Reflektierte Praxis: Mentale Funktionen bei der Aufgabenbewältigung

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 02.07.2025.

Modulkennung

22B1288-13

Niveaustufe

Bachelor

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Besonderheiten des Moduls

Dieses Modul wird an der kooperierenden Berufsfachschule gelehrt und entsprechend der gültigen Reglungen im NHG zur Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen auf das Studium angerechnet. 

Kurzbeschreibung

In der Therapieprozessgestaltung sind für die therapeutische Diagnostik und Intervention spezifische Kenntnisse in den Störungsbildern erforderlich. Die Synthese medizinischer Kenntnisse mit den Grundlagen und Interventionskonzepten ergotherapeutischer und physiotherapeutischer Behandlungsverfahren ist eine wesentliche Voraussetzung für die therapeutische Behandlung. 

Das Modul vermittelt ein spezifisches Verständnis für einen wissenschaftlich fundierten Therapieprozess bei Störungen der Aufgabenbewältigung mit besonderer Ausrichtung auf die zugrunde liegenden mentalen Funktionen und der Relevanz des Nervensystems. Die Studierenden erwerben auf der Basis spezieller Krankheitslehre Kenntnisse und Fertigkeiten zur therapeutischen Diagnostik und Intervention bei spezifischen Störungsbildern als auch grundlegende Präventionskonzepte als Gegenstand therapeutischen Handelns. 

Lehr-Lerninhalte

  1. Störungen der mentalen Funktionen bei der Aufgabenbewältigung
    1.1   Spezielle Krankheitslehre Psychiatrie Schizophrene Störungen, Schizoaffektive Störungen
    1.2   Spezielle Krankheitslehre Neurologie mit Fokus auf mentale Funktionsstörungen Apoplex, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumore 
  2. Diagnostik bei Störungen der mentalen Funktionen bei der Aufgabenbewältigung - Standardisierte, nichtstandardisierte Testverfahren und beobachtende Verfahren in der Diagnostik von Störungen bei der Aufgabenbewältigung
    2.1  kriteriums- und normbasierte Untersuchungsverfahren auf Funktionsebene
    2.2 kriteriums- und normbasierte Untersuchungsverfahren auf Aktivitäten-/ Partizipationsebene (z.B. AMPS, Melba, O-AFP, DIAMO, PRPP) 
    2.3  kriteriumsbasierte Untersuchungsverfahren zur Erfassung von Umwelt- und personenbezogenen Faktoren (z.B. Arbeitsplatzanalyse, ICF-Kontextfaktoren, Rollencheckliste, WRI, WEIS)
  3. Interventionen bei Störungen mentaler Funktionen bei der Aufgabenbewältigung; Interventionsansätze:
    3.1 Spezifische therapeutische Konzepte: Interventionssystem, Psychomotorik, Verhaltenstherapeutische Ansätze, Alltags- und Lebensweltorientierte Therapie, Kompetenzzentrierte Methode, COGPACK – neuropsychologisches Therapieprogramm, Work-Park, MBOR, BORA, HoDT
    3.2 Spezifische Methoden: Maßnahmen zur Entspannung, Maßnahmen zur Förderung der Ausdauer, Maßnahmen zur Förderung der Körperwahrnehmung ,Jobcoaching, Stressbewältigungstraining, Zeitmanagement, Qualifizierung am Arbeitsplatz, Fertigkeitstraining, TADSE, Kommunikationstraining, Mobilitätstraining

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
25VorlesungPräsenz-
10betreute KleingruppenPräsenz-
5ExkursionPräsenz-
40SeminarPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
70Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
Weitere Erläuterungen

Die Anzahl der Semesterwochenstunden (SWS) richtet sich nach den Vorgaben der Berufsfachschulen.

Unbenotete Prüfungsleistung
  • Klausur
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Die Prüfungsleistungen richten sich nach den Anforderungen der Berufsfachschule und werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert. 

