Psychosoziale und mentale Dimensionen menschlicher Aktivität

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 03.07.2025.

Modulkennung

22B1289-9

Niveaustufe

Bachelor

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Besonderheiten des Moduls

Dieses Modul wird an der kooperierenden Berufsfachschule gelehrt und entsprechend der gültigen Reglungen im NHG zur Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen auf das Studium angerechnet. 

Kurzbeschreibung

Das Verständnis menschlicher Aktivität der Therapieberufe basiert auf Theorien der Bezugsdisziplinen Psychologie und Human- und Geisteswissenschaften. Sie bieten Ansätze der Analyse und des Verstehens von Individuum und Gesellschaft, wie sie sich gegenseitig beeinflussen und menschliche Aktivitäten formen.

Das Modul befasst sich mit den Grundlagen sozialer und psychologischer Dimensionen des Menschen in Aktivitäten. Es vermittelt ein grundlegendes Verständnis menschlichen Handelns mittels individual- und gesellschaftstheoretischer Konzepte und Ansätze.

Die Schwerpunkte des Moduls zielen darauf ab, dass die Studierenden Kenntnisse aus den Sozialwissenschaften, insbesondere der Psychologie und Soziologie erwerben, um menschliche Aktivität hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden psychischen und sozialen Prozesse beschreiben, analysieren und nachvollziehen zu können.

Darüber hinaus erwerben die Studierenden spezifische Kenntnisse zu den Störungsbildern Mentale Funktionen bei der Aufgabenbewältigung, mit dem Ziel physiotherapeutische Interventionen unter besonderer Ausrichtung auf die mentalen Funktionen und der Relevanz des Nervensystems innerhalb eines wissenschaftlich fundierten Therapieprozesses zu gestalten. Aufbauend auf dem Modul „Mentale Funktionen – perzeptive und kognitive Dimensionen menschlicher Aktivität“ werden auf der Basis spezieller Krankheitslehre Kenntnisse und Fertigkeiten zur therapeutischen Diagnostik und Intervention bei spezifischen Störungsbildern als auch grundlegende Präventionskonzepte als Gegenstand therapeutischen Handelns vermittelt.

Lehr-Lerninhalte

  1. Soziale und psychologische Dimensionen menschlicher Aktivität
    1.1 Kognitive, emotionale und soziale Entwicklung
    1.2 Temperament und Persönlichkeit  (Persönlichkeitstheorien / Entwicklung des Selbstkonzepts)
    1.3 Soziales Lernen und Sozialisation
    1.4 Lernen und Handeln in Organisationen
  2. mentale Funktionen bei der Aufgabenbewältigung
    2.1 Störungen der mentalen Funktionen bei der Aufgabenbewältigung
    2.2 Spezielle Krankheitslehre Psychiatrie: Schizophrenie, Psychosen, Neurosen, psychosomatische Erkrankungen, Suchterkrankungen
    2.3 Spezielle Krankheitslehre Neurologie mit Fokus auf mentale Funktionsstörungen: Apoplex, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumore
    2.4 Störungen höherer kognitiver Funktionen (Apraxie, Pusher-Syndrom, Aphasie, Neglect, Extinktion)
  3. Durchführung der Diagnostik und Dokumentation bei Störungen mentaler Funktionen bei der Aufgabenbewältigung
    3.1 Standardisierte und nichtstandardisierte Testverfahren und beobachtende Verfahren in der subjektiven und objektiven Diagnostik (Anamnese, Inspektion, Palpation, Messungen, Assessments, Tests) nach einem bio-psycho-sozialen Paradigma (z.b. ICF-Modell) von Störungen der mentalen Funktionen bei der Aufgabenbewältigung
  4. Zielformulierung nach den SMART-Kriterien
  5. Durchführung von Interventionen bei Störungen mentaler Funktionen bei der Aufgabenbewältigung unter Anwendung von Clinical Reasoning-, Kommunikations- und Edukationsstrategien:
    5.1 Restitutive Interventionsansätze:
    Umfassendes Management unter Berücksichtigung von:
    5.1.1 Struktur und Funktion:
    - Maßnahmen zur Normalisierung der muskulären Koordination, Aktivität und Kontrolle
    - Maßnahmen zur Normalisierung der Körperwahrnehmung
    5.1.2 Aktivität:
    - Maßnahmen zur Steigerung und Optimierung der Alltagsbelastbarkeit
    5.1.3 Partizipation:
    - Berücksichtigung des Erhalts oder der Erlangung einer Arbeitsfähigkeit und allgemeinen sozialen Teilhabe
    5.1.4 Anwendung spezifischer therapeutischer Konzepte beziehend auf die restitutiven Interventionsansätze:
    - Bobath
    - Aufgabenorientiertes Training
    - Konzepte zur Koordinationsschulung
    - Psychosomatik
    - Entspannungstechniken
    5.2 Kompensatorische/substitutive/ ergänzende Interventionsansätze
    - Wohnraum-/ Arbeitsplatzanpassung
    - Entspannung
    5.3 Prävention
    - Vermittlung eines aktiven, sozialen Lebensstils
    - Verhinderung von Pflegebedürftigkeit
    - Vermittlung zur Teilnahme an Selbsthilfegruppen

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
40VorlesungPräsenz-
35SeminarPräsenz-
15betreute KleingruppenPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
20Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
20Literaturstudium-
20Prüfungsvorbereitung-
Weitere Erläuterungen

Die Anzahl der Semesterwochenstunden (SWS) richtet sich nach den Vorgaben der Berufsfachschulen.

