Das kostenlose Coaching für Tutorinnen und Tutoren ist ein Gewinn – auch über die Arbeit an der Hochschule hinaus Dienstag, 5. März 2013

Auf dem Bild sieht man einen Mann mit Sietenscheitel und Brille.
Coach Michael Tiaden unterstützt Tutorinnen und Tutoren dabei, ihre Lehrpersönlichkeit noch weiter zu entwickeln.

Über den Wert der lehrenden Studentinnen und Studenten und ihre Erfahrungen aus dem noch jungen Coaching-Angebot

Zum Beispiel im Mathe-Tutorium: Der Tutor bemüht sich, den Studienanfängerinnen und -anfängern den Lösungsweg für eine komplizierte Aufgabe zu erläutern. Eine Kursteilnehmerin lässt sich aber partout nicht überzeugen. Sie beharrt stur auf ihrem Lösungsansatz. Und nun? „Ein schönes Fallbeispiel aus einem Coaching-Seminar für Tutorinnen und Tutoren“, sagt Michael Tiaden, der diese noch jungen Kurse an der Hochschule Osnabrück gemeinsam mit seinem Kollegen Thorsten Landowsky von der „beratungs-werkstatt“ leitet. „Da bringt einen also diese Studienanfängerin auf die Palme, und die einzige Strategie, die viele kennen, ist ihr zu zeigen, dass sie einen auf die Palme bringt.“


Es sind solche Probleme, an deren Lösungen Tiaden mit den teilnehmenden Tutorinnen und Tutoren seit dem Sommersemester 2012 arbeitet. Viermal im Semester treffen sich die Kleingruppen für drei Stunden. Das Coaching ist für die Studentinnen und Studenten kostenfrei. Und enorm gewinnbringend.


Der Tutor Andre Jungedeitering drückt es so aus: „Ich habe mich schon gefragt, wie ich einen Kursteilnehmer so kritisieren kann, dass er die Kritik nicht als persönlich empfindet, sondern als sachlich-konstruktiv und sie dann auch annimmt.“ Eben das wurde in dem Coaching vermittelt. „Für mich war das ein echter Knackpunkt“, sagt der Maschinenbau-Student, der auch betont, dass er von dem Coaching nicht nur in seiner Rolle als Tutor profitiert. „Ich habe bei diesen Treffen eine Menge über mich selbst gelernt und auch über meinen generellen Umgang mit anderen Menschen.“


Christina Macke, die in Lingen Kommunikationsmanagement studiert, teilt diesen Eindruck: „Unter dem Dach des Tutoren-Coachings geht es allgemein um die Entwicklung der Persönlichkeit. Zum Beispiel haben wir auch reflektiert, welche Stimmen in uns eigentlich gehört werden wollen, wenn es gilt, wichtige Entscheidungen zu treffen.“


Der Coach Tiaden greift das auf: „Natürlich wollen wir die Studentinnen und Studenten in ihrer gesamten Persönlichkeit fördern. Sie sollen sich ihre Stärken bewusst machen, damit sie sie auch in der Lehre umsetzen können. Somit unterstützen wir wiederum die Lehrpersönlichkeit.“


Dass die Tutorinnen und Tutoren in der Lehre für die Hochschule eine wichtige Funktion haben, streicht Prof. Dr. Alexander Schmehmann, designierter Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik, heraus: „Ich spreche jetzt mal für die Fakultät IuI. Es gibt einige Studiengänge, in denen die Erfolgsquoten in den ersten Semestern nicht allzu groß sind. Natürlich möchten wir das verbessern.“  Studierende, die andere Studierende unterstützen, können da ein Schlüssel sein. „Deshalb ist es einfach wichtig, dass die Tutorinnen und Tutoren sich in den Kursen sicher fühlen und kompetent sind. Die Lehrqualifikation muss stimmen.“ 


Auch Tiaden betont noch einmal die Rolle der Tutorinnen und Tutoren: „Ihr Wert ist für die Hochschule groß. Denn sie können sich sehr gut in die Lage der Studienanfängerinnen und -anfänger hineinversetzen. Außerdem haben sie eine enorme Multiplikator-Funktion, wenn es etwa darum geht, Prüfungsängste abzubauen oder Tipps für die Studienorganisation zu geben.“


Und der Zeitaufwand für eine Kursteilnahme? Jungedeitering und Macke geben da Entwarnung. „Natürlich muss man das organisieren, aber wer beim ersten Treffen dabei war, dem ist sofort klar, dass man von dieser Veranstaltung nur profitieren kann“, sagt Jungedeitering. „Diese Bereicherung sollte eigentlich jeder Studierende nutzen.“ Und auch Macke kann das Coaching nur weiterempfehlen: „Die Zeiten für die Kurse legt die Gruppe ja gemeinsam fest. Ich wohne eigentlich in Münster, bin für die Coachings am Montagabend von 18 bis 21 Uhr immer extra angereist. Nach diesen Kursen war ich immer voller Energie. Wir waren wirklich traurig, als die Veranstaltung beendet war.“


Aussagen, die zeigen, wie gut das Angebot der Akademischen Personalentwicklung der Hochschule im Rahmen des Projektes „Voneinander Lernen lernen“ schon aufgenommen wurde. Wer am Coaching für Tutorinnen und Tutoren teilnimmt, erhält übrigens zum Abschluss ein Hochschulzertifikat. Gerade für Studierende, die sich eine berufliche Zukunft in der Lehre vorstellen können, eine wertvolle Zusatzqualifikation.


Wer Interesse an der Teilnahme hat, meldet sich einfach bei

Nadine Knufinke

Telefon: 0541 969-7187

E-Mail: N.Knufinke@hs-osnabrueck.de


 
 
 

Von: Holger Schleper