Teilhabe, Partizipation und Ermächtigung

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 18.12.2025.

Modulkennung

22M1179

Niveaustufe

Master

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Kurzbeschreibung

Soziale Arbeit möchte in ihrer Praxis einen Beitrag dazu leisten, öffentliche Erfahrungsorte der Kommunikation und damit auch Erfahrungen einer egalitären, nicht an Vorbedingungen geknüpften gesellschaftlichen Partizipation zu schaffen. Der Zugang zu materiellen und gesellschaftlichen Mitteln steht dann einerseits für eine politische Gerechtigkeit und die Erfahrung der egalitären Partizipation andererseits für eine soziale Gerechtigkeit, die das kritische Leitmotiv für die Analyse der modernen Gesellschaft darstellt. Eine emanzipatorische Perspektive entwirft Alternativen zu kritisierten gesellschaftlichen Verhältnissen, etwa ungerechten Zugängen zu gesellschaftlichen Mitteln oder zu Teilhabemöglichkeiten, um normativ geprägte Vorstellungen besserer Verhältnisse zu begründen, eine Theorie von Veränderung zu entwickeln und deren Umsetzbarkeit zu bedenken. Schließlich beschäftigt sie sich mit den Prozessen der gesellschaftlichen Transformation und entwirft theoretische Annahmen zur gesellschaftlichen Reproduktion, zu Widersprüchen und Konflikten dabei, zu kollektiven Strategien bzw. Formen gesellschaftlichen Handelns und zu den Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklungen mit ihren (Neben-) Folgen. Ziel des Moduls ist es, diese theoretischen Zusammenhänge zu vertiefen und Konsequenzen für Konzepte, Handlungsweisen und Organisationsformen einer Sozialen Arbeit abzuleiten, die die Förderung von Teilhabe, Partizipation und Ermächtigung zum Ziel hat.

Lehr-Lerninhalte

  1. Rückbezug auf gesellschaftstheoretische Kategorien der Kommunikation, Anerkennung und Demokratie, um aus der Kritik Alternativen abzuleiten: Anerkennung durch solidarische Erfahrungen, konsequent demokratisch strukturierte Partizipation im Gemeinwesen sowie (sozial-) pädagogische und zivilgesellschaftliche Institutionen, die Menschen und Orte der (des Lernens einer) sozialen Verantwortung dafür vermitteln
  2. Anwendungsbeispiel: Stadtteile als kommunale, soziale Räume und als Transformationsrahmen der Ermächtigung durch partizipativ gelebte Freiräume menschlicher Entfaltung
  3. Systematisierung von darauf abgestimmten Handlungsprinzipien: im gegenwärtigen Alltag und Erleben ansetzen, Kontaktgrenzen erweitern, bewusstes und zielorientiertes Handeln fördern, Selbsthilfe und Verantwortung sowie Erfahrungen, Lernmöglichkeiten, Räume der Selbstorganisation und des freiwilligen Engagements unterstützen
  4. people power und community organizing in ihren Bezügen zur Sozialen Arbeit im Gemeinwesen
  5. transformative Gemeinwesenarbeit

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
45SeminarPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
40Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
35Literaturstudium-
30Erstellung von Prüfungsleistungen-
Weitere Erläuterungen

Seminargespräche, Präsentationen, Übungen, Recherchen, Einzel- und Gruppenarbeiten, Selbststudium

Der Workload für das Modul Teilhabe, Partizipation und Ermächtigung umfasst 150 Std. Davon entfallen 30 Std. auf die Erbringung der genannten Prüfung.

Benotete Prüfungsleistung
  • Hausarbeit oder
  • Klausur oder
  • Referat (mit schriftlicher Ausarbeitung)
Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

Hausarbeit: im Umfang von ca. 15 - 20 Seiten (netto Text),

Referat: im Umfang von in der Regel 20 - 30 Min. Präsentation plus Schriftversion im Umfang von ca. 4 - 5 Seiten pro studierende Person

Klausur: Die Klausurdauer kann der jeweils gültigen Studienordnung entnommen werden.

Die Anforderungen werden in der jeweiligen konkreten Veranstaltung präzisiert.

Empfohlene Vorkenntnisse

Adressat:innenperspektive und -orientierung in der Sozialen Arbeit; Soziale Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe und Kommune

Wissensverbreiterung

Die Studierenden erweitern ihre Kenntnisse zu den Themenfeldern Anerkennung durch solidarische Erfahrungen, konsequent demokratisch strukturierte Partizipation im Gemeinwesen sowie (sozial-) pädagogische und zivilgesellschaftliche Institutionen, die Menschen Orte der sozialen Verantwortung dafür vermitteln. Studierende erkennen die Zusammenhänge von gesellschaftstheoretischen Perspektiven mit sozialpädagogischen Gestaltungsoptionen, bewerten sie als nicht intervenierend und kontrollierend, sondern ermächtigend und inklusiv in den lebensweltlichen Nahräumen der Menschen. Sie können hierbei leitende theoretische Kategorien unterscheiden, vergleichen und systematisch erörtern.

Wissensvertiefung

Die Studierenden können einzelne Themen- und Gestaltungskontexte der partizipativen Ermächtigung und Gesellschaftsgestaltung in einer vertieften Form analysieren, bewerten und theoriegeleitet diskutieren. Sie können bestimmte Fachzusammenhänge (wie z.B. demokratische Strukturen der Partizipation, Bedürfnisanalysen, raumbezogene Ästhetik von Äußerungsformen und Ausdrucksarten der Interessen, Dynamiken des community organizing – in ihren Auswirkungen auf Teilhabe) theoretisch versiert betrachten und neu bewerten.

