Nach KickStart geht es erst richtig los
10. März 2026
Wie aus ersten Ideen Startups mit echter Wirkung entstehen und Anschlussförderungen dabei unterstützen können
Mit bis zu 7.500 Euro Förderung und jeweils sechs Monaten Zeit begleitet RISE, das StartUp!Lab der Hochschule Osnabrück, mit Hilfe der KickStart Prototypenförderung Teams in einer der sensibelsten Phasen der Gründung: der frühen Ideenentwicklung und -validierung. Es ist die Phase, in der aus einer vagen Idee ein konkretes Konzept wird. In der getestet, verworfen, geschärft und neu gedacht wird.
Der dritte Batch endet im März und die neuen Teams des Batch #4 stehen schon in den Startlöchern. Zwischen vier und zehn Teams pro Halbjahr haben ihre Ideen erprobt, Prototypen entwickelt und erste Marktannahmen überprüft.
Doch was passiert, wenn diese sechs Monate enden?
Die Antwort ist vielfältig. Und sie zeigt, dass KickStart und die Unterstützung vom RISE nicht das Ziel ist, sondern der Ausgangspunkt.
Der Weg in die Bundesförderung (EXIST)
Ein besonders großer Schritt ist der Übergang ins bundesweite Förderprogramm: Das EXIST-Gründungsstipendium.
Diesen Weg ist das Team Mardu gegangen. Hinter Mardu stehen Luca Schöneberg und Eric Frey. Das Team entwickelte im Rahmen der KickStart Förderung ein digitales Zutrittskontrollsystem für Baustellen, das analoge Schlüssel durch eine flexible, vernetzte Lösung ersetzt. Mithilfe der IP500 Funktechnologie wird eine sichere und effiziente Zugangskontrolle ermöglicht, organisatorische Hürden werden reduziert und Sicherheitsrisiken minimiert.
Das Geschäftsmodell sieht vor, die Hardware mit einer kostenlosen Grundversion der Software zu verkaufen und ergänzend Installations- und Wartungsservice anzubieten. Der Prototyp ist nahezu fertiggestellt.
Nach der KickStart Phase erhielt Mardu das EXIST-Gründerstipendium und wird so weiter von der Hochschule unterstützt und begleitet. Damit entwickelt das Team seine Lösung nun auf Bundesebene weiter und schafft die Grundlage für eine mögliche Gründung.
Der Weg in die Niedersächsische Landesförderung (NBank)
Mehrere Teams haben nach KickStart erfolgreich Fördermittel auf Landesebene eingeworben, wie das NBank Gründungsstipendium.
Rawry erhielt beispielsweise eine Förderung der NBank. Hinter Rawry stehen RAW Cakes im Glas, eine gesunde Alternative zu klassischen Dessert und Snackprodukten aus dem Kühlregal. Vegan, glutenfrei und ohne raffinierten Zucker hergestellt, möchten sie das Bewusstsein für gesunde Lebensmittel und einen nachhaltigen Lebensstil stärken. Während der KickStart-Förderung wurde die Produktentwicklung der einzelnen Sorten fortgeführt. Außerdem spielte die Vernetzung mit dem Ökosystem eine wichtige Rolle und zeigte, dass die Etablierung auf dem Markt und die Suche nach Kooperationspartnern der nächste Schritt sein sollte.
Nach KickStart schloss sich Gründerin Lena Kuschel mit Sina Schmidt zusammen, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit das Corporate Design entwickelte. Rawry erhielt das NBank Gründungsstipendium und ist mittlerweile im stationären Handel angekommen. Die RAW Cakes sind in den ersten Einzelhandelsladen in Osnabrück erhältlich. Damit ist aus einer ersten Idee ein konkretes Produkt mit realer Marktplatzierung geworden.
Auch das ehemalige KickStart Team Päddl erhielt das NBank Stipendium. Die Idee ist ein smartes Navigationssystem für Fahrräder, bestehend aus Tacho und App. Ziel ist es, Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer in Echtzeit vor Gefahrenstellen zu warnen und gleichzeitig eine optimierte Routenplanung für den urbanen Raum zu ermöglichen. Während der KickStart-Förderung hat das Team einen smarten Tachoprototypen entwickelt, der nicht nur navigiert, sondern auch vor Gefahrenstellen warnen soll. Während der NBank Förderung soll dieser weiterentwickelt werden.
