Angewandte Nutztierwissenschaften (M.Sc.)
Praxis- und Forschungsprojekte
Gestaltungsmöglichkeiten des dritten Semesters
Im dritten Semester des Masterstudiums erfolgt eine individuelle Forschungs-, Studien- oder Praxisvertiefung, in der Sie Ihre bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse anwenden. Dabei können Sie zwischen einem Auslandssemester, einem Gründungssemester, einem Scientific Project oder einem Transferprojekt wählen, um Ihre Kompetenzen in Ihrem bevorzugten Bereich zu vertiefen.
Weitere Infos hierzu finden Sie im Studienverlauf.
In Osnabrück studieren Sie im Zentrum der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Hier und im nahen Umland, an der westlichen Landesgrenze Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens, konzentrieren sich neben landwirtschaftlichen Betrieben eine Vielzahl mittelständischer und auch großer Unternehmen der Branche wie auch junge Start-ups: aus der Saatgut- und Futtermittelwirtschaft, über die Landtechnik und Lebensmittelverarbeitung bis zum (digitalen) Handel sowie weiteren Food-Services.
Das StartUp!Lab RISE ist eine Anlaufstelle für Studierende und Mitarbeitende der Hochschule Osnabrück. Ziel dieser Initiative ist es, Menschen durch Ressourcen und Know-how bei der Entwicklung von (Gründungs-) Ideen und/ oder deren Weiterentwicklung zu unterstützen.
Beispiele für bisherige Projekte und Masterarbeiten
Die Gesundheit von Kälbern ist ein wichtiges Schlüsselelement für die Leistungsstabilisierung und Langlebigkeit adulter Tiere. Neonatale Erkrankungen wie Diarrhoe, Atemwegserkrankungen (Bovine respiratory disease), Ohr- und Gelenkentzündungen wirken sich besonders negativ aus, wobei Diarrhoe in einer Wechselwirkung mit den genannten Erkrankungen steht. Haupterreger neonataler Durchfallerkrankungen sind beispielsweise Escherichia coli, Rota- und Coronaviren und Cryptosporidium parvum.
Humane Milch-Oligosaccharide sind größtenteils unverdauliche Kohlenhydrate aus der Gruppe der Oligosaccharide. Sie haben präbiotische, antiadhäsive, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften. Eine gesundheitsfördernde Wirkung der Darmflora durch die Supplementierung von Milcholigosacchariden und Galacctooligosacchariden wurde bereits berichtet. Trotz dieser spannenden und vielversprechenden Präbiotika-Studien weist die Literatur an der Schnittstelle Fütterung von Kälbern/ MOs eine Lücke auf.
Unser Ansatz ist der präventive Einsatz von dem humanen Milch- Oligosaccharid (HMO) 2’-Fucosyllactose (2‘-FL) zur Reduzierung der Häufigkeit von Erkrankungen bei Kälbern. Dabei handelt es sich gemäß EU-Definition um eine Validierung in relevanter Einsatzumgebung und somit Technology Readiness Level 5. Wir sehen eine nutzenstiftende Steigerung der Darmgesundheit, welche sich positiv auf den Immunstatus der Neonaten auswirkt, respektiv die Resilienz steigert und perspektivisch einen Beitrag zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bietet.
Wir möchten mit unserer Untersuchung erstmalig im Praxisversuch die Wirkung/Wirksamkeit und Verträglichkeit im Hinblick auf den Allgemeinzustand von Kälbern und die Auswirkung auf das Mikrobiom durch Kotanalysen belegen. So möchten wir aufzeigen, dass eine 2’-FL-Supplementierung eine praxisrelevante Innovation in der Kälberhaltung darstellt.
Projektlaufzeit: bis 31.05.2027
Ansprechpersonen: Arbeitsgruppe Tierernährung
Auch aufgrund von Klimaextremen entstehen starke Schwankungen der Trockensubstanzgehalte (TS) in der Anschnittsfläche der Gras- und Maissilagen, welche in Futterrationen von Milchkühen eingesetzt werden. Die schwankenden Feuchtegehalte in den Grundfuttermitteln führen zu ungenauen Futterrationen für die Kühe, was die Futtereffizienz senkt und zu Stoffwechselstörungen bei der Kuh führen kann. Das Füttern einer homogenen Mischung für die gesamte Milchviehherde ist wichtig und bringt mehr Ruhe in den Stall, da die Kühe nicht auf Plätze mit besser schmeckenden Komponenten “trainiert” werden.
Dem Ganzen kann durch den Einsatz von neuartiger Sensortechnik entgegengewirkt werden: Durch direkte Messungen der TS beim Einfräsen des Futters am Silostock, während des Mischprozesses im Futtermischwagen sowie beim Futteraustrag auf dem Futtertisch kann die Fütterungsgenauigkeit kontinuierlich erfasst werden. Dies nimmt nachhaltig Einfluss auf die Gesundheit, Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit der Milchkühe, stärkt die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und verbessert alle Säulen der Nachhaltigkeit.
