Die Entwicklung humanoider Robotik macht derzeit große Fortschritte. „Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?“ „Für welche Zwecke werden humanoide Roboter bereits eingesetzt?“ und „Was ist in Zukunft möglich?“.
Um diese Fragen zu diskutieren, luden die Talentakademie „Smart Factory & Products" des CarLa Projekts der Hochschule Osnabrück und die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim Vertreter*innen aus der Praxis an den Campus Lingen ein. Rund 40 Besucher*Innen folgten ihrer Einladung. Als Speaker bereicherten Sven Parusel, Head of Research Partnerships bei Agile Robots und Dr. Benjamin Panreck von der KRONE Gruppe die Veranstaltung mit ihrer Expertise.
Prof. Dr.-Ing. Steffen Greiser, der sich im Rahmen seiner Lehr- und Forschungstätigkeiten am Campus Lingen intensiv mit Robotik und Künstlicher Intelligenz beschäftigt, eröffnete die Veranstaltung. Laut ihm bestehe eine wesentliche Herausforderung von humanoider Robotik darin, künstliche Intelligenz mit der physischen Welt zu verbinden. „Large Language Models" wie ChatGPT könnten Sprache zwar verstehen und passende Antworten erzeugen, für einen humanoiden Roboter reiche das jedoch nicht aus: Er benötige eine KI, die Sprache und Informationen aus ihrer Umgebung verstehen, daraus passende Handlungen ableiten und sich dabei immer wieder an neue Situationen anpassen könne. Dafür fehlten bisher die Daten.
Um die Fähigkeiten humanoider Roboter zu verbessern, sei also viel praktisches Training in speziellen Trainingsumgebungen notwendig. Außerdem sei es auch eine Herausforderung, die Roboter technisch so auszustatten, dass sie ihre Umgebung wahrnehmen und mit ihr interagieren könnten, zum Beispiel, um Gegenstände zu ertasten und zu greifen.
Humanoide Robotik im Einsatz in Unternehmen
Dr. Benjamin Panreck und Lucas Riepe, Student am Institut für Duale Studiengänge am Campus Lingen, gaben Einblicke in die technische Erprobung humanoider Robotik bei der KRONE Gruppe. Im Rahmen einer Live-Demonstration des humanoiden Roboters “Unitree G1” zeigten sie den aktuellen Entwicklungsstand ihrer Software und schilderten ihre bisherigen Erfahrungen. Im Fokus stünden dabei der Kompetenzaufbau auf diesem Gebiet, die Erprobung möglicher Anwendungsfelder, wie etwa die Remote-Unterstützung bei Anlagenstörungen oder die Inspektion von Maschinen, sowie die Weiterentwicklung der Technologie. Ein konkreter Einsatz im regulären Produktionsbetrieb sei bislang nicht vorgesehen.
Sven Parusel von Agile Robotics ging in seinem Vortrag auf Deutschlands Rolle bei der Entwicklung humanoider Robotik ein. Er betonte, dass man hierzulande gut aufgestellt sei und international nicht deutlich zurückläge. Während manche Länder besondere Stärken in der künstlichen Intelligenz und andere in Robotik und industrieller Automatisierung besäßen, verbinde Deutschland beide Bereiche vergleichsweise gut und biete damit günstige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung.
Bis humanoide Roboter sicher und wirtschaftlich in der Produktion eingesetzt werden können, werde es dennoch noch einige Jahre dauern, prognostiziert Prof. Dr.-Ing. Steffen Greiser. In Videos in den sozialen Medien seien viele tanzende oder spektakulär agierende Roboter zu sehen. Das möge zwar beeindruckend aussehen, biete für industrielle Anwendungen aber keinen konkreten Mehrwert. Ein großflächiger Ersatz menschlicher Arbeitskräfte sei in naher Zukunft nicht abzusehen. „Humanoide Robotik bietet Potenziale, braucht aber realistische Erprobung und den engen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis“, resümiert er.
Zum Hintergrund
Das Career Lab (CarLa) ist ein von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt zur Bekanntmachung des Karrierewegs HAW-Professur und der Hochschule Osnabrück als attraktive Arbeitgeberin, mit dem Ziel, die Bewerbungslage in Berufungsverfahren zu verbessern. Auf dem „Osnabrücker Karriereweg“ soll interessierten Nachwuchswissenschaftler*innen durch bedarfsgerechte Qualifizierung eine akademische Laufbahn ermöglicht werden. Dazu wurden die drei Talentakademien „Health & Living“, „Smart Factory & Products“ und „Talents for Green Transformation“ ins Leben gerufen, in denen Talente bei der Entwicklung ihrer Berufungsfähigkeit unterstützt werden. Ein aktives Talentscouting und Qualifikationsmonitoring sorgen dabei für eine bestmögliche Beratung und Unterstützung auf dem Weg zur HAW-Professur.
Von: Pressestelle MKT