Reflektierte Praxis: Nervensystem - Physiotherapie

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 03.07.2025.

Modulkennung

22B1289-14

Niveaustufe

Bachelor

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Sommersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Besonderheiten des Moduls

Dieses Modul wird an der kooperierenden Berufsfachschule gelehrt und entsprechend der gültigen Reglungen im NHG zur Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen auf das Studium angerechnet. 

Kurzbeschreibung

In der Therapieprozessgestaltung sind für die therapeutische Diagnostik und Intervention spezifische Kenntnisse in den Störungsbildern erforderlich. Die Synthese medizinischer Kenntnisse mit den Grundlagen und Interventionskonzepten physiotherapeutischer Behandlungsverfahren ist eine wesentliche Voraussetzung für die therapeutische Behandlung. Das Modul vermittelt ein spezifisches Verständnis für einen wissenschaftlich fundierten und an internationalen Standards orientierten Befundungs- und Therapieprozess bei Störungen der menschlichen Aktivität „Mobilität“ mit besonderer Ausrichtung auf das Nervensystem. Die Studierenden erwerben auf der Basis spezieller Krankheitslehre Kenntnisse über das Krankheitsbild und dessen Symptome. Zudem erwerben sie Fertigkeiten zur therapeutischen Diagnostik und Intervention / Behandlung bei den spezifischen Störungsbildern. Die Studierenden orientieren sich dabei an den aktuellen Leitlinien bezüglich der therapeutischen Diagnostik und den Interventionsmethoden.

Lehr-Lerninhalte

  1. Störungen des Nervensystems:
    1.1 Erkrankungen, die das Gehirn und seine Hüllen betreffen: Schädel-Hirn-Trauma, Hirndruck und Hirntumore, zerebrale Durchblutungsstörungen, erregerbedingte Erkrankungen des Gehirns und seiner Hüllen, extrapyramidale Syndrome wie z.B. Morbus Parkinson und hyperkinetische Syndrome, Kleinhirnsyndrom
    1.2 Erkrankungen, die vorwiegend das Rückenmark betreffen wie z.B. Querschnittslähmung
    1.3 Demyelinisierende Erkrankungen wie Multiple Sklerose
    1.4 Polyneuropathien
    1.5 Hirnnervensymptome und andere Erkrankungen der Hirnnerven wie z.B. die Facialisparese
    1.6 spinale radikuläre Syndrome
    1.7 Läsionen einzelner Nerven
    1.8 Myopathien
  2. Durchführung der Diagnostik und Dokumentation bei Störungen des Nervensystems:
    2.1 Standardisierte, nichtstandardisierte Testverfahren und beobachtende Verfahren in der subjektiven und objektiven Diagnostik  (Anamnese, Inspektion, Palpation, Messungen, Assessments, neurologische Tests) von Störungen des Nervensystems, orientiert am ICF-Modell.
  3. Zielformulierung nach den SMART-Kriterien
  4. Durchführung von Interventionen bei Störungen des Nervensystems unter Anwendung von Clinical Reasoning-, Kommunikations- und Edukationsstrategien:
    4.1 Restitutive Interventionsansätze:
    4.1.1 Spezifische neuro-orthopädische Maßnahmen unter Berücksichtigung von:
    4.1.1.2 Struktur/ Funktion:
    - Maßnahmen zur Tonusregulation
    - Maßnahmen zur Normalisierung des Gleichgewichts
    - Maßnahmen zur Normalisierung der muskulären Koordination, Aktivität und Kontrolle
    - Maßnahmen zur Normalisierung der Sensibilität
    - Maßnahmen zur Normalisierung der Körperwahrnehmung
    4.1.1.3 Aktivität:
    - Maßnahmen zur Steigerung und Optimierung der Alltagsbelastbarkeit
    4.1.1.4 Partizipation:
    - Berücksichtigung des Erhalts oder der Erlangung einer Arbeitsfähigkeit und allgemeinen sozialen Teilhabe
    4.1.2 Anwendung neuro- physiologischer Konzepte beziehend auf die restitutiven Interventionsansätze:
    - Bobath
    - PNF
    - Aufgabenorientiertes Training
    - Konzept nach Parkinsonerkrankungen
    - Konzept der Innervationsschulung - Konzepte zur Gleichgewichts- und Koordinationsschulung
    4.2 Kompensatorische/substitutive/ ergänzende Interventionsansätze
    - Wohnraum-/Arbeitsplatzanpassung
    - Hilfsmittelversorgung und –anleitung (z.b. Orthesen, Prothesen) als unterstützende Maßnahme zur Alltagsbewältigung
    - Prothesen-/Orthesenversorgung
    4.3 Prävention
    - Vermittlung eines aktiven Lebensstils
    - Sturzprophylaxe