weitere Information zum Projekt
Projektlaufzeit: bis 30.06.2027
Ansprechpersonen: Prof. Dr. Heiner Westendarp und Lukas Runnebaum von der Arbeitsgruppe Tierernährung
Das Projekt RegioHuhn zielt auf die Erschließung eines alternativen Ansatzes in der Geflügelproduktion ab, der einerseits den Interessen des ökologischen Landbaus an einer breiten Produktvielfalt mit Regionalbezug Rechnung trägt und andererseits die Erhaltung der genetischen Vielfalt beim Haushuhn unterstützt. Das Konzept basiert auf der Nutzung der Kreuzungszucht lokaler Hühnerrassen mit Hochleistungstieren der Wirtschaftsgeflügelzucht der Lege- sowie der Mastrichtung. Damit soll eine Kombination aus der Robustheit und Anpassungsfähigkeit lokaler Rassen und dem Leistungspotenzial der Wirtschaftsgeflügelzucht erreicht werden. Die Auswahl der lokalen Hühnerrassen berücksichtigt Aspekte der Regionalität, ihrer potentiellen Eignung für die landwirtschaftliche Nutzung sowie die Verfügbarkeit reinrassiger Tiere.
Das Erweiterungsprojekt fokussiert auf die züchterische Weiterentwicklung der Nukleusherden von drei im Projektverlauf als geeignet bewerteter regionaler Hühnerrassen in Kombination mit einer Kreuzungszucht mit leistungsfähige Genetiken als Basis für eine nachhaltige, regionale Lebensmittelproduktion in der Geflügelwirtschaft. Von besonderer Bedeutung ist der unmittelbare Praxisbezug zum ökologischen Landbau, um die Gebrauchskreuzungen in der landwirtschaftlichen Produktion z etablieren. Nur damit kann sichergestellt werden, dass die Zielsetzung einer Verstetigung des Ansatzes erfolgreich ist. Daher setzt das Projekt neben der züchterischen Verbesserung der lokalen Rassen als eine Elternseite der Gebrauchskreuzungen einen weitere Schwerpunkt auf den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten.
Projektlaufzeit: bis 29.02.2028
Ansprechpersonen: Team Precision Livestock Farming
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) regelt in Deutschland seit Jahrzehnten verbindlich die Entgelte für tierärztliche Leistungen. Im Jahr 2022 wurde die GOT umfassend überarbeitet, um den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen und die Attraktivität des Berufsstandes der Tierärzt*innen zu steigern. Diese Novellierung hat besonders im Pferdesektor zu erheblichen Diskussionen geführt. Mithilfe einer umfassenden Analyse und der Auswertung zweier Online-Umfragen unter Pferdehalter*innen und Tierärzt*innen sollen die ökonomischen und praktischen Auswirkungen der GOT-Novellierung auf die Pferdehaltung untersucht werden.
Die Ergebnisse der Umfragen zeigten deutlich, dass die Anpassung der GOT die finanzielle Belastung für Pferdehalter*innen erhöht hat, wodurch einige seltener tierärztliche Leistungen in Anspruch nehmen. Dabei sei die neue Hausbesuchsgebühr besonders umstritten. Die befragten Tierärzt*innen berichten hingegen von gestiegenen Einnahmen und einer verbesserten wirtschaftlichen Situation, jedoch auch von einer höheren Arbeitsbelastung durch sozialen Druck seitens der Kunden. Die Reform stärke dennoch die Attraktivität des Berufs und könnte langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Allerdings bestehen sowohl bei Pferdehalter*innen als auch Tierärzt*innen Bedenken, dass die höheren Kosten das Tierwohl gefährden könnten, wenn notwendige Behandlungen verzögert oder gar vermieden werden.
Diese Masterarbeit gewann 2025 den 1. Platz des Förderpreises der Gesellschaft der Wissenschaft um das Pferd (GWP).
Da Grünfutter die Grundlage jeder Pferderation darstellt, ist ein Verständnis der Nährstoffgehalte von zentraler Bedeutung. Bisher sind die Unterschiede in Zusammensetzung und Nährstoffprofil der Bestände jedoch lückenhaft erforscht. Für die praxisgerechte Fütterung ist es essenziell, Nährstoffgehalte verschiedener Grünlandbestände mit unterschiedlicher botanischer Zusammensetzung zu kennen, um mögliche Unter- oder Überversorgungen zu berücksichtigen, da diese Auswirkungen auf die Tiergesundheit haben können.
Die Arbeit untersuchte, inwiefern sich Rohnährstoffgehalte von Weidegras auf verschiedenen Standorten unterscheiden und welche Konsequenzen sich daraus für die Ernährung von Pferden ergeben. Dazu wurden 48 Proben frischen Grases aus vier Blockanlagen mit unterschiedlicher botanischer Zusammensetzung zu drei Zeitpunkten der frühen Weideperiode (Ende April bis Mitte Mai) verglichen. Für die Analyse botanischer Unterschiede wurden jeweils zwei Flächen mit dominanter Grasart zusammengefasst (≥ 30 % Deutsches Weidelgras bzw. ≥ 60 % Wiesenschwingel).
Die Untersuchung lieferte wertvolle Beiträge für die Praxis und für zukünftige Rationsplanungen von Pferden. Aufgrund der botanischen Vielfalt und der Heterogenität der Flächen sind regelmäßige Futteranalysen – auch von frischem Weidegras - sowie ein standardisiertes Fütterungscontrolling erforderlich.
Diese Masterarbeit gewann 2026 den 1. Platz des Förderpreises der Gesellschaft der Wissenschaft um das Pferd (GWP).