Wissensverständnis

Studierende können Begriffe, Grundverständnisse und methodische Konzepte der Teilhabe, Partizipation und des Empowerments kritisch reflektieren, vergleichen, bewerten und systematisieren. Sie erkennen die Bedeutung dessen für die Analyse und Bearbeitung sozialer Probleme im Kontext der gesellschaftlichen Ermächtigung von Subjekten sowie Gruppen, mithin für eine darauf aufbauende Konzipierung sowie Implementierung von Projekten bzw. Ermöglichungsformen der partizipativen Förderung von Teilhabe.

Nutzung und Transfer

Studierenden beschreiben und konzipieren Stadtteile als kommunale, soziale Räume sowie als Transformationsriemen und -rahmen für Ermächtigung durch partizipativ gelebte Freiräume menschlicher Entfaltung. Sie erkennen sie als Orte der Verbindung von System und Lebenswelt. Studierende verbinden diese beiden Modi der gesellschaftlichen Integration, initiieren öffentliche Kommunikation, Verständigung und Entscheidung, und sie wenden Bezüge der Sozialen Arbeit zur lebensweltlich ausgerichteten Sphäre zivilgesellschaftlichen Engagements an, die diesen Grundsätzen folgen. Hierfür beschreiben, ordnen, entwerfen, ermitteln und kombinieren sie Methoden, Konzepte sowie Verfahren der Praxis in Handlungsfeldern der Ermächtigung.

Wissenschaftliche Innovation

Die Studierenden lernen, die in den vorhergehenden Semestern gelehrten Fachrichtungen und -inhalte anhand konkreter Problemstellungen in Verbindung zu bringen. Dabei entsteht eine neue, integrative Qualität von Fachwissen, die durch Vergleiche, Differenzierungen und Perspektivenwechsel zustande kommt. Diese neue Qualität zeigt sich in neuen Erkenntnissen zum Zusammenspiel der Kategorien Teilhabe, Partizipation und Ermächtigung, wenn man es gesellschafts- und sozialarbeitstheoretisch interpretiert.

Kommunikation und Kooperation

In diesem Modul spielen das Lehrgespräch und der Dialog mit Studierenden eine große Rolle. Im wissenschaftlichen Diskurs erhalten Studierende Fähigkeiten der Meinungsbildung und der präzisen Explikation. Sie können Formen der Moderation und Präsentation anwenden und Textanalysen plausibel vermitteln. Die Studierenden arbeiten ferner in Lernteams (auch in out of class Phasen nach dem Konzept des inverted classrooms) und bereiten gemeinsam Arbeitsergebnisse auf, die Grundlage eines abschließenden Referates sind.

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die theoretischen Grundlagen, konzeptionellen Dimensionen und praktischen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit als ermächtigende Instanz dienen Studierende als Richtschnur für professionelle Zielvorstellungen einer kritisch-emanzipatorischen Praxis und Wissenschaft. Sie erkennen die Bedeutung einer ermächtigenden Perspektive auf Teilhabe als zentrale Grundlage von Professionalität in der Sozialen Arbeit. Studierende festigen auf diesem Weg ihr disziplinäres Selbstverständnis davon, einerseits die Auseinandersetzung der Menschen (im Stadtteil oder der Gemeinde) über ihre Bedürfnisse, Interessen, Ziele und Vorstellungen vom guten (Zusammen-) Leben zu initiieren, und andererseits Chancen zu eröffnen, unter denen neue Erfahrungen gemacht werden können, Erprobungen von gemeinsamem Handeln erfolgen, Neues gelernt werden kann. Das wissenschaftliche Selbstverständnis und ein solches von Professionalität schließen im Ergebnis die Bedeutung von Selbstbestimmtheit, sozialem Engagement, Anerkennung und von demokratischer Partizipation im Horizont der Sozialen Arbeit begründet ein.

Literatur

Böhnisch, L. (2023): Milieu und Milieubildung. Weinheim und Basel: Beltz Juventa Verlag

Calhoun, C./Taylor, C. (2024): Was tun? In: Calhoun, C./Gaonkor, D. P./Taylor, C.: Zerfalls-erscheinungen der Demokratie. Frankfurt/M., S. 403-412

Meier, T. (2023): Das Organizing-Dreieck. In: Meyer, T./Penta, L./Richter, M. (Hrsg.): Community Organizing. Eine Einführung. Weinheim und Basel, S. 223-229

Rosa, H. (2019): Demokratie und Gemeinwohl: Versuch einer resonanztheoretischen Neube-stimmung. In: Ketterer, C./Becker, K. (Hrsg.): Was stimmt nicht mit der Demokratie? Frankfurt/M., S. 160-188

Tattersall, A. (2023): Organizing und „People Power“ in der Stadt. In: Meyer/Penta/Richter (Hrsg.): Community Organizing. Eine Einführung. Weinheim und Basel, S. 120-129

Taylor, C. (2024): Zerfallserscheinungen der Demokratie. In: Calhoun, C./Gaonkor, D. P./Taylor, C.: Zerfallserscheinungen der Demokratie. Frankfurt/M., S. 36-77

Wendt, P. (2024): Soziale Arbeit im Gemeinwesen. Weinheim und Basel: Beltz Juventa Verlag

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten
    • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten M.A. (01.09.2026)

    Modulpromotor*in
    • Ley, Thomas
    Lehrende
    • Ley, Thomas