Empfohlene Vorkenntnisse

keine

Wissensverbreiterung

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • beschreiben das Störungsbild der Schizophrenie.
  • verstehen und erfassen die Auswirkungen schizophrener Störungen in Bezug auf Funktionen und die Teilhabe in den Lebensbereichen Arbeit, Freizeit und Selbstversorgung.
  • stellen neurologische Störungsbilder sowie ihre neuropsychologischen Auswirkungen auf den Alltag umfassend dar.
  • beschreiben diagnostische Möglichkeiten zur Befundung der mentalen Funktionen in ihrer Durchführung (und ggf. in ihrem Aufbau).
  • benennen und erläutern spezifische therapeutische Konzepte und Methoden zur Behandlung mentaler Störungen zu den jeweiligen neurologischen Störungsbildern.
  • benennen übergreifende Ziele der arbeitsbezogenen Ergotherapie.
  • erklären Kriterien der Arbeitsdiagnostik im Rahmen von Testverfahren und Beobachtung.
  • beschreiben die Möglichkeiten und den Prozess einer arbeitsbezogenen Diagnostik.
  • verdeutlichen verschiedene Konzepte von Arbeitsfähigkeiten.
  • identifizieren relevante Kontextfaktoren für die Teilhabe an Arbeit.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2; 1.3; 1.4; 1.5)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.1)
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3; 5.4)

Wissensvertiefung

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • stellen Supported Employment-Ansätze gegen Prevocational Training gegenüber.
  • erörtern den Zusammenhang und die jeweiligen Wechselwirkungen von neurologischen Störungsbildern unter Berücksichtigung von Körperdysfunktionen, Aktivitäten und Kontexteinflüssen.
  • beschreiben Vor- und Nachteile verschiedener diagnostischer Möglichkeiten zur Befundung der mentalen Funktionen.
  • erläutern inhaltliche Schwerpunkte verschiedener therapeutischer Konzepte zur Behandlung mentaler Störungen.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2; 1.3; 1.4; 1.5)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.1)
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3; 5.4)

Wissensverständnis

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben,

  • schlussfolgern begründet auf Basis der Anamnese und der aktuellen Befunderhebung der Arbeitsfähigkeiten eine realistische berufliche Perspektive gemeinsam mit Klient*innen.
  • analysieren Kontextfaktoren der Umwelt und der Person im Hinblick auf die Möglichkeiten beruflicher Teilhabe.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3; 5.4)

Nutzung und Transfer

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben, 

  • wählen Assessments zur Erhebung von Arbeitsfähigkeiten begründet aus und setzen sie regelgeleitet um.
  • konzipieren Lernprozesse zum Kompetenzerwerb und restitutive Prozesse dem Setting entsprechend (z.B. klinischer Kontext oder direkt am Arbeitsplatz).
  • passen Arbeitsanforderungen entsprechend der funktionellen Leistungsfähigkeit der Person an.
  • nutzen verschiedene diagnostische Möglichkeiten zur Erhebung der mentalen Störungen und werten die Ergebnisse zielgerichtet aus.
  • leiten nach einer umfassenden Evaluation entsprechende Zielsetzungen ab und wählen geeignete Konzepte und Methoden zur Umsetzung aus.
  • wenden diagnostische Möglichkeiten zur Befundung der mentalen Funktionen zielgerichtet an und werten die Ergebnisse umfassend aus, so dass therapeutische Zielsetzungen abgeleitet werden können.
  • wählen theoretisch begründet therapeutische Konzepte und spezifische Methoden aus und grenzen diese in ihrer Zielsetzung sowie Anwendung voneinander ab.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2; 1.3; 1.4; 1.5)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.1)
5. Das komplexe Wissen über die Wechselwirkung zwischen Person, Umwelt und Betätigung als Grundlage von Gesundheitsprozessen nutzen (5.1; 5.2; 5.3; 5.4)

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich absolviert haben, 

  • erläutern und argumentieren die Ergebnisse/Erkenntnisse (arbeits-)diagnostischer Prozesse im interdisziplinären Team und nutzen dabei die dem Setting entsprechende Fachsprache.
  • passen entsprechend störungsspezifischer Anforderungen die Gestaltung der Kommunikation an (Zielvereinbarung, Aufklärung über Interventionsinhalte, Anleitung, Reflexionen und Abschlussgespräche).

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
1. Die ergotherapeutische Diagnostik selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (1.2)
2. Ergotherapeutische Interventionen selbstständig und eigenverantwortlich planen und diese durchführen (2.3)
3. Professionelle Beziehungen zu Einzelpersonen, Gruppen und dem Gemeinwesen selbstgesteuert gestalten
6. Intra- und interprofessionelle Beziehungen eigenständig gestalten

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich abgeschlossen haben, 

  • begründen mittels geeigneter Theorien, Praxismodelle und Methoden, die dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse entsprechen, ihr berufliches Handeln.
  • reflektieren ihr berufliches Handeln kritisch, evaluieren und dokumentieren den Therapieprozess fachgerecht.

