IT-Report GesundheitswesenIT-Benchmarking Gesundheitswesen

IT-Benchmarking Gesundheitswesen

IT-Benchmarks können Krankenhäuser dabei unterstützen, ihre IT im Sinne einer optimalen Informationslogistik zu managen. Das IT-Benchmarking Gesundheitswesen der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen (IGW) beruht auf der einmaligen Kombination folgender Grundprinzipien:

  • Anonymität
    Einen IT-Benchmark bekommen ausschließlich die Teilnehmer des IT-Reportes, die diesen explizit angefordert haben. Die Rückmeldung erfolgt nur in der eigenen Träger- und Bettenklasse. Eine Weitergabe der Daten erfolgt nicht.

  • Unabhängigkeit
    Der IT-Benchmark Gesundheitswesen wird ausschließlich über die Forschungsförderung des Landes finanziert und gewährleistet eine unabhängige und neutrale Erhebung.

  • Regelmäßigkeit
    Das IT-Benchmarking Gesundheitswesen wird inzwischen zum zweiten Mal durchgeführt. Der dazugehörige IT-Report erhebt seit zehn Jahren Daten zur IT-Ausstattung von Krankenhäusern.

  • Hohe Teilnehmerzahl bzw. Skalierbarkeit
    Die Teilnahme an der IT-Report-/IT-Benchmark-Befragung ist für alle Krankenhäuser der Bundesrepublik Deutschland möglich. Bisherige Umfragen führten zu einer hinreichend großen Anzahl von Rückmeldungen der angeschriebenen Krankenhäuser aus allen Bundesländern, aller Größenklassen und aller Trägerschaften (bisher 199 Benchmarkteilnehmer in 2013).

IT-Benchmarking Gesundheitswesen Musterbroschüre

Bisherige Arbeiten

Im Jahr 2011 wurde erstmals ein kostenfreier IT-Benchmark durch die Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen angeboten. Insgesamt fragten 59 Krankenhäuser mit unterschiedlichen Größen und Trägerschaften einen IT-Benchmark nach. Jedes dieser Krankenhäuser wurde sowohl seiner Größen- als auch in seiner Trägerreferenzgruppe hinsichtlich 61 IT-Strukturmerkmalen verglichen. Durch das anonymisierte Verfahren konnten dabei alle Krankenhäuser zum Vergleich herangezogen werden, die am IT-Report Gesundheitswesen teilgenommen hatten (n = 193).

Der Workflow Composite Score (WCS) als standardisiertes und valides Maß zur Erfassung des Digitalisierungsgrades

Qualitäts- und Effizienzsteigerung der Digitalisierung klinischer Versorgungabläufe lassen sich nur schwer nachweisen. Ein Grund hierfür liegt in der Schwierigkeit, den „IT-Einsatz in der klinischen Versorgung“ geeignet zu operationalisieren. So ergeben sich die tatsächlichen IT-Potenziale nicht alleine über die Anzahl der installierten IT-Systeme, geschweige denn über eine einzelne Anwendung. Vielmehr gibt es Hinweise dafür, dass die Reife der Informationslogistik in den klinischen Prozessen ein geeignetes Maß zur Erfassung des IT-Potenzials innerhalb eines Krankenhauses darstellt. Diese klinische Informationslogistik bemisst daran, ob die klinischen Anwender die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Qualität erhalten. Sie ergibt sich über das Zusammenwirken verschiedener Merkmale, die neben der Art und Anzahl der vorhandenen IT-Funktionen und elektronisch verfügbaren Patienteninformationen, auch deren mobile Verfügbarkeit am Point of Care beschreiben. Die IT-Unterstützung klinischer Prozesse ist demnach ein komplexes Konstrukt, das nur über einen Composite Score quantifiziert werden kann. 

Vor diesem Hintergrund hat sich die Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen (IGW) zum Auftrag gemacht, einen Workflow Composite Score (WCS) und somit eine reliable und valide Kennzahl zur standardisierten Erfassung der klinischen Informationslogistik zu entwickeln. Im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns soll der WCS als abhängiges oder unabhängiges Merkmal genutzt werden.  Zum einen kann so der Einfluss struktureller Eigenschaften (bspw. Größe, Trägerschaft) sowie organisatorischer Merkmale (insb. IT-Governance, IT-Management, Innovationskultur) auf die Reife der IT-Unterstützung untersucht werden.  Auf der anderen Seite können somit aber auch Wirkungsweisen der Digitalisierung auf die klinische Versorgungsqualität und -effizienz überprüft werden.

Der WCS soll aber auch einen ganz praktischen nutzen erfüllen und als Performance-Indikator innerhalb des IT-Benchmarking Gesundheitswesen genutzt werden. 

