Neuromuskuloskelettale und bewegungsbezogene Funktionen-Haltung und Bewegung

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 02.07.2025.

Modulkennung

22B1288-6

Niveaustufe

Bachelor

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Besonderheiten des Moduls

Dieses Modul wird an der kooperierenden Berufsfachschule gelehrt und entsprechend der gültigen Reglungen im NHG zur Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen auf das Studium angerechnet. 

Kurzbeschreibung

Mobilität als menschliche Aktivität ist ein zentraler Gegenstand des therapeutischen Handelns in den Gesundheitsfachberufen. Dieses Modul befasst sich mit dem Verständnis der menschlichen Mobilität, verstanden als Bewegung durch Änderung der Körperposition oder -lage oder Verlagerung von einem Platz zu einem anderen, mit der Bewegung von Gegenständen durch Tragen, Bewegen oder Handhaben, mit der Fortbewegung durch Gehen, Rennen, Klettern oder Steigen sowie durch den Gebrauch verschiedener Transportmittel (ICF, S.103). Kenntnisse über die motorische Entwicklung des Kindes gehören zum Basiswissen für eine zielgerichtete Evaluation und Intervention. Das Modul vermittelt Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen Sensorik und Motorik, die Entwicklung der allgemeinen Motorik und Handfunktion, sowie die frühkindlichen Reaktionen. Zudem befasst sich das Modul mit dem Verständnis und der Analyse von Haltung und Bewegung als Komponenten der menschlichen Mobilität. Auf der Basis anatomischer und physiologischer Kenntnisse sowie der konzeptuellen und theoretischen Grundlagen motorischer Entwicklung und Lernprozesse erwerben die Studierenden ein Verständnis normgerechter Haltung und Bewegung. Sie lernen Haltung und Bewegung zu beobachten, zu beschreiben und im Hinblick auf zu Grunde liegende motorische Fähigkeiten zu analysieren. Die Studierenden können Kenntnisse aus der Anatomie und Physiologie nutzen, um neuromuskuloskeletale und bewegungsbezogene Funktionen und Strukturen zu beschreiben und zu analysieren. 

Lehr-Lerninhalte

  1. Biomechanik
    1.1  Körperstrukturen des Körpers: Skelett des Menschen, Knochenaufbau, Gelenkaufbau, Muskelaufbau
    1.2  Physiologische Funktionen von Körpersystemen: Zell- und Muskelphysiologie
    1.3  Muskelfunktionen der oberen Extremität, Rumpf (inklusive Atmung, ventrale/dorsale Muskulatur und Beckenboden), kurzer Überblick untere Extremität
    1.4  Physiologisches Gangbild (inklusive Gangphasen und möglichen Pathologien)
    1.5  Biomechanische Prinzipien: Angewandte Physik und Biomechanik, Analyse von Alltagsbewegungen 
  2. Motorische Kontrolle und motorisches Lernen
    2.1  Grundlagen der motorischen Kontrolle und des motorischen Lernens (inklusive Theorien zur motorischen Steuerung sowie lerntheoretischen Aspekte eine Lernsituation effizient zu gestalten)
    2.2  Komponenten normaler Bewegung (insbesondere Posturale Kontrolle)
  3. Motorische Entwicklung
    3.1  Sensomotorische Entwicklung/ motorische Ontogenese/Sinnessysteme
    3.2  Entwicklungskonzepte (Variabilität, Grenzsteine, Meilensteine)
    3.3  Einflussfaktoren auf die Entwicklung
    3.4  Frühkindliche Reaktionen
    3.5  Theorien des neuromotorischen Lernens
  4. Struktur- und Funktionselemente des Körpers
    4.1  Anatomie und Physiologie der Organsysteme (Herzkreislauf-, Atmungs-, Verdauungs-, Immun-, Urogenitalsystem, sowie Haut- und Hautanhangsgebilde) 
    4.2  Transportsysteme (Blut & Lymphe) und Gefäßphysiologie
    4.3  Zytologie und Grundlagen der Genetik (inkl. Pränataldiagnostik und Entstehung erblich bedingter Erkrankungen)
    4.4  Zusammenwirken der Systeme
    4.5  Spezielle Krankheitslehre (COPD, Pneumonie, Diabetes mellitus, Phlebothrombose, Myokardinfarkt, Entstehung von Tumorerkrankungen, etc.)
    4.6  Analyse von Herzkreislauf- und Atmungssystem in Bezug auf therapeutische Interventionen

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
47SeminarPräsenz-
74SonstigesPräsenzbetreutes Skilltrainig
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
3Literaturstudium-
6Prüfungsvorbereitung-
20Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
Weitere Erläuterungen

Die Anzahl der Semesterwochenstunden (SWS) richtet sich nach den Vorgaben der Berufsfachschulen.

