Bundesweit erster Studiengang für Hebammen wird zehn Jahre alt Donnerstag, 20. Dezember 2018

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es den Bachelor-Studiengang Midwifery an der Hochschule Osnabrück. Das Jubiläum des bundesweit ersten spezifischen Studienangebots für Hebammen feierten die Verantwortlichen gemeinsam mit Kooperationspartnern, Absolventinnen, Studierenden, Forschenden sowie Expertinnen und Experten aus der Praxis auf dem Caprivi-Campus. Foto: Hochschule Osnabrück (weitere Fotos: Stephanie Stelzig)

Hochschule Osnabrück feiert Pionierleistung mit Festveranstaltung

(Osnabrück, 20. Dezember 2018) Das zehnjährige Jubiläum des bundesweit ersten fachspezifischen Bachelorstudiengangs für Hebammen, „Midwifery B.Sc.“, nahmen die Verantwortlichen des Studienangebots in diesem Wintersemester zum Anlass, das Erreichte zu feiern, aber auch Bilanz zu ziehen. Gemeinsam mit Kooperationspartnern, Absolventinnen, Studierenden, Forschenden sowie Expertinnen und Experten aus der Praxis diskutierten die Verantwortlichen der Hochschule Osnabrück gegenwärtige Problemstellungen, Versorgungsbedarfe und innovative Versorgungskonzepte. Gestartet war das für Hebammen damals völlig neue Konzept eines spezifischen hebammenwissenschaftlichen Studiums im Wintersemester 2008/2009.

Akademisierungsdebatte begann bereits in den 90er-Jahren

In ihrer Festrede warf Berufspädagogin Antje Kehrbach, die als Referentin für Gesundheitsfachberufe und Frauengesundheit im Bremer Senat arbeitet, einen kenntnisreichen und kritischen Blick auf die Entwicklung der Akademisierungsdebatte in der Bundesrepublik seit Mitte der 90er Jahre. Kehrbach, die diese Entwicklungen in unterschiedlichen Gremien und dabei unter anderem auch als Beirätin für den Bildungsbereich im Deutschen Hebammenverband und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Osnabrück persönlich begleitete, stellte die Vorüberlegungen im Pädagogischen Fachbeirat des Deutschen Hebammenverbandes zum Kompetenzprofil für Hebammen dar. Sie erläuterte den weiteren Prozess der Akademisierung, anhand der Positionspapiere Hebammen an die Fachhochschule, des Konzepts zur modularisierten Hebammenausbildung sowie des Forschungsprojekts der Fachhochschule Osnabrück zur Lernortkooperation zwischen Hebammenschule/Kreißsaal und Fachhochschule, aus dem schließlich ein Vorschlag zur Durchführung eines ausbildungsergänzenden Bachelorstudiengangs für Hebammen erarbeitet wurde. Der erfolgreichen Etablierung des ersten Studienangebots für Hebammen folge nun, zehn Jahre später, nach langem zähen Kampf um die Akademisierung, die Absichtserklärung der Bundesregierung, die Hebammenausbildung im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie 2020, an die Hochschulen zu überführen und damit zu einer akademischen Berufsausbildung für alle zu machen, freute sich Kehrbach.

Kaderschmiede Hochschule Osnabrück

Eine Entwicklung, die maßgeblich auch durch die Hochschule Osnabrück als „Kaderschmiede“ möglich geworden sei. Zugleich eröffnete Kehrbach eine kritische genderspezifische Perspektive, da der Hebammenberuf als klassischer Frauenberuf besonderen Bedingungen in Bezug auf gesellschaftliche und politische Machtverhältnisse unterworfen ist, was auch Auswirkungen auf die akademische Entwicklung der Profession habe. „Die Hochschule Osnabrück ist auch durch die enge Verzahnung von Forschung und Lehre, berufspolitisches und fachwissenschaftliches Engagement der Lehrenden ein wichtiger Ort für die Entwicklung des Akademisierungsprozesses, nicht nur als erster Studienstandort, sondern insbesondere auch durch Promotionsmöglichkeiten für Hebammen in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück und der Universität Witten-Herdecke“, betonte Prof. Dr. Claudia Hellmers in ihrer Begrüßungsrede. Die Nachwuchsqualifizierung für die akademische Ausbildung leiste einen erheblichen Beitrag zur Entstehung neuer Studienstandorte sowie zur Besetzung von Professuren in ganz Deutschland.

Neue Versorgungskonzepte werden erfolgreich in die Praxis transferiert

In zwei Panels befassten sich die Teilnehmenden zudem mit den Themen „Versorgungsbedarfe und innovative Versorgungskonzepte – wie gelingt die Implementierung in die Praxis?“ und „Fachkräftemangel auch bei Hebammen –  wie gelingt die Personalgewinnung?“. Durch Vorträge von Absolventinnen wurden Erkenntnisse aus zehn Jahren Studienganggeschichte sichtbar. Sie legten dar, wie sie neue Versorgungskonzepte in ihre Alltagspraxis integrieren, zum Beispiel das kontinuierliche Betreuungsmodell „Caseload Midwifery“ oder wie wissenschaftliche Erkenntnisse Diskussionsgrundlagen für Fragen der Personalgewinnung und -bindung liefern. Impulsreferate von Kooperationspartnerinnen aus Forschungsprojekten sowie bekannten und neuen Praxispartnerinnen und Praxispartnern aus der Region zu beiden Themen bereicherten die Diskussion. Dabei wurde sowohl die Hebammensicht als auch die ärztliche, personalpolitische sowie geschäftsführende Perspektive deutlich.

Akademische Hebammenausbildung in zehn Jahren: wissenschaftlich fundiert, innovativ, verantwortungsbewusst

Zum Abschluss äußerten Vertreterinnen der Berufsfachschulen, der Absolventinnen, der Studierenden und des Studiengangs ihre Wünsche zur Entwicklung der akademischen Ausbildung in den folgenden zehn Jahren. So müsse grundsätzlich gewährleistet sein, dass zukünftige Hebammen verantwortungsbewusst, begründet und reflektiert handeln könnten und in der Lage seien, auch in komplexen Situationen Entscheidungen zu treffen. Anerkennung und Wertschätzung in der Zusammenarbeit mit den Studierenden und eine gute Lernprozessbegleitung wurden als ebenso wichtig erachtet, wie ein adäquat organisierter Theorie-Praxis-Transfer, moderne Lehr- und Lernmethoden, sowie eine enge Vernetzung der Lernorte. Dazu sei der Ausbau entsprechender Ressourcen notwendig. Trotz der derzeit noch unklaren politischen Rahmenbedingungen in Bezug auf die neuen Berufsgesetze sollten sowohl die curricularen Entwicklungen fundiert, wissenschaftsorientiert und didaktisch innovativ gestaltet als auch der Beitrag für eine qualitativ hochwertige Versorgungsgestaltung geleistet werden. Daneben müsse die Verantwortung für die Entwicklung der Disziplin übernommen werden. „Die Hochschule hat hier bereits wichtige Impulse gesetzt und wird sich auch weiterhin aktiv in diesen Prozess einbringen“, so Hellmers.

Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von Jakob Lübke, Maria Brandt und Felix Hastrich, Studierende am Institut für Musik.

Weitere Informationen:

Dr. Verena Groß
Studiengangkoordinatorin
Telefon: 0541 969-2120
E-Mail: v.gross@hs-osnabrueck.de

Von: Isabelle Diekmann/Verena Groß

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