Adressat*innenperspektive und -orientierung in der Sozialen Arbeit

Fakultät

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)

Version

Version 1 vom 13.11.2025.

Modulkennung

22M1170

Niveaustufe

Master

Unterrichtssprache

Deutsch

ECTS-Leistungspunkte und Benotung

5.0

Häufigkeit des Angebots des Moduls

nur Wintersemester

Dauer des Moduls

1 Semester

 

 

Kurzbeschreibung

Für eine teilhabeorientierte (Um-)Gestaltung der Gesellschaft ist das Wissen um und das Anknüpfen an die Perspektive der Adressat*innen unerlässlich und gleichzeitig eine besondere Herausforderung. In diesem Modul werden Möglichkeiten aufgezeigt, Bedürfnisse, Perspektiven und Lebenswelten verschiedener Zielgruppen in der Sozialen Arbeit zu erfassen, in ihren Besonderheiten zu verstehen sowie ihre Stimme in organisationalen und gesellschaftlichen (Transformations-)Prozessen systematisch und strukturell zu verankern - etwa in Form von Partizipationsmöglichkeiten in Organisationen oder der Kommune. Darüber hinaus werden auch Adressierungen (u.a. durch die Soziale Arbeit selbst) und diesbezügliche Veränderungen zum Gegenstand der Auseinandersetzung gemacht, etwa mit Blick auf den Machtüberhang der Fachkräfte und Empowerment, dem „Ressourcen-Stigmatisierungs-Dilemma“ sowie dem grundlegend relationalen Charakter von Adressierungsweisen. 

Lehr-Lerninhalte

  • Theoretische Ansätze zur Bestimmung der Adressat:innenfigur, relationales Adressierungsverständnis, strukturelle Bedingungen der Adressierung, Zuschreibungen (Labeling, Stigmatisierung und „moral work“)
  • Analytische und evaluative Ansätze zur Bestimmung der Adressat:innenperspektive in Arbeitsfeldern Sozialer Arbeit und gesellschaftlichen Transformationsprozessen (lebensweltliche, biografische, partizipationstheoretische, diskriminierungskritische Ansätze) 
  • Analyse ausgewählter Zielgruppen Sozialer Arbeit hinsichtlich Lebenslagen und Lebenswelten (z.B. Kinder, Alleinerziehende, Eltern mit Behinderung etc.) 
  • Handlungspraktische und strukturelle Ansätze zur Berücksichtigung und Stärkung der Adressat*innenperspektive in Arbeitsfeldern Sozialer Arbeit, Gestaltung von Partizipationsmöglichkeiten auf organisationaler und kommunaler Ebene sowie im Rahmen politischer Partizipation und gesellschaftlichen Transformationsprozessen  
  • Analyse von Nutzungsdisparitäten und Ursachen der Nichtnutzung/Nichtinanspruchnahme von infrakstrukturellen und personenbezogenen sozialen Dienstleistungen

Gesamtarbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").

Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
45VorlesungPräsenz-
Dozentenungebundenes Lernen
Std. WorkloadLehrtypMediale UmsetzungKonkretisierung
40Veranstaltungsvor- und -nachbereitung-
35Literaturstudium-
30Erstellung von Prüfungsleistungen-
Benotete Prüfungsleistung
  • Hausarbeit oder
  • Referat (mit schriftlicher Ausarbeitung) oder
  • Portfolio-Prüfungsleistung
Bemerkung zur Prüfungsart

Es wird eine der drei Prüfungsformen in den ersten Wochen des Semesters ausgewählt und bekannt gegeben.

Die Portfolioprüfung umfasst insgesamt 100 Punkte und setzt sich aus einer einstündigen Klausur (K1) und einem Referat (R) zusammen. Die K1 wird mit 70 Punkten und das Referat wird mit 30 Punkten gewichtet.

Es wird einen Prüfer in allen Prüfungsformen geben.

Prüfungsdauer und Prüfungsumfang

  • Referat: 20 Minuten; dazugehörige Ausarbeitung: 5 Seiten
  •  Portfolio-Prüfung:
    • Klausur: 1 Stunde, siehe jeweils gültige Studienordnung
    • Referat: ca. 15 Minuten mit einer Schriftlichen Ausarbeitung von ca. 3 Seiten
  • Hausarbeit: ca. 15 Seiten
  • Die Anforderungen werden in der jeweiligen Veranstaltung konkretisiert.

