Projektmesse „Lösungen für die Welt von morgen“: Studierende stellen technische Ideen für die Zukunft vor Dienstag, 25. Februar 2020

Das Team von Julia Diers (4.v.l.) präsentierte auf der Projektmesse der Hochschule Osnabrück ein VR-Gedenkportal für Haustiere. Zufrieden mit den Ergebnissen zeigten sich der Betreuer, Prof. Dr. Philipp Lensing (5.v.r.) sowie die Kooperationspartner Arndt Nietfeld, Oliver Epping und Oliver Rölker vom ROSENGARTEN-Kleintierkrematorium (1.,2. und 4.v.r.) – hier mit dem Bürohund Milla. (Foto: Hochschule Osnabrück/Lidia Wübbelmann)

82 Studierende der Hochschule Osnabrück zeigen Lösungen für die Welt von morgen, die sie im Wintersemester entwickelt haben. Diesmal wurde mit elf Semesterprojekten eine Rekordzahl an Ideen vorgestellt.

15 Studentinnen und 67 Studenten der Hochschule Osnabrück haben am 20. Februar die Ergebnisse ihrer Semesterprojekte vorgestellt. Seit dem vergangenen Oktober haben sie in den Studiengängen Elektrotechnik, Elektrotechnik im Praxisverbund, Medieninformatik und Technische Informatik elf praxisnahe Projekte bearbeitet – sechs davon in Kooperation mit Unternehmen und Organisationen. „Wir haben die Projektmesse ‚Lösungen für die Welt von morgen‘ vor sieben Jahren ins Leben gerufen, um das breite Spektrum studentischer Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren“, berichtet der Organisator der Messe, Studiendekan Prof. Dr. Frank Thiesing: „So viele Projekte und so viele Gäste wie diesmal hatten wir noch nie.“

Die Teams sind in den letzten fünf Monaten spannenden Fragen nachgegangen: Ist es möglich, beim Radfahren Spenden für gemeinnützige Projekte zu sammeln? Welche neuen Funktionen können Türschilder in Zukunft übernehmen? Wie lassen sich dank Informatik Arbeitsabläufe in einem Logistikunternehmen mit täglich 25.000 Fahrten verbessern – oder die Verwaltung eines Großlagers? Kann eine App zu häufigerem Radfahren animieren? Und wie lassen sich mehrere Hochschullabore zu einer „Smart Factory“ vernetzen? Dieser Begriff steht für eine Produktionsumgebung, in der sich Fertigungsanlagen und Logistiksysteme selbst organisieren – ganz ohne menschliches Zutun.

Eigenen CO2-Fußabdruck bei Nutzung elektrischer Energie verkleinern
Nachhaltigkeit stand im Fokus des Teams um Thorsten Paßfeld. Die Gruppe hat einen sogenannten „CO2-Zähler“ entwickelt. Diese Vorrichtung ermöglicht es, elektrische Geräte nur bei sehr niedrigen CO2-Emissionen mit Strom zu versorgen. „Unser Zähler wird als Verbindungsglied zwischen Steckdose und Endgerät verwendet“, erklärt der Student der Technischen Informatik. Der Clou: Der Zähler kommuniziert mit einer Datenbank, die deutschlandweit für verschiedene Stromanbieter die jeweiligen CO2-Emissionen pro Kilowattstunde verbrauchtem Strom aufzeigt. Daraus berechnet das Gerät eine Einschätzung, wie gut die aktuellen CO2-Emissionen im Vergleich zur Prognose der nächsten 24 Stunden sind. Liegt diese Einschätzung über einem gewissen Schwellenwert, dann schaltet der CO2-Zähler das angeschlossene Gerät zeitweise aus.

„Nehmen wir an, ich möchte mein Smartphone über Nacht aufladen. Unser Zähler würde das Handy nur dann laden, wenn die Emissionen besonders niedrig sind“, so der Teamleiter. Natürlich lasse sich das automatische Abschalten des Handys auch deaktivieren – direkt am Zähler oder in der dazugehörigen App. Diese App zeigt zudem anschaulich an, wie viel Strom aktuell verbraucht wird und wie hoch die dadurch verursachten CO2-Emissionen sind.

