Forschungsschwerpunkte und Projekte
Precision Livestock Farming
Laufende Projekte
Innovative Wege der regionalen nachhaltigen Nutzung tiergerechter Ressourcen beim Haushuhn
Das Projekt RegioHuhn zielt auf die Erschließung eines alternativen Ansatzes in der Geflügelproduktion ab,
der einerseits den Interessen des ökologischen Landbaus an einer breiten Produktvielfalt mit
Regionalbezug Rechnung trägt und andererseits die Erhaltung der genetischen Vielfalt beim Haushuhn
unterstützt. Das Konzept basiert auf der Nutzung der Kreuzungszucht lokaler Hühnerrassen mit
Hochleistungstieren der Wirtschaftsgeflügelzucht der Lege- sowie der Mastrichtung. Damit soll eine
Kombination aus der Robustheit und Anpassungsfähigkeit lokaler Rassen und dem Leistungspotenzial der
Wirtschaftsgeflügelzucht erreicht werden. Die Auswahl der lokalen Hühnerrassen berücksichtigt Aspekte
der Regionalität, ihrer potentiellen Eignung für die landwirtschaftliche Nutzung sowie die Verfügbarkeit
reinrassiger Tiere. Das Erweiterungsprojekt fokussiert auf die züchterische Weiterentwicklung der
Nukleusherden von drei im Projektverlauf als geeignet bewerteter regionaler Hühnerrassen in Kombination
mit einer Kreuzungszucht mit leistungsfähigen Genetiken als Basis für eine nachhaltige, regionale
Lebensmittelproduktion in der Geflügelwirtschaft. Von besonderer Bedeutung ist der unmittelbare
Praxisbezug zum ökologischen Landbau, um die Gebrauchskreuzungen in der landwirtschaftlichen
Produktion zu etablieren. Nur damit kann sichergestellt werden, dass die Zielsetzung einer Verstetigung
des Ansatzes erfolgreich ist. Daher setzt das Projekt neben der züchterischen Verbesserung der lokalen
Rassen als eine Elternseite der Gebrauchskreuzungen einen weiteren Schwerpunkt auf den Aufbau regionaler
Wertschöpfungsketten.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Inga Tiemann
Sonja Hillemacher
Laufzeit
01.01.2025 - 29.02.2028
Projektpartner
Friedrich-Löffler-Institut, Institut für Nutztiergenetik
Universität Kassel, Fachbereich für ökologische Agrarwissenschaften
Öko-Beratungsgesellschaft mbH, Fachberatung für Naturland
Links
https://www.naturland.de/de/erzeuger/praxisforschung/regiohuhn.html
SexID - Die zeitliche Entwicklung der Schmerzwahrnehmung von Hühnerföten
Ab 2022 ist das Töten von männlichen Eintagsküken in Deutschland verboten. Dies trifft auf ca. 60 Mio. Hühnerföten zu, deren Geschlecht in-ovo bestimmt werden soll. Verschiedene Techniken stehen hierfür in den Startlöchern, deren Einsatz zwischen dem 9 und 13 Bebrütungstag (2. Trimester) rangiert. Von hoher Relevanz ist in diesem Zusammenhang, bis zu welchem Tag ein Abtöten ohne die Auslösung von Schmerzreizen möglich ist. Bislang existieren keine verlässlichen experimentellen Daten zu der Fragestellung, an welchem Inkubationstag der Hühnerfötus die Fähigkeit besitzt, Schmerzen zu fühlen. In diesem Projekt werden wir mittels Elektroenzephalographie (EEG) die zerebrale Aktivität nach einer thermischen und mechanischen nozizeptiven Stimulation aufzeichnen. Die Entwicklung der afferenten und efferenten nozizeptiven Bahnen werden mittels GFP Elektroporation verfolgt. Die durch schädliche Reize induzierten transkriptomischen Reaktionen vom Endhirn werden mit Hilfe von RNA- Sequenzierung analysiert. Die aus diesen Experimenten erhobenen morphologischen, physiologischen und genetischen Daten könnten indizieren, an welchem Inkubationstag der Hühnerfötus Schmerzen wahrnehmen kann. Diese Daten könnten eine wichtige Grundlage für die Gesetzgebung des Tierschutzes darstellen.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Inga Tiemann
