Robotersysteme
- Fakultät
Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik (IuI)
- Version
Version 1 vom 23.03.2026.
- Modulkennung
11M2007
- Niveaustufe
Master
- Unterrichtssprache
Deutsch
- ECTS-Leistungspunkte und Benotung
5.0
- Häufigkeit des Angebots des Moduls
nur Wintersemester
- Dauer des Moduls
1 Semester
- Kurzbeschreibung
Industrielle Produktionsautomatisierung ist heute ohne den Einsatz moderner Robotersysteme nicht mehr denkbar. Die Realisierung entsprechender Automatisierungskonzepte erfordert hierbei tiefgreifende Kenntnisse zur Robotik und ein entsprechendes Systemverständnis. In der Lehrveranstaltung werden hierzu die theoretischen Grundlagen der Robotik in Bezug auf Kinematik, Steuerung und Regelung gepaart und synchronisiert mit anwendungsbezogenem Wissen zur Programmierung, Simulation und Automatisierungsintegration vermittelt. In dieser Kombination werden Studierende befähigt, sowohl applikationsspezifische Robotikkinematiken selber zu entwickeln, als auch industrielle Automatisierungsaufgaben effizient auf Basis marktgängiger Robotersysteme und weiterer Komponenten zu realisieren.
Exkursionen werden bedarfsorientiert und begleitend zu der Lehrveranstaltung durchgeführt.
- Lehr-Lerninhalte
1. Grundlagen -> Historische Entwicklung, Zahlen zum Industrierobotereinsatz, Orientierungsbeschreibungen, Homogene Transformation
2. Roboterkinematikmodellierung -> Kinematische Ketten, Denavit-Hartenberg-Parameter, Vorwärts-/Rückwärtstransformation, Universaltransformation (Jakobi-Matrix), Singularitäten
3. Aufstellen der Bewegungsgleichungen -> Newton-Euler, Lagrange
4. Regelung von Industrierobotern -> Linearisierung von Bewegungsgleichungssystemen, kaskadierter Regler
5. Parallele Kinematiken -> Delta-Roboter, Hexapod, CoreXY3
6. Bewegungssteuerung -> Bewegungsarten, Überschleifen, interpolierte Bewegungen, Bahnplanung
7. Roboterprogrammierung und -simulation -> Realistic Robot Simulation (RRS), Planung kollisionsfreier Bewegungsbahnen (Konfigurationsraum), Kalibrierung von Simulationsmodellen
8. Industrielle Anwendungen -> Verkettung von Roboterzellen, Mensch-Roboter-Kollaboration, Integration ins Steuerungsarchitekturen (z.B. mxAutomation)
Praktikum -> Fertigung und Montage von Bauteilen, Verkettung von Roboterstationen, Anwendung von Process Simulate zur Trajektorien- und Programmerzeugung, Offline-Programmierung und Übertragung auf Laborroboter, Entwurf kaskadierte Regelung, Anwendung von Delta-Robotern
- Gesamtarbeitsaufwand
Der Arbeitsaufwand für das Modul umfasst insgesamt 150 Stunden (siehe auch "ECTS-Leistungspunkte und Benotung").
- Lehr- und Lernformen
Dozentengebundenes Lernen Std. Workload Lehrtyp Mediale Umsetzung Konkretisierung 30 Vorlesung Präsenz - 15 Labor-Aktivität - Dozentenungebundenes Lernen Std. Workload Lehrtyp Mediale Umsetzung Konkretisierung 30 Veranstaltungsvor- und -nachbereitung - 45 Prüfungsvorbereitung - 30 Arbeit in Kleingruppen -
- Benotete Prüfungsleistung
- Portfolio-Prüfungsleistung oder
- Klausur
- Unbenotete Prüfungsleistung
- experimentelle Arbeit
- Bemerkung zur Prüfungsart
Die benotete Prüfungsleistung wird vom Dozierenden festgelegt: Klausur oder Portfolio-Prüfungsleistung.
Die Portfolio-Prüfungsleistung besteht aus vier Elementen, welche die vermittelten methodischen und rechnerischen Fähigkeiten fokussieren. Sie setzt sich aus 2 semesterbegleitenden mündlichen Projektberichten (PMU) und 2 schriftlichen Projektberichten (PSC) zusammen. Die Gesamtpunktzahl beträgt 100 Punkte, wovon in jedem Projektbericht maximal 25 Punkte erreicht werden können.