Der Projektinitiator und -betreuer Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Damit erhält der Nutzer dieser App weltweit erstmalig die Möglichkeit, mit innovativer Technik seinen persönlichen CO2-Fußabdruck bei Nutzung elektrischer Energie zu verkleinern und durch eine bewusste Verhaltensänderung etwas aktiv gegen den Klimawandel zu unternehmen.“

Über das Erreichte freuen sich auch die elf Teammitglieder, die aus drei Studiengängen und drei verschiedenen Ländern kommen. „Ob Deutschland, Indien oder die USA – das Thema Umweltschutz spricht uns alle an“, so Elektrotechnik-Student Jesper Warburg: „Um unser ambitioniertes Projekt zum Erfolg zu bringen, war eine gute Aufgabenaufteilung sehr wichtig – das hat super funktioniert. Und auch Englisch als Projektsprache war kein Problem.“

Teamleiter Thorsten Paßfeld resümiert: „Alle Teammitglieder haben ihr Bestes aus dem jeweiligen Bereich gegeben – es war die perfekte Symbiose aus Elektrotechnik, Medien- und Technischer Informatik. Wir haben viel Neues dazugelernt und freuen uns, dass unser Projekt weiterentwickelt werden soll.“

Virtual Reality: Zukunftstechnologie hilft bei Trauer um Haustiere
Ob Kinobesuch, Unternehmensschulung oder neuartiges Verkaufserlebnis – die Virtuelle Realität (VR) erobert immer mehr unseren Alltag. Einen ungewöhnlichen Einsatz dieser Zukunftstechnologie haben jetzt acht Informatik-Studierende ausprobiert. Für das ROSENGARTEN-Kleintierkrematorium hat das Team um Julia Diers ein VR-Gedenkportal für verstorbene Haustiere geschaffen.

„Wir bieten unseren Kunden einen würdevollen Abschied von ihren verstorbenen Haustieren“, erklärt Geschäftsführer Arndt Nietfeld das Hauptanliegen des Unternehmens, das seine Eltern vor 17 Jahren gegründet haben. Heute hat das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Badbergen rund 270 feste Beschäftigte an 37 Standorten.

Seit 2006 betreibt das Unternehmen ein Gedenkportal für Haustiere – heute zählt es über 23.000 Einträge. „Der Erfolg des Portals hat uns selbst überrascht“, gibt Geschäftsführer Oliver Rölker zu. „Die Gelegenheit, sich online mit Gleichgesinnten austauschen zu können, scheint vielen zu helfen.“ Um die Möglichkeiten der „Trauerarbeit 2.0“ zu testen, haben sich die beiden Geschäftsführer und der Fachmann für Mediengestaltung Oliver Epping an Prof. Dr. Philipp Lensing gewandt, der an der Hochschule Osnabrück das VR-Labor leitet.

„Einsatz von VR ist heute in vielen Unternehmen en vogue, aber ein Krematorium als Kooperationspartner – das hatten wir noch nie“, gesteht Lensing. „Ich fand es spannend, Tierhaltern mit Möglichkeiten von virtueller Realität zu helfen, ihren verstorbenen Begleitern nahe zu sein.“

Diese Meinung teilten auch acht Studierende der Medieninformatik. Mit ihrem Prototyp eines VR-Gedenkraums schufen sie einen virtuellen Trauerort mit vielfältigen Möglichkeiten. „Wir haben drei Szenerien zur Auswahl entwickelt: eine Seelandschaft, eine Waldlichtung oder ein ‚Regenbogenland‘“, berichtet Projektleiterin Julia Diers. „Nutzer können aus dem Menü Objekte, beispielsweise eine Kerze, auswählen und an einem beliebigen Ort platzieren. Die Szene lässt sich jederzeit beliebig anpassen, auch Fotos und Videos lassen sich in die virtuelle Welt zu integrieren“, so die Studentin weiter. Um ihre Stimmung zu untermalen, können Nutzer auch individuelle Blumensträuße zusammenstellen oder Musik abspielen. Alle Beileidsbekundungen und abgelegten digitalen Rosen anderer Portalnutzer erscheinen ebenfalls in der virtuellen Realität.