Ebenfalls erfolgreich war das Team rund um Tabea Notemann, das mit seiner Idee Mixmymeal, einem ehemaligen KickStart Projekt, das NBank Gründungsstipendium erhalten hat. Das Team entwickelt individualisierbare Tiefkühlgerichte, die eine flexible und gleichzeitig gesunde Ernährung im Alltag ermöglichen sollen. Nutzerinnen und Nutzer können ihre Mahlzeiten individuell zusammenstellen und so Ernährung, Geschmack und persönliche Bedürfnisse besser miteinander verbinden. Für ihre Idee wurde das Team zudem bei der Prototypenparty ausgezeichnet.
Sowohl das Team Päddl, als auch Mixmymeal nahmen parallel am Incubation Format des SmartCityHouse teil.
Ebenso erfolgreich ist TrainBack von Henry Sievers. Seine App bietet einen einfachen Zugang zu Rehabilitationsprogrammen durch Digitalisierung. Nach ersten Berührungspunkten mit und der Nutzung der RISE-Ressourcen wurde er in den OHA Batch aufgenommen (Osnabrück Healthcare Accelerator) und erhielt ebenfalls eine Förderung der NBank.
Der Weg über weitere Förderprogramme und Innovationsprojekte
Nicht alle Anschlusswege verlaufen über klassische Gründungsstipendien. Einige Teams entwickeln ihre Ideen auch über Innovationsprogramme oder Forschungsprojekte weiter.
So wurde der KickStarter aus Batch #3, Christoph Köhler mit seiner Idee FlexWert in den GO! Accelerator in Oldenburg aufgenommen und erhält dort eine Förderung. Bis Mitte des Jahres 2026 arbeitet er im Rahmen des Programms an der Weiterentwicklung seines Vorhabens. FlexWert verfolgt das Ziel, landwirtschaftliche Betriebe stärker mit dem Energiemarkt zu verbinden. Durch intelligente Steuerung und Nutzung vorhandener Ressourcen sollen Energiekosten gesenkt und gleichzeitig zusätzliche Einnahmequellen für landwirtschaftliche Betriebe erschlossen werden.
Auch Michel Finke, ebenfalls aus Batch #3 treibt seine Idee HempFill weiter voran. Sein Antrag für ein EIP-Projekt, eine Europäische Innovationspartnerschaft, wurde bewilligt. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Gründungsstipendium, sondern um ein dreijähriges Innovations- und Forschungsprojekt. Inhaltlich knüpft es an die Themen an, die Michel bereits im Rahmen der KickStart Förderung bearbeitet hat.
In einer sogenannten operationellen Gruppe arbeiten mehrere Partner zusammen, darunter die Hochschule Osnabrück, das ATB Potsdam, die TU Darmstadt mit der Abteilung PMV, Kämmerer Spezialpapiere, Revoltech sowie verschiedene landwirtschaftliche Betriebe. Das Projekt wird mit rund 500.000 Euro gefördert, wobei ein Großteil der Mittel in Personalressourcen für Forschung und Entwicklung fließt. Michel Finke übernimmt die Projektleitung und wird die gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage für seine Gründungsidee HempFill nutzen. Diese Gründungsidee wird unabhängig von dem Forschungsprojekt aufgebaut.
Der Weg in die eigene Gründung
Ein besonderer Meilenstein ist die tatsächliche Unternehmensgründung.
Im KickStart Batch #2 nahm Max Herrmann-Többenotke mit seinem Projekt teil. Seine Vision war ein Solardach für elektrobetriebene Camper, um autarke Mobilität zu ermöglichen, unabhängig von Ladesäulen und externen Energiequellen. Er baute einen alten VW Bulli selbstständig auf Elektro um und ergänzte diesen mit dem Solardach.
