Klagemauer, Grenzwall und ein Trauma-Studiengang Dienstag, 12. März 2013
Studierende der Hochschule Osnabrück zu Besuch bei Universitäten in Israel und Palästina
In Bethlehem mit palästinensischen Studierenden über ihr Leben in der Westbank zu diskutieren und in Tel Aviv einen Trauma-Studiengang kennenlernen – diese Chance haben 24 Studierende der Hochschule Osnabrück ergriffen. Im Rahmen der Blockwoche sind sie im November mit Prof. Dr. Joachim Thönnessen, Professor für Wirtschafts- und Sozialforschung, und Dipl.-Päd. Reinhard Lange, Lehrkraft für Soziale Arbeit und Elementarpädagogik, nach Israel und Palästina gereist. Bei einem Nachtreffens haben sie nun ihre Erfahrungen ausgetauscht und das beste Foto der Reise gekürt.
„Ich wollte besonders die politische Situation in Bethlehem kennenlernen“, erklärte Student Fabian Sommer und fährt fort: „Besonders betroffen hat mich die Gedenktafel in der Universität Bethlehem gemacht, die an erschossene Studierende erinnert.“ Die palästinensischen Studierenden haben den Osnabrückern außerdem erzählt, dass sie bei der täglichen Grenzüberquerung auf dem Weg zur Uni oftmals eine Stunde warten müssten. „Der Grenzwall, der Jerusalem und Bethlehem trennt, hat mich an die Berliner Mauer erinnert. Es ist sehr beklemmend zu sehen, dass es so etwas in unserer heutigen Welt noch gibt“, sagte Jonas Pabst, der wie Sommer Soziale Arbeit studiert.
Organisator Lange ist besonders der Kontrast zwischen Jerusalem und Bethlehem in Erinnerung geblieben. „In Israel ist die Infrastruktur perfekt ausgebaut. In den palästinensischen Autonomiegebieten sind die Lebensbedingungen hingegen viel schlechter. Beim Gang von Jerusalem nach Bethlehem hatte ich den Eindruck in ein Entwicklungsland zu kommen.“
Wie Thönnessen und Lange auf die Idee gekommen sind, eine Exkursion nach Israel anzubieten? „Die Blockwoche soll den Studierenden einen Blick über den Tellerrand hinaus ermöglichen. Außerdem sind wir im Internet auf den Masterstudiengang ‚Krisen- und Traumaintervention‘ der Tel Aviv University aufmerksam geworden, der junge Menschen zu Traumatherapeuten ausbildet. Den wollten wir uns genauer anschauen, da wir zurzeit auch einen Masterstudiengang entwickeln“, so der Professor für Wirtschafts- und Sozialforschung. Sicherlich liege es in einem Land wie Israel auf der Hand Menschen zu Trauma-Experten auszubilden. Eine Adaption des Master-Studiengangs „Krisen- und Traumaintervention“ sei in Deutschland allerdings undenkbar. „Die Soziale Arbeit hat in Israel eine ganz andere Ausrichtung. Sie ist sehr stark auf das Individuum ausgerichtet. Wir hingegen arbeiten auch mit Gruppen und versuchen, Strukturen zu verändern"“, erklärte Thönnessen. Außerdem dürfen deutsche Hochschulen auch rein rechtlich keine Therapeuten ausbilden. „In Israel dürften Absolventen der Sozialen Arbeit bereits nach ihrem Bachelorabschluss therapeutisch arbeiten. In Deutschland ist dafür eine dreijährige Zusatzausbildung nötig.“
Neben dem Leben der Studierenden haben die Gäste auch viel über die Geschichte Israels gelernt. Studentin Sarah Thomas war besonders von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem beeindruckt. „Dort wurden Videos von Augenzeugen gezeigt, sodass man sich sehr gut in ihre schreckliche Lage hineinfühlen konnte.“ Natürlich gehörten auch einige touristische Highlights zur Reise. Die Osnabrücker haben im Toten Meer gebadet und Wunschzettel in die Klagemauer in Jerusalem gesteckt. Studentin Lucia Eberhard hat einen Moment an der Klagemauer mit ihrer Kamera festgehalten – und damit den Sieg bei dem internen Fotowettbewerb eingefahren.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Thönnessen
Professor für Wirtschafts- und Sozialforschung
Telefon: 0541 969-3788
E-Mail: j.thoennessen@hs-osnabrueck.de
Von: Julia Ludger M.A.