Journal Club: Interdisziplinäre Perspektiven auf gesellschaftliche Transformation

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 18.12.2025.

Modulkennung

22M1180

Niveaustufe

Master

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Kurzbeschreibung

Der Journal Club ist eine etablierte Methode v.a. der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, die aber auch dazu qualifiziert, Fragestellungen aus dem Berufsalltag der Sozialen Arbeit systematisch mit hierzu verfügbaren Forschungsbefunden und/oder Theoriebeiträgen zu beantworten. Um die Qualität einer Studie bzw. Publikation beurteilen zu können, muss erkannt werden, an welchen Kriterien Wissenschaftler:innen diese festmachen. Beim Journal Club werden die Studierenden in kleinen Gruppen zusammengeführt, um einen wissenschaftlichen Artikel zu diskutieren. Alle lesen vorher den thematisierten Artikel und eine Person fasst den Inhalt eröffnend kurz zusammen. Auf dieser Grundlage werden die Fragen, Kommentierungen, Kritik usw. der Teilnehmenden eingebracht und diskutiert. Der Journal Club kann dazu beitragen, Artikel (und allgemein Fachliteratur) kritisch zu bewerten, ein klar definiertes Thema in einer moderierten Form zu bearbeiten, die angestrebte Diskussion gezielt anhand von z.B. Thesen vorzubereiten, die Auseinandersetzung anzuleiten und bei Bedarf auch Hintergrundinformationen, Entstehungszusammenhänge sowie Bezüge zu angrenzenden Debatten bzw. Forschungsbefunden im Sinne der interdisziplinären Perspektive auf gesellschaftliche Transformation zu geben. Die Studierenden wählen die Artikel selber aus, fassen diese zusammen, präsentieren sie den anderen Studierenden und den Lehrenden, und stellen sich schließlich einer kritischen Diskussion, die sowohl eine Bewertung der wissenschaftlichen Güte, des auf Problemstellungen bezogenen Erkenntnisgewinns, als auch der anwendungs- und forschungsbezogenen Relevanz umfasst. Ziel ist es, neben der Analysefähigkeit und der Einübung des akademischen Diskurses auch die Profilbildung der Studierenden entlang selbst gewählter Themenstellungen zu unterstützen.

Lehr-Lerninhalte

  1. Grundlagen des Journal Club
  2. Erörterung von Merkmalen unterschiedlicher Studien, empirischer Forschungszugänge, Reichweiten und Aussagekraft theoretischer Auseinandersetzung
  3. Methoden der erkenntnis- und problemorientierten Studien- und Literaturauswahl
  4. Grundsätze und Übung der akademischen Präsentations- und Diskussionskultur
  5. Praktische Durchführung des Journal Club mit aktueller wissenschaftlicher Literatur in Themengebieten der Sozialen Arbeit und Teilhabeförderung aus interdisziplinärer Perspektive

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
20SeminarPräsenz-
10individuelle BetreuungPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
30Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
30Erstellung von Prüfungsleistungen-
25Arbeit in Kleingruppen-
35Literaturstudium-
Weitere Erläuterungen

Seminargespräche, (Schreib- und Präsentations-) Übungen, Recherchen, Einzel- und Gruppenarbeiten, studentische Referate, Selbststudium

Der Workload für das Modul Journal Club: Interdisziplinäre Perspektiven auf gesellschaftliche Transformation umfasst 150 Std. Davon entfallen 30 Std. auf die Erbringung der genannten Prüfung.

Benotete Prüfungsleistung
  • Referat (mit schriftlicher Ausarbeitung)
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Referat: im Umfang von in der Regel 20 - 30 Min. Präsentation plus Schriftversion im Umfang von ca. 4 - 5 Seiten pro studierende Person

Die Anforderungen werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert.

Empfohlene Vorkenntnisse

Reallabor I und II

Wissensverbreiterung

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich studiert haben, haben die Methode des „Journal Clubs“ und dessen Vorgehensweise kennengelernt und können damit ihr Wissen im Bereich der Entwicklung einer Problemstellung für (eigene) Forschungsvorhaben, in der Wissenssoziologie sowie der Professionstheorie sozialer Arbeit erweitern. Sie können ferner die speziellen Bedingungen hierfür in der Disziplin Soziale Arbeit bewerten und in bestehende Wissensbestände zur Konturierung einer Wissenschaft Soziale Arbeit einordnen.

Wissensvertiefung

Die Studierenden vertiefen ihre Kenntnisse zur wissenschaftlichen Analyse von Themen der Fachdebatte mit Bezug zu empirischen und theoretischen Fragestellungen der Sozialen Arbeit. Dazu verfügen sie über Arbeitstechniken, um eigenständig Wissen zu interdisziplinären Problemstellungen vertiefen zu können sowie die Güte (z.B. Evidenz, Wirkung, Transferfähigkeit) von Forschungsbefunden und -methoden zu bewerten. Zudem können sie hieraus differenzierte Rückschlüsse für die Gestaltung einer professionellen Praxis sowie von Forschungsprozessen ziehen. Sie haben dies auch anhand von Übungen individuell und in Gruppensituationen vertiefend erarbeitet.

