Internationale Preise für Semesterarbeiten im Studiengang Media & Interaction Design Freitag, 19. Juni 2020

Ein Besucher des Tuchmacher Museums Bramsche lernt das traditionelle Webhandwerk an der interaktiven Webstation „Loom“ kennen, die Studierende der Hochschule Osnabrück entwickelt haben. (Foto: Hochschule Osnabrück)
Der intelligente Tablettenspender „ayd“ – hier Zubehör und App – unterstützt Menschen, die auf Tabletten angewiesen sind, mit richtiger Dosierung und einer Erinnerungsfunktion. Entwickelt wurde er im Studiengang Media & Interaction Design an der Hochschule Osnabrück. (Foto: Bardelmann und Licher)

Zwei Semesterarbeiten der Hochschule Osnabrück erhalten drei renommierte internationale Design-Preise. Studentische Teams haben eine interaktive Webstation für das Tuchmacher Museum Bramsche und einen intelligenten Tablettenspender entwickelt.

 

Zwei Semesterarbeiten der Studierenden von Media & Interaction Design (MID) an der Hochschule Osnabrück erhielten kürzlich renommierte internationale Preise.


Doppelte Anerkennung für interaktiven Webstuhl

Gleich zwei Auszeichnungen gingen an die Arbeit „Loom“ (englisch für „Webstuhl“). Aljoscha Theil, Julian Ruthemeyer, Perihan Isik, Jonas Mai, Tom Janssens, Sebastian Winter und Maximilian Berndt haben für das Tuchmacher Museum Bramsche eine interaktive Webstation entwickelt. Im überregional bekannten Museum werden seit 1977 historische Web- und Spinnmaschinen präsentiert. Mit der studentischen Entwicklung zieht die moderne Technologie der Erweiterten Realität (bekannt auch unter der Abkürzung „AR“ für den Fachbegriff „Augmented Reality“) ins Museum ein: Besucherinnen und Besucher können nun den Webprozess an einem ausgestellten Webstuhl in einer vereinfachten Darstellung interaktiv nachvollziehen. Neben drei haptischen Interaktionselementen hat das Team ein Tablet verbaut, das eine Schnittstelle zwischen dem originalen Webstuhl und der interaktiven Station bildet. Die Programmoberfläche zeigt den echten Webstuhl, dem digitale Informationen hinzugefügt wurden. Beim virtuellen Weben werden Gäste durch die einzelnen Prozessschritte geleitet. Dabei erkennt die verbaute Sensorik deren Eingaben. Mit der Zeit entsteht ein digitales Tuch als Ergebnis eigener Webarbeit.

„Alle, die das Tuchmacher Museum besuchen, können jetzt das Webhandwerk durch eigenes Ausprobieren spielerisch entdecken“, freut sich der Teamsprecher Aljoscha Theil. „Unsere Station bildet die Funktionsweise einer historischen Maschine nach und verdeutlicht mit Hilfe von AR-Technologie einzelne Arbeitsabläufe, ohne dass das empfindliche Original tatsächlich bewegt werden muss.“

Das innovative Projekt der sieben Studierenden hat die Jury des renommierten Junior-Wettbewerbs des Art Director Clubs beeindruckt. In der Kategorie „Semesterarbeiten – Kommunikation im Raum“ erhielt die Semesterarbeit die beste Platzierung: Sie wurde mit dem „silbernen Nagel“ ausgezeichnet. „Das Exponat Loom ermöglicht eine ganz unmittelbare Erfahrung der Arbeit am Webstuhl. Die intelligente, gegenseitige Bereicherung von physischer Erfahrung und digitaler Interaktion und Sensorik macht diese Arbeit zu einem eigenen Maßstab in dieser Kategorie", so das Lob der internationalen Jury.

Neben dieser Anerkennung freut sich das Team auch über den international hochangesehenen „Indigo Award“ in Silber in der Kategorie „Interactive Design, Non-Professional“. Die ersten Glückwünsche zu den beiden renommierten Preisen erhielten die Studierenden von ihren Betreuern, Prof. Hannes Nehls, Jens de Boer und dem Tischlermeister Felix Winkelmann von der hochschuleigenen Betriebswerkstatt.

 

Intelligenter Tablettenspender „ayd“ vom Art Director Club ausgezeichnet

Die angehenden Designer Dominik Bardelmann und Lukas Licher haben sich mit ihrem Projekt „ayd“ eines ernsthaften Problems angenommen – gesundheitlicher Schäden durch Fehler bei

gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel. Alleine in Deutschland nimmt rund ein Viertel der Bevölkerung (23 Prozent) mindestens drei Medikamente pro Tag ein. Genauso viele vergessen, ihre Medikamente einzunehmen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und einer Nielsen-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH).

„Bei solch einer Masse an Medikamenten wird das Vorbereiten und Einnehmen zur täglichen Herausforderung“, sagt Dominik Bardelmann. „Viele Menschen benötigen Unterstützung durch Angehörige und Pflegedienste“, ergänzt sein Kommilitone Lukas Licher. Nach einer längeren Recherche und Analyse des Problems haben die beiden Studenten ihre Lösung entwickelt – den intelligenten Tablettenspender „ayd“. Er sortiert Medikamente und gibt die passende Dosierung zur richtigen Uhrzeit aus. Zusätzlich erinnert er visuell und akustisch an die Einnahme. „Uns war wichtig, dass der Tablettenspender leicht zu bedienen ist und keine besondere technische Affinität verlangt“, betonen die beiden Teamkollegen.

Ihr Konzept basiert auf der Zusammenarbeit mit lokalen Apotheken, die Tablettenboxen mit den benötigten Medikamenten vertreiben. Auf den Boxen speichert die Apotheke Informationen wie die Dosierung oder den Medikationszeitraum. Zu Hause stellen Nutzerinnen und Nutzer die Boxen in ihre Tablettenspender. Dabei werden die Daten automatisch übertragen. Das System ist nun in der Lage, ohne weitere Bedienung das korrekte Medikament in der passenden Dosis und zum richtigen Zeitpunkt auszugeben.

Dass die Entwicklung aktuell und innovativ ist, beweist deren Auszeichnung mit dem „bronzenen Nagel“ des Art Director Clubs in der Kategorie „Semesterarbeiten – Produkt / Service“. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Nehls und Jens de Boer und Björn Plutka.

 

Technische und gestalterische Elemente kombinieren

„Die Auszeichnung beider Arbeiten freut mich sehr“, sagt Nehls, Professor für Interaction Design an der Hochschule Osnabrück. „Sie ist auch eine schöne Bestätigung dafür, wie erfolgreich es ist, in Projektarbeiten technische und gestalterische Elemente aufs engste zu verzahnen.“

Diese Kombination ist ein „Markenzeichen“ des Studiengangs Media & Interaction Design an der Hochschule Osnabrück. Seit 2013 bringt er Design, Informationstechnologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften zusammen. Absolventinnen und Absolventen können deshalb komplexe Systemabläufe so gestalten, dass Menschen intuitiv, mit Freude und effektiv mit digitalen Geräten und Dienstleistungen umgehen können.

 

Weitere Informationen:

Hochschule Osnabrück
Prof. Hannes Nehls, Interaction Design
E-Mail: j.nehls@hs-osnabrueck.de
Telefon: 0541 969-3731

Kurzvideo zum „Loom“-Projekt:
https://vimeo.com/388619787

Kurzvideo zum „ayd“-Projekt:
https://vimeo.com/267482206

 

Von: Lidia Wübbelmann

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