Laufzeit
01.12.2023 - 30.11.2026
Projektpartner
Prof. Dr. Ruijin Huang
Klinik für Neuroanatomie
Anatomisches Institut
Universität Bonn
Links
Charakterisierung funktionaler Merkmale für eine nachhaltige und ökologische Nutzung des Haushuhns
Das Projekt ÖkoGen adressiert die Charakterisierung von sechs lokalen Hühnerrassen und deren Kreuzungen mit Wirtschaftslinien der Mast- sowie der Legerichtung, die im assoziierten Projekt „RegioHuhn“ etabliert werden. ÖkoGen zielt auf die Erforschung der Eignung dieser Vielfalt für den
ökologischen Landbau ab. Die hier vorgeschlagenen sieben Arbeitspakete stellen eine Erweiterung der Prüfungen dieser Genetiken dar, die nicht unter Bedingungen einer Stationsprüfung und Feldtestung im Projekt RegioHuhn durchgeführt werden können:
- Widerstandsfähigkeit gegenüber Endoparasiten,
- Immunkompetenz und Virusresistenz,
- Knochenstabilität als Garant einer guten Beweglichkeit und Tiergesundheit,
- Verhalten als wesentliches Merkmal von Tierwohl,
- Qualität und Vermarktung als Basis der Akzeptanz der getesteten Genetiken in der Gesellschaft, der
Verbraucherschaft und im Markt,
- Entwicklung von Strategien für eine bedarfsgerechte Fütterung von Zweinutzungshühnern,
sowie
- Zuchtplanung zur Entwicklung entsprechender Zuchtprogramme in der Tierzucht
Das Projekt ÖkoGen verbindet die Anforderungen des ökologischen Landbaus an die Tiere mit einem gesamtsystemischen Prüfansatz der im Projekt RegioHuhn etablierten Genetiken. Die Eigenschaften und Bedürfnisse der zu nutzenden Tiere müssen erforscht werden, um den Erfordernissen einer nachhaltigen Geflügelwirtschaft Rechnung zu tragen und die Rassen sowie ihre Kreuzungen im ökologischen Landbau zu implementieren. Um dieses Ziel zu erreichen, widmet sich ÖkoGen genetischen Eigenschaften der Tiere hinsichtlich Tiergesundheit, Tierwohl, Tierernährung, Produktqualität und Verbraucherakzeptanz sowie der Erhaltung und Verbesserung der Genetiken durch Selektion, um sie mit ihren Eigenschaften über Generationen nutzen zu können.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Inga Tiemann
Josefine Stuff
Laufzeit
01.01.2025 - 30.09.2025
Projektpartner
Universität Kassel, Fachbereich ökologische Agrarwissenschaft
Friedrich-Löffler-Institut, Institut für Immunologie
Friedrich-Löffler-Institut, Institut für Nutztiergenetik Mariensee
Links
https://www.uni-goettingen.de/de/674336.html
VisioChick-Mixed Reality im Hühnerstall als Türöffner für Wissenstransfer und Tierwohl
Tierschutz und Tierwohl aus der Perspektive des Tieres sehen – so lautet der Ansatz des Projektes VisioChick. Als ersten Schritt werden die physiologischen Grundeigenschaften des Geflügels „übersetzt“, um ein Verständnis für das Tier und damit die Grundlage für die Anpassung der Umwelt an die Bedürfnisse des Tieres zu ermöglichen. Auf der Basis moderner Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) soll ein Perspektivenwechsel geschaffen werden, um theoretische Lerninhalte mit der Praxis zu verknüpfen. VisioChick erprobt die Eignung der Mixed Reality (MR) zum Transfer von Wissen an potentielle Multiplikator*innen von Tierschutz und Tierwohl in der Nutztierhaltung.