Kompetenzformulierung entsprechend des Entwurfes einer neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) – Stand 2019:
8. In Übereinstimmung mit Richtlinien, Regularien und ethischen Kodizes selbständig handeln (8.2)
9. Auf Grundlage des beruflichen Selbstverständnisses selbstgesteuert berufliche Anforderungen bewältigen (9.5)

Literatur

  • Düchting, M. (2008). HiPro-Assessment: Ein integratives Teilsystem psychosozialer Er-gotherapie - Schwerpunkt Arbeitstherapie (1. Aufl). Idstein: Schulz-Kirchner.
  • Habermann, C. & Kolster, F. (Hrsg.) 2009: Ergotherapie im Arbeitsfeld Neurologie. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag
  • Exner, C.; Lincoln, T. (2012). Neuropsychologie schizophrener Störungen. Göttingen: Hogrefe
  • Föhres, F. (2011). MELBA, Manual: ein Instrument zur beruflichen Rehabilitation und Integration ; [Arbeitsmaterialien für das Verfahren MELBA ; Forschungsprojekt Az. - Vb 1-58 330/53 - Teilprojekt Psychologie] (8. unveränd. Aufl.). Kreuztal: Univ-Gesamthochsch, Forschungsprojekt MELBA
  • Kohn, B., Zeindl, J. & Kolster, F. (2018a): Ein Weg zu nachhaltiger Teilhabe. Handlungsorientierte Diagnostik und Therapie (HoDT) - Teil 1. ET Reha, 57(6), Seite 14 – 18.
  • Kohn, B., Zeindl, J. & Kolster, F. (2018b): Ein Weg zu nachhaltiger Teilhabe. Handlungsorientierte Diagnostik und Therapie (HoDT) - Teil 2. ET Reha, 57(7), Seite 14 – 17.
  • Köser, P. (2019). Hilfen zur Befunderhebung/Arbeitsdiagnostik (5. überarbeitete Auflage neu mit ICF-Einordnung; U. Marotzki, C. Mentrup, & P. Weber, Hrsg.). Idstein:Schulz-Kirchner
  • Hötten, R., & Hirsch, T. (2014). Jobcoaching: die betriebliche Inklusion von Menschen mit Behinderung gestalten. Köln: Balance Buch+Medien-Verlag. 
  • Köhler, K., & Adam, P. (Hrsg.). (2008). Arbeitstherapie und Arbeitsrehabilitation - Arbeits-felder der Ergotherapie: 19 Tabellen. Stuttgart: Thieme.
  • Kubny, B. (2020). Ergotherapie in der Psychiatrie. Stuttgart: Thieme
  • Storck, J., & Plößl, I. (Hrsg.). (2015). Handbuch Arbeit: wie psychisch kranke Menschen in Arbeit kommen und bleiben (3., vollst. überarb. Aufl). Köln: Psychiatrie-Verl.
  • Köser, P., Höhl, W., & Dochat, A. (Hrsg.). (2015). Produktivität und Teilhabe am Arbeits-leben: Arbeitstherapie - Arbeitsrehabilitation - Gesundheitsförderung (1. Auflage 2015). Idstein: Schulz-Kirchner.
  • Marotzki, U. & Reichel, K. (2018): AOTA: Das Framework der AOTA. Gegenstandsbereich, Prozesse und Kontexte in der ergotherapeutischen Praxis. Göttingen: Hogrefe Verlag
  • Roder, V., Brenner, H., Kinzle, N. (2008). Integriertes psychologisches Therapieprogramm bei schizophren Erkrankten. Weinheim: Belz
  • Schädler, S., Wirz, M., Pfeffer, A., Müller, R., Marks, D., Lüthi, H. & Kool, J. (Hrsg) 2020: Assessments in der Rehabilitation. Band 1: Neurologie. 4. Auflage. Bern: Hogrefe Verlag
  • Wiedl, Karl H., & Uhlhorn, S. (2006). O-AFP (Osnabrücker Arbeitsfähigkeitenprofil). Göttingen: Hogrefe.
  • Wienberg, G. (1995).  Schizophrenie zum Thema machen. Bonn: Psychiatrie-Verlag

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Ergotherapie, Physiotherapie (dual)
    • Ergotherapie, Physiotherapie (dual), B.Sc. (01.09.2024)

    Modulpromotor*in
    • Berding, Jutta
    Lehrende
    • Berding, Jutta
    Weitere Lehrende

    Lehrende der Berufsfachschule