Unbenotete Prüfungsleistung
  • Klausur und Referat (mit schriftlicher Ausarbeitung)
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Die Prüfungsleistungen richten sich nach den Anforderungen der Berufsfachschule und werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert. 

Empfohlene Vorkenntnisse

Teilnahme und Abschluss des Moduls „Mentale Funktionen–Perzeptive und kognitive Dimensionen menschlicher Aktivität–Physiotherapie“

Wissensverbreiterung

Die Studierenden verfügen über ein breit angelegtes Wissen zur sensomotorischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung des Menschen und verstehen diese als Voraussetzung für die Entwicklung menschlicher Aktivitäten. Sie begreifen menschliche Sozialisation als ein Prozess des Individuums in Gesellschaft, kennen Einflussfaktoren menschlicher Sozialisation.  Die Studierenden identifizieren Einflussfaktoren auf Verhalten, Handeln, Motive und Einstellungen von Individuen in Organisationen/Institutionen.Die Studierenden verfügen über ein breit angelegtes Wissen zu den typischen Störungsbildern der Psychiatrie und Neurologie – sie erklären multifaktorielle Erklärungszusammenhänge, Symptome und erfassen Auswirkungen auf die Teilhabe. Die Studierenden erfassen die Zusammenhänge von Störungen der Funktionen und Strukturen in komplexen Krankheits- und Störungsbildern und analysieren sie. Sie geben Beispiele für spezifische therapeutische Konzepte, haben theoretische Grundlagenkenntnisse zu ihren Ansätzen und Interventionen und legen  für therapeutische Zielgruppen physiotherapeutische  Behandlungsperspektiven und Behandlungsansätze begründet dar.

Wissensvertiefung

Die Studierenden wissen um die Wechselwirkung zwischen Funktion / Dysfunktion, Aktivitätsanforderung, Kontexteinflüsse und  erfassen sie für Teilhabeeinschränkungen bei Störungen der Aufgabenbewältigung durch bestehende mentale Funktionsstörungen.

Wissensverständnis

Die Studierenden verstehen die Grundzüge verschiedener Disziplinen,  hinterfragen und synthetisieren  für das therapeutische Handeln ihre Perspektiven und Theorienbezüge hinsichtlich des Individuums und der Gesellschaft . . Sie analysieren ihre eigene Sozialisation und sind sich individueller Unterschiede, kultureller Überzeugungen, Gewohnheiten und deren Einfluss auf Aktivität bewusst und respektieren sie.

Nutzung und Transfer

Die Studierenden  planen auf der Basis des berufsspezifischen Clinical Reasoning grundlegende Schritte des Therapieprozesses in Hinblick auf Diagnostik und Intervention bei Störungen der Aufgabenbewältigung durch bestehende mentale Funktionsstörungen. Sie  wählen begründet therapeutische, präventive und rehabilitative Maßnahmen aus und führen diese durch . Dies , reflektieren sie abschließend und nehmen individuelle Modifikationen vor. Die Studierenden nutzen Entwicklungsmodelle der Sozialwissenschaften zur Analyse menschlicher Aktivitäten. Sie übertragen das erworbenen das sozialwissenschaftliche Wissen auf therapeutische Kontexte und ziehen es in die Auswahl und Begründung von Interventionen im therapeutischen Prozess mit ein. Sie leiten aus ihrem Wissen begründete Konsequenzen für ihr therapeutisches Handeln ab. Sie nutzen für die physiotherapeutische Behandlung wesentlichen Interventionsarten sowie Therapiemittel und setzen diese adäquat ein. Die Studierenden wenden Vorgehen in den Interventionen spezifischer therapeutischer Konzepte zielgruppenspezifisch an.

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden fassen therapeutische Befunde zusammen und beschreiben relevante Aspekte der Krankheits- und Störungsbilder. Sie erklären patientenzentriert therapeutische Maßnahmen/Interventionen und leiten diese an Dabei beachten die Studierenden  individuelle, kulturelle, soziale und gruppenspezifische Diversitäten, um diese in ihrem therapeutischen Handeln und in ihrer Kommunikation zu berücksichtigen. Die Studierenden reflektieren ihr eigenes Kommunikationsverhalten vor dem Hintergrund ihrer Sozialisation und beschreiben ihre Erfahrungen.

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die Studierenden hinterfragen  im Sinne einer umfassenden Evaluation alle Informationen (einschließlich verfügbarer Leitlinien und Evidenzbezüge), werten sie aus und rechtfertigen somit ihre getroffenen  Schlussfolgerungen für ihr therapeutisches Handeln.

Literatur

  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.J. (2022). Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. (7. vollst. überarb. Auflage). Stuttgart: Thieme
  • Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. Verfügbar unter https://www.awmf.org/leitlinien
  • Masuhr, K.F., Masuhr, F. & Neumann, M. (2016). Duale Reihe Neurologie. (7. Auflage). Stuttgart: Thieme
  • Schäfers, A. (k.D.). Gehirn & Lernen. Verfügbar unter www.gehirnlernen.de

Die angegebene Literatur, sowie weitere zusätzliche Literatur wird im Rahmen des Unterrichts bekannt gegeben bzw. zur Verfügung gestellt.

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Ergotherapie, Physiotherapie (dual)
    • Ergotherapie, Physiotherapie (dual), B.Sc. (01.09.2024)

    Modulpromotor*in
    • Ballenberger, Nikolaus
    Lehrende
    • Ballenberger, Nikolaus
    Weitere Lehrende

    Lehrende der Berufsfachschule