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
30VorlesungPräsenz-
25SeminarPräsenz-
15betreute KleingruppenPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
20Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
20Referatsvorbereitung-
10Literaturstudium-
30Arbeit in Kleingruppen-
Weitere Erläuterungen

Die Anzahl der Semesterwochenstunden (SWS) richtet sich nach den Vorgaben der Berufsfachschulen.

Unbenotete Prüfungsleistung
  • Arbeitsprobe (praktisch) oder
  • mündliche Prüfung
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Die Prüfungsleistungen richten sich nach den Anforderungen der Berufsfachschule und werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert. 

Empfohlene Vorkenntnisse

Teilnahme und Abschluss des Moduls „Mentale Funktionen-Perzeptive und kognitive Dimensionen menschlicher Aktivität-Physiotherapie“

Wissensverbreiterung

Die Studierenden verfügen über ein breit angelegtes Wissen zu somatischen und neuro-muskulo-skelettalen Dysfunktionen und benennen typische Krankheitsbilder im engeren und weiteren Feld der Neurologie. Durch die physiotherapeutische Diagnostik erfassen die Studierenden die bei Störungen zurgundeliegenden Funktionen, Strukturen und Aktivitäten und ordnen sie in komplexe Krankheits- und Störungsbilder ein. Sie beschreiben spezifische therapeutische Herangehensweisen und Konzepte und ordnen theoretische Grundlagenkenntnisse zu ihren Ansätzen und Interventionen ein. Des Weiteren definieren und begründen sie physiotherapeutische Behandlungsperspektiven und Behandlungsansätze für therapeutische Zielgruppen.

Kompetenzbereiche nach MPhG: Ausbildungsziel Physiotherapie (DQR 6) - Stand 24.06.2019:
I. Bewegung als zentrales Einflusssystem der Physiotherapie auf Gesundheit und Teilhabe verstehen und evaluieren.
1.a,b,c,d
2.a

Wissensvertiefung

Die Studierenden integrieren eine bio-psycho-soziale Denkweise in ihr Handeln und erläutern die Wechselwirkung zwischen Funktion / Dysfunktion, Aktivitätsanforderung und Kontexteinflüssen.

Kompetenzbereiche nach MPhG: Ausbildungsziel Physiotherapie (DQR 6) - Stand 24.06.2019:
I. Bewegung als zentrales Einflusssystem der Physiotherapie auf Gesundheit und Teilhabe verstehen und evaluieren.
2.a,b,c,d
II. Physiotherapeutische Prozesse indikationsbezogen und evidenzbasiert eigenverantwort-lich organisieren, analysieren, planen, durchführen, steuern, dokumentieren und evaluieren.
2.a,b,c,d,e,f,g,h,i,j

Wissensverständnis

Die Studierenden analysieren zuerst die Zusammenhänge von Störungen der Funktionen/ Strukturen und Aktivitäten komplexer Krankheits- und Störungsbilder. Danach wenden die Studierenden Denkprozesse auf ihre Wissensinhalte an - mit dem Schwerpunkt der kritischen Reflexion und dem Hinterfragen von Wissen. Die dadurch gewonnenen Informationen analysieren
sie abschließend im Rahmen eines Clinical Reasoning Prozesses.
Bei Fallbeispielen und (Patientenvorstellungen) identifizieren die Studierenden im Sinne einer umfassenden Evaluation alle Informationen (einschließlich verfügbarer Leitlinien und Evidenzbezüge), werten sie aus und treffen Schlussfolgerungen für ihr therapeutisches Handeln.

