Labor Europa: ErinnerungsKultur - Lieder aus dem KZ Theresienstadt Samstag, 25. August 2018

Im Rahmen des Projektes "Labor Europa" bietet das IfM das Labor "Lieder aus dem KZ Theresienstadt" an.

Das Projekt "Labor Europa" führt im August 2018 in Osnabrück 50 Teilnehmende aus 19 Ländern zusammen. Innerhalb des Projekts werden fünf verschiedene Labore auf den Gebieten Theater, Kunst, Geschichte, Medien und Musik in der Friedensstadt veranstaltet.

Am Institut für Musik (IfM) findet das Labor "Lieder aus dem KZ Theresienstadt" mit zehn jungen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten aus verschiedenen Ländern und zehn Gesangsstudierende des IfM statt: Unter der Leitung der Gesangspädagogin Ruth Frenk und des Sängers, Cellisten und Pädagogen Simon Wallfisch erarbeiten die Musikerinnen und Musiker 15 Kompositionen, die im Ghetto Theresienstadt entstanden sind. 

In den Monaten zuvor wurden diese Leadsheets und Klavierauszüge für das Labor von Studierenden des IfM im Fach Komposition, Musiktheorie und Gehörbildung (KMG) neu arrangiert. Unter der Leitung von Dozent Ali Gorji haben sie die Lieder für Instrumentalbegleitungen in unterschiedlichen Besetzung neu angelegt.

Kulturelite im KZ

In der Zwangsgemeinschaft des KZs Theresienstadt war fast die gesamte jüdische Kulturelite versammelt. Gelehrte aller Wissensgebiete, Künstler, Theaterleute, Literaten, Musiker –  gewaltsam herausgerissen aus ihrem normalen Leben –  fanden sich hier mit den Massen alter Menschen im gemeinsamen Elend vereint. Ruth Frenk hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema Musik in Theresienstadt auseinandergesetzt. Die Auswahl der Kompositionen für das Labor stützt sich auf ihre Recherchen. Bei der künstlerischen Umsetzung die Regie zu übernehmen, war ihr ein Herzensanliegen: „Man fragt sich unwillkürlich, wie es den Komponisten dort selbst unter den unmenschlichen Bedingungen gelungen ist, lebensfrohe Musik und Lieder zu komponieren, einzustudieren und aufzuführen. Vielleicht, weil der künstlerische Ausdruck für Menschen ein Grundbedürfnis ist und bleibt. Diese Schöpferkraft inmitten aller Leiden beeindruckt zutiefst.“

Verfemte Musik

Mit Simon Wallfisch wurde für das Labor ein Musikalischer Leiter gewonnen, der einen  reichen Erfahrungsschatz in der musikpädagogischen Vermittlung von Werken jüdischer, in der NS-Zeit verfolgter Komponisten mitbringt. Der aus einer bekannten jüdischen Musikerfamilie stammende Künstler ist Enkel der Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, die durch ihr Cello als Mitglied des Mädchenorchesters das KZ Auschwitz überlebte[1].

 

Obwohl Simon Wallfisch es wertschätzt, dass verfemte Musik[2] gegenwärtig zum Beispiel im Rahmen von Gedenkveranstaltungen ihren Platz findet, steht er dieser Tatsache zugleich kritisch gegenüber: „Solche Bemühungen leisten ihren Beitrag, vergessene Stimmen wieder zurück ins Repertoire zu holen. Doch sie sollten eben nur der erste von vielen weiteren Schritten sein. Wir erweisen uns und den Komponisten einen schlechten Dienst, wenn wir ihre Musik nur mit Blick auf ihren gewaltsamen Tod würdigen anstatt im Licht ihres prallen Lebens. Verfemte Musik  und verfemte Musiker wurden durch den ideologischen Hass der Nazis gebrandmarkt. Und so konnte sich bis heute ein eigenständiges, aber willkürliches Genre herausbilden, bei dem Komponisten mit völlig unterschiedlichen Werdegängen und mit verschieden ausgeprägten Talenten in einen Topf geworfen wurden.“

 

Ort der Erinnerung

An einem Osnabrücker Ort der Erinnerung präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende des Labors „Lieder aus dem KZ Theresienstadt“ eine Auswahl der erarbeiteten Kompositionen: im Felix-Nussbaum-Haus. Wie kein anderer Künstler der ersten Jahrhunderthälfte hat der 1904 in Osnabrück geborene und 1944 in Auschwitz ermordete Maler Felix Nussbaum alle Erfahrungen der Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg in seinen Bildern festgehalten und als Teil seiner eigenen Situationen reflektiert, in die er als Jude durch die rassistische Ideologie des nationalsozialistischen Deutschland hineingestoßen wurde.

Aufführungen im Rahmen der Kulturnacht am Samstag, 25. August, um 18 und 21 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus (Museumsquartier Osnabrück)

 

 


[1] Für mediale Aufmerksamkeit sorgte Anita Lasker-Wallfisch zuletzt mit ihrer Rede zum Thema Antisemitismus, die sie Anfang 2018 im Deutschen Bundestag gehalten hat.  
[2] auch „Entartete Musik“ genannt

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