Unbenotete Prüfungsleistung
  • Klausur und mündliche Prüfung
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Die Prüfungsleistungen richten sich nach den Anforderungen der Berufsfachschule und werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert. 

Empfohlene Vorkenntnisse

keine

Wissensverbreiterung

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • ordnen einzelne kindliche Bewegungen dem Entwicklungsverlauf der motorischen Entwicklung zu.
  • geben Beispiele für motorische Entwicklungsprozesse in der Kindheit.
  • erklären Frühkindliche Reaktionen als Bestandteil der kindlichen Entwicklung.
  • unterscheiden und beschreiben Entwicklungskonzepte (Grenzsteine, Meilensteine, Variabilität).
  • beschreiben den Menschen in seinem körperstrukturellen Aufbau.
  • erklären die verschiedenen Körpersysteme in Aufbau und Funktionsweise.
  • analysieren Bewegungen im Alltag zielgerichtet und beschreiben bedeutsame physiologische, physikalische und biomechanische Zusammenhänge.
  • stellen motorisches Lernen als Lernprozess dar und erörtern Beispiele für verschiedene Variablen im Lernprozess.
  • beschreiben bedeutsame Komponenten der normalen Bewegung.
  • beschriften anatomische Abbildungen der Organe(-systeme) und benennen sie mit korrekten Fachtermini.
  • nennen Beispiele für Erkrankungen der Organsysteme.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3)

Wissensvertiefung

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • grenzen die Konzepte der Meilensteine und der Grenzsteine voneinander ab. 
  • erörtern Einflussfaktoren auf die Entwicklung.
  • erläutern den Einfluss Frühkindlicher Reaktionen auf die motorische Entwicklung.
  • stellen Grundlagenwissen der Anatomie, Physiologie und Biomechanik mit den Theoriebezügen des motorischen Lernens in Beziehung.
  • begünden förderliche Lernbedingungen unter Berücksichtigung verschiedener motorischer Lerntheorien.
  • beschreiben die Anatomie der verschiedenen Organsysteme. 
  • erklären die Physiologie der verschiedenen Organsysteme.
  • verdeutlichen die Wechselwirkung zwischen den Organsysteme in eigener Sprache.
  • erläutern Erkrankungen der Organsysteme (bspw. COPD) mit ihren Symptomen, Ursachen und Risikofaktoren.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3)

Wissensverständnis

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • beurteilen den Entwicklungsstand eines Kindes in Bezug auf die motorische Entwicklung kriteriengeleitet.
  • stellen Funktionsbegriffe und Betätigungsanalysen gegenüber.
  • analysieren die Ausführung von Bewegungsmustern kritisch.
  • wählen situativ motorische Theoriebezüge aus und adaptieren anhand dieser die Lernsituation förderlich.
  • analysieren kritisch Einschränkungen der Betätigung durch organische Erkrankungen und ordnen sie ein
  • vernetzen Grundlagenwissen der Anatomie, Physiologie und Biomechanik mit den Theoriebezügen des motorischen Lernens und analysieren auf dieser Basis Komponenten menschlicher Haltung und Bewegung.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3)

Nutzung und Transfer

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • erkennen Abweichungen in der kindlichen motorischen Entwicklung.
  • sammeln Hinweise zur Beurteilung der motorischen Entwicklung eines Kindes.
  • leiten frühe Entwicklungsstufen als Vorläuferfähigkeiten ab und stellen sie in Bezug zu Interventionsmaßnahmen.
  • ordnen physiologische Bewegungsmuster zu.
  • erkennen und beschreiben mögliche pathologische Abweichungen.
  • gestalten (motorische) Lernsituationen möglichst zielführend.
  • analysieren individuelle Lernbedingungen und berücksichtigen diese in der Interventionsgestaltung.
  • beziehen ihr Wissen über Erkrankungen der Organsysteme in ihre Therapieplanung ein bzw. modifizieren ihre Interventionen bei Bedarf.
  • recherchieren weiterführend relevante (Neben-)Diagnosen ihrer Klient*innen.
  • ziehen anhand von aktuellen medizinischen Leitlinien Rückschlüsse für ihre Interventionen.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2; 1.3; 1.4; 1.5)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.2; 2.4)
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3)