Empfohlene Vorkenntnisse

keine

Wissensverbreiterung

Die Studierenden kennen verschiedene theoretische Ansätze zur Bestimmung der Adressat:innenfigur und können diese in einen breiteren sozialwissenschaftlichen Kontext einordnen. Sie kennen zudem Ansätze zur Erfassung und Stärkung der Adressat:innenperspektiven und können ausgewählte Zielgruppen Sozialer Arbeit hinsichtlich ihrer Lebenslagen und Lebenswelten differenziert beschreiben. 

Wissensvertiefung

Die Studierenden können strukturelle Bedingungen und Mechanismen von Adressierungsprozessen in der Sozialen Arbeit vertieft analysieren und die Komplexität verschiedener Lebenslagen und Lebenswelten spezifischer Zielgruppen in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang detailliert erfassen.

Wissensverständnis

Die Studierenden sind dazu in der Lage, den Konstruktionscharakter des Adressat:innenbegriffs mit Blick auf spezifische Angebote sowie die eigene berufliche Rollen kritisch zu reflektieren. Unterschiedliche organisationale und gesellschaftliche Strukturen können hinsichtlich ihrer ambivalenten Gleichzeitigkeit von Teilhabeermöglichung und -beschränkung mit Blick auf spezifische Akteursgruppen theoretisch fundiert evaluiert werden. 

Nutzung und Transfer

Die Studierenden kennen Methoden zur systematischen Erfassung der Adressat:innenperspektive und können diese arbeitsfeldbezogen und situationsangemessen auswählen und anwenden. Darüber hinaus sind sie in der Lage, Konzepte zu erarbeiten, um die Berücksichtigung der Adressat:innen, ihrer Interessen und Wünsche strukturell in organisationalen und gesellschaftlichen Prozessen zu verankern und somit auf eine Verbesserung ihrer Teilhabechancen hinzuarbeiten. 

Kommunikation und Kooperation

Die Studierenden können die Perspektiven verschiedener Adressat:innengruppen vermitteln und Partizipationsprozesse heterogenitätssensibel initiieren, moderieren und gestalten. 

Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Die Studierenden sind dazu in der Lage, ihre eigene professionelle Rolle in Adressierungsprozessen machtkritisch zu reflektieren und hinsichtlich ethischer Implikationen insbesondere auch mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Sozialen Arbeit in Bezug auf Teilhabe und Partizipation zu evaluieren. 

Literatur

  • Bitzan, Maria/Bolay, Eberhard (2016): Soziale Arbeit: Die Adressatinnen und Adressaten. UTB
  • Graßhoff, Gunther (Hrsg.) (2013): Adressaten, Nutzer, Agency. Akteursbezogene Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit. Wiesbaden: Springer VS.
  • Graßhoff, Gunther (2015) Adressatinnen und Adressaten der Sozialen Arbeit. Wiesbaden: Springer VS. 
  • Homfeldt, Hans Günther/Schröer, Wolfgang/Schweppe, Cornelia (2008): Vom Adressaten zum Akteur.
    Soziale Arbeit und Agency. Opladen: Barbara Budrich
  • Oelerich, Gertrud/Schaarschuch, Andreas (Hrsg.) (2005): Soziale Dienstleistungen aus Nutzersicht. Zum
    Gebrauchswert Sozialer Arbeit. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag
  • Rießen, Anne van/Bleck, Christian (Hrsg) (2023): Handlungsfelder und Adressierungen der Sozialen Arbeit. Stuttgart: Kohlhammer
  • Wagner, Leonie (2018): Vom Klienten zur Nutzer_in. In: Böllert, K. (Hrsg.): Kompendium Kinder- und Jugendhilfe. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 337–363.

Verwendbarkeit nach Studiengängen

  • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten
    • Soziale Arbeit: Teilhabe zukunftsorientiert gestalten M.A. (01.09.2026)

    Modulpromotor*in
    • Ley, Thomas
    Lehrende
    • Ley, Thomas
    • Mohr, Simon