Die Entwicklung des Workflow Composite Scores

Der WCS wurde nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien zur Entwicklung von  Erhebungsinstrumenten konstruiert und im Verlauf von mehreren Jahren empirisch validiert. Dieses mehrschrittige Verfahren soll nachfolgen kurz dargestellt (für eine ausführliche Beschreibung findet sich im Bereich Publikationen) 

  1. Entwicklung eines Konzeptrahmens: Die Entwicklung des Konzeptrahmens wurde von einer 15-köpfigen Expertenrunde, bestehend aus sieben IT-Leitern und acht Wissenschaftlern begleitet und durch eine umfassendes Literaturreview gestützt. Der Konzeptrahmen sah anfangs vor, die Digitalisierung entlang vier klinischer Prozesse über vier Deskriptoren der Informationslogistik zu erfassen. Die Prozesse sollten dabei aufgrund ihrer Komplexität und der möglichst abteilungs- und/oder einrichtungsübergreifenden Informationslogistik ein messbares Optimierungspotenzial durch den IT-Einsatz aufweisen. Ausgewählt wurden die Visite, die OP-Vorbereitung, die OP-Nachbereitung und die Entlassung. Zur Beschreibung der Informationslogistik in den Prozessen wurden vier Deskriptoren definiert: (1.) Funktionen: wurden IT-Anwendungen zur Unterstützung der jeweiligen Prozesse bereits umgesetzt? (2.) Daten und Informationen: stehen Patientendaten, die in den jeweiligen Prozessen benötigt werden elektronischen zur Verfügung? (3.) Distribuierbarkeit: werden die Patientendaten und IT-Anwendungen entlang des Behandlungsgeschehens bereitgestellt? (4.) Integration: Inwiefern können die Subsysteme interoperabel miteinander kommunizieren und basiert die vorhandene Systemlandschaft auf einem integrierten Datenmanagement? In dem Konzeptrahmen wurden die vier Deskriptoren jeweils den vier Prozessen zugeordnet, sodass sich eine 16-Felder Matrix ergab. Im Sinne der inhaltlichen Validierung des Konzeptrahmens der Workflow-Deskriptoren wurde untersucht, welche Merkmale in ähnlichen Studien erhoben wurden und ob sich diese den definierten Deskriptoren eindeutig zuordnen ließen.
  2. Fragebogenentwicklung: Die Kombination der vier Prozesse mit den vier Deskriptoren ergab eine Matrix von 16 Prozess-Deskriptor-Feldern, an der sich die Fragebogenentwicklung und die Bildung des Workflow Composite Scores orientieren sollten. Hierauf aufbauend wurden in der Expertenrunde und Literaturbasiert Merkmale identifiziert, die Informationen zu einem oder zu mehreren der 16 Prozess-Deskriptor-Felder lieferten (z.B. die elektronische Verfügbarkeit von Patientenstammdaten in der Visite). Zur Erfassung dieser, insgesamt 92 Merkmale wurden 51 Fragen entwickelt.
  3. Datenerfassung für eine erste empirische Validierung: Nach zwei Pretests wurde der Fragebogen im Rahmen des IT-Report Gesundheitswesen an 1317 CIOs bundesdeutscher Krankenhäuser geschickt (zuständig für 1675 Einrichtungen). An der Umfrage beteiligten sich 259 Häuser, wobei für die Scorebildung nur diejenigen mit OP- und Intensivstation herangezogen wurden (n=183).
  4. Überprüfung der Testgüte und Nützlichkeit: Basierend auf den erfassten Daten wurde zum einen die Reliabilität der Items zur Beschreibung der Deskriptoren getestet.  Weiterhin wurde überprüft, ob sich der deduktiv abgeleitete Konzeptrahmen, im Sinne einer konvergenten und diskriminanten Validität statistisch nachweisen lässt.  Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden der WCS weiterhin entsprechend des Konzeptrahmens (Schritt 1) berechnet und mit internen und externen Kriterien korreliert (u.a. mit der subjektiv eingeschätzten Prozessunterstützung und einem nachgebildeten EMRAM Score der HIMSS). Zusammengenommen ergab sich für den entwickelten Fragbogen eine zufriedenstellende Testgüte.
  5. Überprüfung der Nützlichkeit als Performance Indikator: Im Rahmen des IT-Benchmarking 2013 wurde der WCS den teilnehmenden CIOs durch eine mehrstufige Visualisierungssystematik zurückgespiegelt. Im Anschluss an das Benchmarking 2013 wurde die Nachvollziehbarkeit und Nützlichkeit des Scores evaluiert, wobei sich die CIOs überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden äußersten.
  6. Weiterentwicklung des WCS: Über faktoranalytisches Verfahren wurden auf Basis der empirischen Daten latente Strukturen zur Beschreibung der klinischen Informationslogistik identifiziert. Auf Basis der so spezifizierten Faktoren (Prozessintegration, Mobilität und Entscheidungsunterstützung und Datenverfügbarkeit) wurde das Erhebungsinstrument weiter adjustiert werden. 
  7. Datenerfassung für eine zweite empirische Validierung: Mit dem neuen Fragebogen, der mit der Aufnahme einen fünften Prozess umfasst und auch die Prozessintegration stärker fokussiert, wurden die Daten für die Benchmarking Runde 2017 erhoben. 

Anmeldung zur Teilnahme

Bei Interesse an einer kostenlosen Teilnahme und zu allgemeinen Fragen kontaktieren Sie bitte Jan-David Liebe.

Kontakt

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49076 Osnabrück
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