Kompetenzbereiche nach MPhG: Ausbildungsziel Physiotherapie (DQR 6) - Stand 24.06.2019:
I. Bewegung als zentrales Einflusssystem der Physiotherapie auf Gesundheit und Teilhabe verstehen und evaluieren.
1.d

Nutzung und Transfer

Die Studierenden führen unter Berücksichtigung der wichtigsten Prinzipien und Verfahren eine funktions-, strukturorientierte, aktivitätsbezogene und partizipationsbezogene therapeutische Diagnostik durch. Sie verwenden hierbei standardisierte und nicht-standardisierte Testverfahren, beobachtende Verfahren in der Diagnostik der Neurologie.
Anhand von Fallbeispielen (und Patientenvorstellungen) entwickeln sie Lösungsansätze und wenden die für die physiotherapeutische Behandlung wesentlichen Interventionsarten sowie Therapiemittel an und setzen diese adäquat, befund- und zielorientiert ein.

Kompetenzbereiche nach MPhG: Ausbildungsziel Physiotherapie (DQR 6) - Stand 24.06.2019:
I. Bewegung als zentrales Einflusssystem der Physiotherapie auf Gesundheit und Teilhabe verstehen und evaluieren.
1.d
VII. Das eigene Handeln auf der Grundlage von den aktuell bestverfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und berufsethischen Werthaltungen und Einstellungen untermauern, reflektieren, begründen und weiterentwickeln.
1.a,c

Wissenschaftliche Innovation

Die Studierenden suchen aktiv nach neuen Möglichkeiten (z.B. Therapieangebote, Konzepte, Forschungsergebnisse) und arbeiten Alternativen heraus.

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden fassen therapeutische Befunde zusammen, und beschreiben relevante Aspekte der Krankheits- und Störungsbilder. 
Sie erklären patientenzentriert therapeutische Maßnahmen und Interventionen und leiten diese - im Übungskontext bei den Mitstudierenden - an.
Die Studierenden berücksichtigen in jeglicher Kommunikation datenschutzrechtliche Vorgaben und vor allem ethische Aspekte wie Empathie und Wertschätzung.

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Sie begründen therapeutische, präventive und rehabilitative Maßnahmen, welche sie vorab ausgewählt haben und die sie im Anschluss exemplarisch an Mitstudierende durchführen. 
Die Studierenden reflektieren auf der Basis des berufsspezifischen Clinical Reasoning grundlegende Schritte des Therapieprozesses im Hinblick auf Diagnostik und Intervention bei Störungen der Mobilität bei Kindern, Erwachsenen und Erwachsenen im höheren Lebensalter. 
Sie entwickeln ein berufliches Selbstbild mit einer fachlich professionalisierten Haltung. Sie erkennen eigene Stärken und Schwächen und reflektieren kritisch ihre eigene Rolle als Therapeut/-in in Ausbildung. Sie übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Handeln. Ziel ist es, ein/e reflektierte/r Praktiker/-in zu sein.

Literatur

  • Bassoe Gjelsvik, B.E. (2002). Form und Funktion, Neurologie, Bobath-Konzept, Physiotherapie. Stuttgart: Thieme
  • Ceballos-Baumann, A.O. & Ebersbach, G. (2018). Aktivierende Therapien bei Parkinson-Syndromen. Stuttgart: Thieme
  • Hüter-Becker, A. & Dölken, M. (2004). Physiotherapie in der Neurologie. Stuttgart: Thieme
  • Jesel, M. (2021). Neurologie für Physiotherapeuten. Stuttgart: Thieme
  • Lamprecht, S. & Lamprecht, H. (2016). Training in der Neuroreha. Stuttgart: Thieme
  • Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. Verfügbar unter https://www.awmf.org/leitlinien
  • Masur, H. (2000). Skalen und Scores in der Neurologie. Stuttgart: Thieme
  • Masuhr, K.F., Masuhr, F. & Neumann, M. (2016). Duale Reihe Neurologie. (7. Auflage). Stuttgart: Thieme
  • Mumenthaler, M. & Mattle, H. (2008). Neurologie. Stuttgart: Thieme
  • Schädler, S. et al. (2012). Assessments in der Rehabilitation. Band 1: Neurologie. (3. überarb. u. erw. Auflage). Göttingen: Hogrefe

Die angegebene Literatur, sowie weitere zusätzliche Literatur wird im Rahmen des Unterrichts bekannt gegeben bzw. zur Verfügung gestellt.

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Ergotherapie, Physiotherapie (dual)
    • Ergotherapie, Physiotherapie (dual), B.Sc. (01.09.2024)

    Modulpromotor*in
    • Piekartz, Herman Josef Maria
    Lehrende
    • Piekartz, Herman Josef Maria
    Weitere Lehrende

    Lehrende der Berufsfachschule