Pepema-Software: Persönliche Schutzausrüstung intelligent verwalten
Ob Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganisationen oder Sicherheitsunternehmen: Persönliche Schutzausrüstung soll Einsatzleute vor Gefahren für ihre Sicherheit oder Gesundheit bewahren. Doch die Pflege und Instandhaltung solcher Ausrüstung ist intensiv und erfordert einen guten Überblick. Zusätzlich verfügt jedes Ausrüstungsstück über verschiedene Eigenschaften, die ebenfalls überwacht werden müssen. Welche Dienste kann die Informatik für eine intelligente Verwaltung persönlicher Schutzausrüstung leisten? – Dieser Frage sind acht Studierende der Medieninformatik nachgegangen.

„Gerade bei der freiwilligen Feuerwehr und kleinen Firmen wird zur Verwaltung oft auf Papier gesetzt“, weiß der Projektbetreuer, Prof. Dr. Julius Schöning, aus eigener Erfahrung. Der Professor für Digitale Medien engagiert sich seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr: „Bestehende Software-Lösungen sind sehr spezialisiert, unflexibel und teilweise recht teuer.“

Der Student David Löcke und sein Team haben hingegen ein neues digitales System zur Verwaltung persönlicher Schutzausrüstung entwickelt, das für einen flexiblen Einsatz konzipiert wurde. „Unsere Lösung kann komplett individuell eingestellt werden: Namen, Eigenschaften und einzelne Werte lassen sich beliebig definieren“, berichtet der angehende Medieninformatiker. Damit die Einrichtung nicht zu zeitaufwendig wird, können Voreinstellungen beim Einrichten importiert werden. In der Software kann die persönliche Schutzausrüstung verwaltet und Einsatzpersonen selbstdefinierte Rollen zugewiesen werden. So ist leicht zu sehen, ob jemandem die notwendige Ausrüstung fehlt. In diesem Fall können Bestellungen ausgelöst und ausformulierte E-Mails mit allen nötigen Daten generiert werden. Dies mindert nicht nur den Aufwand einer Bestellung, sondern beugt auch Fehlern vor.

„Unsere Software ist nicht nur kostenlos und frei zugänglich – sie kann auch noch weiter angepasst werden“, ergänzt Studentin Lena Dördelmann. „So kommen Weiterentwicklungen an der Software schließlich allen zu Gute.“ Neben einer Web-Oberfläche haben die Studierenden auch eine App entwickelt. So lassen sich mit dem Smartphone Barcodes einlesen, was die Verwaltung der Schutzausrüstung noch einfacher macht.

 

Projekte des Wintersemesters 2019/20:

Bergauf Bergab – Bike Service
Projektbetreuer: Prof. Johannes Nehls, Prof. Dr. Karsten Morisse

CO2-Zähler
Projektbetreuer: Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer

Ein Türschild für das Unternehmen von morgen
Projektbetreuer: Prof. Dr. Michael Uelschen

Intermed Logistik
Projektbetreuerin: Prof. Michaela Ramm

“OsCar”
Projektbetreuer: Prof. Dr.-Ing. Winfried Gehrke

Pepema – eine Software zur intelligenten Verwaltung persönlicher Schutzausrüstung
Projektbetreuer: Prof. Dr. Julius Schöning

Put To Light
Projektbetreuer: Björn Plutka

Smart Factory Abfüllstation
Projektbetreuer: Prof. Dr. Siegmar Lampe, Bernhard Neugebauer

Vernetzung einer verteilten Smart Factory
Projektbetreuer: Prof. Dr. Clemens Westerkamp

Virtual Reality Gedenkraum
Projektbetreuer: Prof. Dr. Philipp Lensing

Weitblick App – Spenden sammeln beim Fahrradfahren
Projektbetreuer: Prof. Dr. Karsten Morisse

Von: Lidia Wübbelmann

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