rieke Bienert und Hannah Euler nutzten auch neun weitere junge Frauen das Niedersachsen-Technikum, um ihre Interessen zu schärfen, praktische Erfahrungen zu sammeln und konkrete Studien- oder Ausbildungspläne zu entwickeln. Neben ihren bezahlten Praktika in den elf kooperierenden Unternehmen besuchten die Technikantinnen Lehrveranstaltungen aus unterschiedlichen MINT-Fachgebieten wie „Konstruktion und technische Visualisierung“, „Audio- und Videotechnik“, „Grundlagen der Chemie“, „Physische Geographie (System Feste Erde)“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Laborversuche zur Physik“. Zusätzlich stand Austausch mit Studierenden und Lehrkräften sowie Unternehmens- und Campusbesuche auf dem Programm. 

 

Den Technikatinnen stehen jetzt viele Wege offen 

Auf der Abschlussfeier berichteten die Teilnehmerinnen über ihre Erfahrungen im Technikum und stellten Projekte vor, die sie in ihren Unternehmen eigenständig bearbeitet haben. Ein Highlight war die Verleihung der Abschlussurkunden: Die Vizepräsidentin der Hochschule Osnabrück für Chancengerechtigkeit und Nachhaltigkeit, Professorin Dr. Susanne Düchting, und die Vizepräsidentin der Universität Osnabrück für Internationales, Diversität und wissenschaftliche Qualifikation, Professorin Dr. Andrea Lenschow, beglückwünschten die Teilnehmerinnen gemeinsam zu ihrem Erfolg: „Sie haben in den vergangenen Monaten Mut, Ausdauer und Neugier bewiesen. Darauf können Sie sehr stolz sein. Jetzt stehen Ihnen viele Wege offen. Nehmen Sie das Selbstvertrauen und die Erfahrungen aus dieser Zeit mit in Ihre Zukunft!“ 

Zu den ersten Gratulantinnen gehörten auch Maleen Glockzin von der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung und die Koordinatorin des Berufsorientierungsprogramms Johanna Risse, die den Jahrgang über Monate eng begleitete und die Abschlussfeier souverän moderierte, sowie ihre Kollegin Marika Gervens.

 

Starkes Netzwerk seit 16 Jahren

Das Niedersachsen-Technikum gilt seit 16 Jahren als erfolgreiches Modellprojekt zur Förderung junger Frauen im MINT-Bereich. Ein Großteil der Absolventinnen entscheidet sich anschließend für ein Studium oder eine Ausbildung in technischen oder naturwissenschaftlichen Fächern. Gefördert wird das Programm vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie von der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung und der Stiftung NiedersachsenMetall. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Jahrgangs setzt das Niedersachsen-Technikum damit erneut ein starkes Zeichen für praxisnahe Berufsorientierung und nachhaltige Nachwuchsförderung der Frauen im MINT-Bereich.

 

Zum Hintergrund: Kooperierende Unternehmen des Durchgangs 2025/26:

basecom GmbH & Co. KG, Emsland Group, Höcker Polytechnik GmbH & Co.KG, Kämmerer Spezialpapiere GmbH, Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG, The Plantly Butchers GmbH & Co. KG, Schoeller Technocell GmbH & Co. KG, Stadtwerke Osnabrück, PURPLAN, Volkswagen Osnabrück GmbH, ZF Friedrichshafen AG.

 

Weitere Informationen: 
https://www.niedersachsen-technikum.de/

 

Von: Lidia Wübbelmann

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