Wissensverständnis

Die Studierenden können sich auf der Basis ihres fachspezifischen Wissens in verschiedenen Themenfeldern und insbesondere in Bezug auf interdisziplinäre Phänomene der Sozialen Arbeit schnell zu den wichtigen Facetten eines empirischen bzw. theoretischen Problems orientieren, dieses einordnen und erklären. Sie sind in der Lage, sich mit Theorien und Forschungserkenntnissen der Sozialen Arbeit kritisch auseinanderzusetzen, den akademischen Diskurs vorzubereiten, begründet eingehen und diesen Erkenntnisprozess entlang von eigenständigen Fragestellungen zu reflektieren. Sie erkennen, dass sozialwissenschaftlich geprägtes Wissen komplexen Bedingungen der Analyse, Erklärung und Erforschung unterliegt und die Betrachtung entsprechender Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfolgen und dann auch unterschiedliche Erkenntnis bedeuten kann, die grundsätzlich als vorläufig zu bewerten ist. 

Nutzung und Transfer

Die Studierenden erkennen in fundierter Weise die Bedeutung der wissenschaftlichen Erkenntnisbildung und des akademischen Debattenraums für das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit. Sie verstehen die Situationen, Bedingungen und Herausforderungen in der beruflichen Sphäre Sozialer Arbeit in ihrer wissenschaftlich-akademischen Dimension, was die Besonderheiten von Aushandlungsprozessen, Interessenvermittlung, Konzeptentwicklung, Innovation und Qualität der Praxisangebote und die Problemlösung alltäglicher Handlungsanforderungen unter Heranziehung wissenschaftsbasierten Wissens betrifft.

Wissenschaftliche Innovation

Die Studierenden verstehen das Masterstudium als vertiefenden Rahmen der wissenschaftsbasierten Erkenntnisbildung und können die Bedeutung akademischer Perspektiven für Soziale Arbeit einordnen, um mit wachsender Urteilsfähigkeit neue Positionen, veränderte Lösungen oder Perspektiven des ursprünglichen Sachverhaltes sowie Zusammenhänge zu anderen Modulen des Semesters zu realisieren.

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden diskutieren im Seminar und in Arbeitsgruppen, können Argumente ausführen, relativieren und anhand von Gegenargumenten entweder untermauern oder modifizieren. Sie können Forschungsstudien, Theoriemodelle und Arbeitsergebnisse im Kontext sozialpädagogischer (und interdisziplinärer) Themenstellungen nachvollziehbar präsentieren, zwischen der eigenen Position und der anderer vermitteln und differenzierte Urteile zu ausgewählten Sachverhalten der Sozialen Arbeit treffen. Sie erlernen den akademischen Diskurs als gleichermaßen Ausdruck von einer Haltung, eines Erkenntnisbildungsraums und der Wissenschaft und Profession Sozialer Arbeit.

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die Studierenden, die dieses Modul erfolgreich studiert haben, kennen die Methode des „Journal Clubs“ und dessen Vorgehensweise als Grundlage akademisch geprägter Professionalität. Sie haben anhand von selbst gewählten Problemstellungen eine beispielhafte Einsicht in die systematische Erarbeitung von theorie- oder forschungsbezogener Erkenntnis sowie anwendungsbezogenen Lösungsoptionen erhalten und damit eine wissenschaftlich fundierte Grundhaltung der Erkenntnisbildung in der Sozialen Arbeit eingenommen. Diese soll möglichst die Erfahrungen und Ergebnisse der Studierenden in den Modulen Transferwerkstatt sowie Forschungswerkstatt vertiefen sowie Anschlussperspektiven für ein eigenes Forschungsvorhaben fördern, das Grundlage der Masterarbeit als Produkt der schriftlichen akademischen Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Fragestellung auf empirischer und theoretischer Basis ist.

Literatur

Forschungsgruppe Professionalität Sozialer Arbeit an der Hochschule RheinMain (2023): Zur Neujustierung von Professionalität Sozialer Arbeit zwischen Adressat*innen, Institutionen und Gesellschaft. VS-Verlag: Wiesbaden

Friele, B. u.a. (2023): Soziale Arbeit und gesellschaftliche Transformation zwischen Exklusion und Inklusion. Analysen und Perspektiven. VS-Verlag: Wiesbaden

Knoblauch, H./Tuma, R. (2024): Wissen. In: Knopp, J./Steinbach, A. (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie. 13. Auflage. VS-Verlag: Wiesbaden, S. 581-584

Kotthaus, J. (2022): Wissenssoziologische Sozialpädagogik. VS-Verlag: Wiesbaden

Schneider, A. (2016): Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag

Thaler, T. (2013): Methodologie sozialpädagogischer Forschung. VS-Verlag: Wiesbaden

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten
    • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten M.A. (01.09.2026)

    Modulpromotor*in
    • Ley, Thomas
    Lehrende
    • Ley, Thomas