Nach einer Kroatien Tour mit seinem Fahrzeug und der Veröffentlichung seines ersten Reels über den Instagram Account der Hochschule Osnabrück folgte mediale Aufmerksamkeit mit Interviews bei Fernseh- und Radiosendern.
Inzwischen hat Max zudem die EmsVolt GmbH gegründet. Mit seinem Unternehmen entwickelt und vertreibt er unter anderem Umbausätze für Autos, mit denen bestehende Fahrzeuge auf elektrische Antriebe umgerüstet werden können.
Der Weg über Markt und Community
Nicht jeder Fortschritt zeigt sich über Förderprogramme. Manche Entwicklungen passieren direkt im Markt.
Gedankendisco von der KickStarterin Mariela Eixler ist ein Gesprächsspiel, das tiefgründige Gespräche im Alltag anregt und Menschen spielerisch miteinander verbindet. Ziel ist es, gesellschaftlichen Herausforderungen wie Einsamkeit entgegenzuwirken und echten Austausch zu fördern. Während der Förderung wurde das Spiel weiterentwickelt und zur Marktreife gebracht. Zudem wurde Gedankendisco erfolgreich als Marke angemeldet.
Auch nach KickStart wächst das Projekt kontinuierlich über Social Media und offline. Der erste Verkauf im Einzelhandel ist erfolgreich gestartet. Der Onlineshop Launch war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft und es fanden bereits erste Offlineevents statt.
Auch das ehemalige KickStart Projekt MushOS, mittlerweile zu Fungtastic umbenannt, entwickelt sich weiter über praktische Anwendungen und erste Marktaktivitäten. Nach der Förderung arbeitete das Team daran, die Bedingungen für ihre Pilzkulturen weiter zu optimieren und die Produktionsprozesse zu verfeinern. Inzwischen konnten bereits erste lokale Märkte beliefert werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Produkt und Nachfrage im realen Umfeld zu testen.
Viele Wege aus einem gemeinsamen Ausgangspunkt
Die bisherigen KickStart Durchläufe zeigen vor allem eines: Gründung verläuft nicht linear. Es gibt nicht den einen richtigen Anschlussweg und nicht das eine Ziel, das alle erreichen müssen. Stattdessen entstehen unterschiedliche Dynamiken aus demselben Umfeld heraus.
Auch KickStart Teams, die keinen der oben genannten Wege eingeschlagen haben, arbeiten weiterhin engagiert an ihren Projekten und werden ihren eigenen passenden Weg finden. In manchen Fällen kann auch die Erkenntnis, dass eine Idee doch nicht so vielversprechend ist wie zunächst gedacht, ein wertvolles Zwischenergebnis sein.
Manche Teams gehen den strukturierten Weg über Bundesförderprogramme wie das EXIST-Gründungsstipendium. Andere sichern sich Landesmittel über die NBank und entwickeln ihr Geschäftsmodell weiter. Einige wagen früh den Schritt in die formale Gründung und bauen ein eigenes Unternehmen auf. Wieder andere etablieren sich zunächst über Marktpräsenz, erste Verkaufsstellen, Communityaufbau oder mediale Aufmerksamkeit.
Was dabei deutlich wird: Das RISE ist kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt. Die Programme und Formate sind Impulse innerhalb eines größeren Gründungsökosystems. Entscheidend ist nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern auch Struktur, Feedback, Netzwerk und die Ermutigung, aus einer Idee ein konkretes Vorhaben zu machen.
Darin liegt die eigentliche Wirkung. RISE schafft einen Raum, in dem aus Gedankenspielen unternehmerische Schritte werden. Wie sich diese weiterentwickeln, ist so vielfältig wie die Menschen hinter den Ideen.
Weitere Informationen & Kontakt
Weitere Informationen zu unseren Events, den Fördermöglichkeiten und zum RISE sind auf unserer Website zu finden: www.letsri.se
Bei Rückfragen oder Interesse an der KickStart Prototypenförderung kann sich gerne bei Jana von Höne (j.von-hoene@hs-osnabrueck.de) gemeldet werden.