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • tauschen sich innerhalb eines interdisziplinären Teams über die motorische Entwicklung eines Kindes aus.
  • diskutieren Abweichungen in der kindlichen motorischen Entwicklung als Teil einer Gesundheitsstörung.
  • tauschen sich innerhalb eines interdisziplinären Teams über motorische Beobachtungen fachsprachlich aus.
  • diskutieren förderliche und hinderliche Faktoren im (motorischen) Lernprozess.
  • veranschaulichen ihr Wissen über die Physiologie der Organsysteme und der speziellen Krankheitslehre für fachfremde Personen (Klient:innen, Angehörige, etc.) in angepasster Sprache.
  • nehmen mit entsprechender Fachterminologie am interdisziplinären Austausch in Einrichtungen des Gesundheitswesens teil und legen interdisziplinär verständliche Dokumentationen an.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.3)
6. Intra- und interprofessionelle Beziehungen eigenständig gestalten (6.1)

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • hinterfragen Interventionsmaßnahmen auf Grundlage des Wissens zur motorischen Entwicklung.
  • argumentieren ihre Beobachtungen und analysieren Bewegungen mit Hilfe von Fachwissen und motorischen Lerntheorien-Bezügen.
  • antizipieren mögliche physische Einschränkungen des Klientels auf Grundlage ihres Wissens über die Organsysteme und der speziellen Krankheitslehre und reflektieren ihre Interventionen dahingehend kritisch.
  • begründen die Relevanz des Wissens um die Anatomie und Physiologie innerer Organe für Ergotherapeut:innen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
  • reflektieren ihr eigenes Risikoverhalten in Bezug auf Tumorerkrankungen, COPD, etc..

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3)
9. Auf Grundlage des beruflichen Selbstverständnisses selbstgesteuert berufliche Anforderungen bewältigen (9.5)

Literatur

  • Biel, A. (2014): Trail Guide Anatomie. Anatomie praktisch begreifen. Hrsg.: Kolster, B. C. KVM Verlag. 
  • Dünnwald, U. (2009): Hemiplegie. In: Habermann, C. u. Kolster, F. (Hrsg.): Ergotherapie im Arbeitsfeld Neurologie. Thieme Verlag. 2. Auflage. Seite 203 – 263
  • Huch, R. u. Jürgens, K. D. (2007): Mensch Körper Krankheit. 5. Auflage. Verlag Urban & Fischer.
  • Fries, W. u. Freivogel, S. (2010): Motorische Rehabilitation. In: Frommelt, P. u. Lösslein, H. (Hrsg.): Neurorehabilitation. Ein Praxisbuch für interdisziplinäre Teams. Springer Verlag. Berlin Heidelberg. Seite 226 – 266
  • Muscolino, J. E. (2013): Anatomische Strukturen begreifen: palpieren – erkennen – behandeln. Verlag Urban & Fischer. 2. Auflage. München
  • Schünke, M., Schulte, E., Schumacher, U., Voll, M. u. Wesker, K. (2014): Prometheus. LernAtlas der Anatomie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag.
  • Wulf, G. & Lewthwaite, R. (2019). Verbesserung motorischen Lernens in der Neurorehabilitation. Optimierung von Übungsbedingungen. Neuroreha, 11(3), 101 – 106. 
  • Van Cranenburgh, B. (2007): Neurorehabilitation. München: Urban & Fischer Verlag. 
  • Van Cranenburgh, B. (2014): Wiederherstellung nach Hirnschädigung. Theorie und Praxis der interdisziplinären Neurorehabilitation. München: Kiener Verlag. 

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Ergotherapie, Physiotherapie (dual)
    • Ergotherapie, Physiotherapie (dual), B.Sc. (01.09.2024)

    Modulpromotor*in
    • Berding, Jutta
    Lehrende
    • Berding, Jutta
    Weitere Lehrende

    Lehrende der Berufsfachschule