Eine Reise nach Jerusalem: „Locker, gelassen, kollegial, spontan und lebenslustig“ Donnerstag, 2. Mai 2019

Jerusalem: Blick aus dem Überaum

Ein Reisebericht von Musikstudentin Dajana Stiller

Eigentlich studiert Dajana Stiller am Institut für Musik (IfM) in der Studienrichtung Klassik den Schwerpunkt Komposition, Musiktheorie und Gehörbildung (KMG). Aktuell ist sie aber in Jerusalem, wo sie ein Auslandsjahr an der Jerusalem Academy of Music and Dance verbringt. Dass sie Land, Leute und Studium begeistern, davon erzählt sie in ihrem Reisebericht.

Seit ich hier ankam und das Hochschulgebäude zum ersten Mal betrat, sind schon über sieben Monate vergangen. Damals gingen mir unzählige Fragen durch den Kopf: Wo befindet sich was? Welche Kurse soll ich belegen? Wie bekomme ich einen Überaum? Wie sind die Dozenten und Professoren hier, worauf legen sie Wert? Wie wird hier unterrichtet? Werde ich hier mithalten können, auch auf Hebräisch? Wie ist das Klima unter den Studenten?

Im Nachhinein habe ich mich dann schon gewundert, wie schnell sich die meisten Fragen beantwortet haben und Probleme gelöst wurden. Es war zwar eine kleine Umstellung, sich mit der Hochschulbürokratie (genauso wie mit der israelischen Art von Bürokratie generell) zurechtzufinden, aber dank der Offenheit und Hilfsbereitschaft, die mir von allen Seiten entgegenkam, gelang die Eingewöhnung sehr schnell. Sogar das „Sprachproblem“ stellte sich als gar nicht so problematisch heraus. Weil a) so ziemlich jeder hier außer Hebräisch irgendeine andere Sprache spricht, in der man sich mit ihm verständigen kann (egal welche Sprachen du zumindest ansatzweise beherrschst: hier helfen sie alle, b) die Dozenten bei Unklarheiten bereitwillig ins Englische wechseln und c) Hebräisch eigentlich gar nicht so schwer ist. Ungefähr 90 Prozent (vielleicht sogar mehr) meiner Unterrichtsveranstaltungen sind auf Hebräisch, aber mittlerweile brauche ich nur noch selten kurze Übersetzungen.

Ich habe hier unter anderem Komposition, Dirigat und Orchestration belegt. Viele meiner Dozenten und Professoren haben bereits eine beachtliche Karriere hinter sich, sind aber trotzdem absolut auf dem Boden und nahbar geblieben, was ich sehr schätze. Der Unterricht macht mir sehr viel Freude, vor allem der Dirigierunterricht. Mittlerweile habe ich zum Beispiel schon jeweils an einer Haydn-, Mozart- und Beethovensinfonie gearbeitet. Diese Werke zu dirigieren hat mir in vielerlei Hinsicht neue Perspektiven eröffnet, und ich bin mir sicher, dass sich diese Erkenntnisse noch als sehr wertvoll erweisen werden. Weitere Höhepunkte waren die Aufführung eines von mir komponierten Solostücks bei einem kleinen Hochschulkonzert und die Einspielung einer meiner Orchestrationen im Tonstudio der Akademie mit dem Studentenorchester.

Dass das KMG-Profil am IfM den Vergleich mit dem Kompositions-/Musiktheorieprofil in Jerusalem nicht scheuen muss, habe ich sehr schnell feststellen können. Mit dem, was ich an der Hochschule in Osnabrück bereits gelernt habe, fiel mir der Einstieg hier nicht wirklich schwer. Ähnlich wie in den USA werden sowohl in der Musiktheorie als auch in der Gehörbildung eher Heinrich Schenkers Ansätze genutzt, was für mich sehr interessant ist. Deutschsprachige Musik wie zum Beispiel von Bach in einer Fremdsprache vermittelt zu bekommen, finde ich ebenfalls spannend und erhellend. Nicht selten werde ich um kurze Übersetzung von Kunstliedern oder Spielanweisungen (zum Beispiel bei Musik von Mahler oder sogar bei Nicolaus Anton Huber) gebeten.

Locker, gelassen, kollegial, spontan und lebenslustig, dabei aber trotzdem sehr fokussiert und leistungsbereit – damit lassen sich meine Mitstudierenden hier, denke ich, recht gut beschreiben. Auch die Hausmeister habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen – aber wenn man mir an kalten Tagen immer wieder mal einen warmen Tee anbietet ist das ja auch nicht verwunderlich ;-). So ziemlich jeder hier ist immer für einen guten Scherz zu haben. Das kann einem schon so manchen langen und anstrengenden Tag retten.

Wie unschwer zu erkennen ist, gefällt es mir hier sehr gut. Die Zeit vergeht wie im Fluge, aber solange ich noch hier bin, genieße ich die warme Sonne und das unverwechselbar-israelische Lebensgefühl.

Jalla, bye, und liebe Grüße aus Jerusalem!
Eure Dajana

Von: Katrin Eisenträger

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