- Prüfungsdauer und Prüfungsumfang
Für die im Modul zulässigen benoteten Prüfungsarten gelten jeweils die folgenden Angaben zur Dauer bzw. zum Umfang:
Klausur: siehe jeweils gültige Studienordnung
Mündlicher Projektbericht (als Bestandteil einer Portfolio-Prüfung): 15 - 20 Minuten
Schriftlicher Projektbericht (als Bestandteil einer Portfolio-Prüfung): 10 - 12 SeitenIm Rahmen der unbenoteten Prüfungsleistung werden 4 bis 6 Versuchsaufgaben bearbeitet.
- Empfohlene Vorkenntnisse
Höhere Mathematik, Elektrische Antriebe, Leistungselektronik
- Wissensverbreiterung
Nach Abschluss des Moduls unterscheiden Studierende die gängigen Roboterkinematiken und ordnen deren Möglichkeiten zu einem industriellen Einsatz ein. Sie benennen die in der Robotik gebräuchlichen Orientierungsbeschreibungen und veranschaulichen kinematische Ketten und Bewegungsarten bei Industrierobotern. Ebenso erklären Studierende die Funktionsweise der in Industrierobotern eingesetzten Regler und beschreiben die für eine Regelung notwendigen Bewegungsgleichungen.
- Wissensvertiefung
Studierende verdeutlichen nach Abschluss des Moduls die Verwendung von Denavit-Hartenberg-Parametern für die Beschreibung des kinematischen Aufbaus von Industrierobotern. Sie erörtern die Aufstellung der Bewegungsgleichungen unter Verwendung des Lagrange-Formalismus und Newton-Euler-Verfahrens und stellen diese Möglichkeiten gegenüber. Weiterhin begründen die Studierenden den Einsatz möglicher Simulationsmethoden und -werkzeuge bei industriellen Applikationen und vergleichen hierbei erreichbare Genauigkeiten.
- Nutzung und Transfer
Studierende implementieren nach Abschluss des Moduls eigenständig Simulationsmodelle für die Programmierung und Visualisierung von Roboterbewegungen unter Verwendung typischer Simulationssoftware. Sie entscheiden über den Einsatz geeigneter Roboterkinematiken in industriellen Applikationen, entwickeln roboter-gestützte Automationskonzepte und realisieren entsprechende Automatisierungsprojekte im betrieblichen Umfeld. Die Studierenden werten Daten existierender Roboteranlagen und Robotersysteme aus und optimieren deren Effizienz und Betriebsweisen unter Verwendung der erlernten Technologien und Arbeitsmethoden.
- Wissenschaftliche Innovation
Nach Abschluss des Moduls bewerten Studierende den Einsatz bestehender Robotertechnologien für ein konkretes Einsatzszenario und arbeiten hierfür notwendige neue Forschungsaspekte heraus. Dabei haben sie einen systemischen Gesamtblick auf die Kinematik, Steuerung, Regelung, Modellierung und mögliche Realisierung im unternehmerischen Kontext. Auf Basis wissenschaftlicher Fachliteratur erkennen die Studierenden Lücken zwischen dem Stand der Technik und ihrer konkreten Lösungsidee bei der Entwicklung einer roboter-gestützen Anlagen- und Systemarchitektur und extrahieren hieraus konkrete Forschungsfragen.
- Literatur
Weber, Wolfgang: Industrieroboter – Methoden der Steuerung und Regelung, 5. Aufl., Hanser München, 2022
Maier, Helmut: Grundlagen der Robotik, 3. Aufl., VDE Verlag Berlin, 2022
Pott, Andreas; Dietz, Thomas: Industrielle Robotersysteme, Springer Vieweg Wiesbaden, 2019
Buxbaum, Hans-Jürgen: Mensch-Roboter-Kollaboration, Springer Gabler Wiesbaden, 2020
Wagner, Maximilian: Automatische Bahnplanung für die Aufteilung von Prozessbewegungen in synchrone Werkstück- und Werkzeugbewegungen mittels Multi-Roboter-Systemen, FAU University Press, Erlangen, 2020
Siciliano, Bruno; Khatib, Oussama: Springer handbook of robotics, Springer Berlin, 2016
Craig, John J.: Introduction to robotics – Global Edition, Pearson Prentice Hall, 2020
Georg Stark: Robotik mit MATLAB, 2. Aufl., Hanser München, 2022
Heimann, Bodo et al: Mechatronik: Komponenten - Methoden - Beispiele, 3. Auflage, Hanser Leipzig, 2007
- Verwendbarkeit nach Studiengängen
- Mechatronic Systems Engineering
- Mechatronic Systems Engineering M.Sc. (01.09.2025)
- Elektrotechnik (Master)
- Elektrotechnik M.Sc. (01.09.2025)
- Modulpromotor*in
- Rokossa, Dirk
- Lehrende
- Rokossa, Dirk
- Niemeyer, Philip