Hierzu werden zusätzlich Methoden der Positionsbestimmung (Tracking) genutzt, um einen nachhaltigen Output zu erzeugen, der sowohl in der Lehre als auch in der tatsächlichen Optimierung der Haltungsverfahren eingesetzt werden kann. Die Entwicklung einer MR-Brille und entsprechender Software als innovatives Konzept für Methoden und Materialien in der Lehre hat den Vorteil, das Thema Tierschutz und Tierwohl bei den Zielgruppen attraktiver und moderner zu gestalten. Angestrebt wird ein Mixed-Reality-System, welches aus einer Virtual-RealityBrille und mehreren damit fest verbundenen Kameras bzw. Sensoren besteht. Die Kamera-Bilder sollen noch im Stall mit positionsgenauen Informationen (tags) angereichert werden, die dann als Managementhilfe und Lehrinstrument auch außerhalb des Stalles verwendet werden können. Zusätzlich können die Videoaufnahmen so gefiltert werden, dass die (überwiegend visuelle) Wahrnehmung des Huhns simuliert wird. Die Wahl der Medien-Methode MR eignet sich für alle Lehreinrichtungen, die jeweils zielgruppengerecht vorhandene Module ergänzen bzw. neue Themen adressieren können. Das Gesamtziel des Vorhabens VisioChick ist der Informationstransfer zwischen Huhn, Haltungsumweltund Management, parallel zum integrativen Wissenstransfer entlang dieser praxis- und systemrelevanten Einzelkomponenten.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Inga Tiemann (i.tiemann@hs-osnabrueck.de)
Laufzeit
01.11.2022 - 31.03.2026
Projektpartner
Prof. Dr. Jan-Hendrik Haunert
Universität Bonn
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Abgeschlossene Projekte
AI Ixworth - Aviäre Influenza Resistenz des Ixworth-Huhn
Das Hauptziel dieses Projekts ist es, das genetische Profil lokaler und weniger intensiv gezüchteter Rassen, wie dem Ixworth-Huhn, zu erforschen, um ihr mögliches Reservoir an Resistenzgenen oder genomischen Standorten (Loci) gegen AIVs zu untersuchen. Basierend auf diesen Erkenntnissen plant das Projekt, bisherige praktische Kenntnisse aufzugreifen und weiter zu validieren. Im Rahmen des Projekts sind folgende Schwerpunkte vorgesehen:
• Auswahl von Ixworth-Hühnern auf Basis einzeltierspezifischer Informationen für die Probenentnahme mit anschließender Sequenzierung.
• Durchführung der Sequenzierung der gesammelten Proben und bioinformatische Analyse zur Untersuchung von coSNPs zwischen Ixworth-Hühnern und Enten.
• Sammlung bestehenden Fachwissens über verschiedene Hühnerrassen, Integration entsprechender Daten und Einordnung der Genetik des Ixworth-Huhns. Dabei werden Daten aus dem ,,Global Chicken Genome Project” berücksichtigt.
• Bewertung und Verifizierung von coSNPs zwischen verschiedenen Hühnerrassen (insbesondere Bankivahuhn, weise Legehenne und braune Legehenne) und Enten, um die Existenz praxisrelevanter molekularer Marker in den Hühnerrassen durch Genomanalyse zu bestätigen.
• Einbeziehung neuer coSNPs in die Datenbank des Annotationssystems, um genombasierte AIVResistenz-/Anfälligkeits-Bewertungsschemata für Ixworth-Hühner zu erstellen und mit anderen Rassen zu vergleichen.
• Verknüpfung rassenspezifischer AIV-Informationen mit praktischen Daten für Zuchtzwecke.
Das übergeordnete Ziel dieser Arbeitspunkte ist es, das genetische Potenzial verschiedener Hühnerrassen zu ergründen, um ihre potenzielle AIV-Resistenz bzw. -Anfälligkeit mittels eines Bewertungsschemas im Vergleich zu Enten optimal zu bewerten. Hierbei spielt die Untersuchung der genetischen Struktur des Ixworth-Huhns eine entscheidende Rolle. Dieses kann aufgrund seiner genetischen Isolation (weniger intensive Zucht) vorteilhafte genetische Variationen gegen das AIV enthalten und damit zur Verbesserung der entsprechenden Zuchtprogramme (inkl. Erhalt der genetischen Diversität) von Legehennen und Masthühnern beitragen, um Verluste durch diese Krankheit zu minimieren und um eine nachhaltige und vielfältige Wertschöpfung zu fördern.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Inga Tiemann
Laufzeit
01.01.2025 - 30.06.2025
Projektpartner
Fachhochschule Südwestfalen Soest
Links