KooperationsprojekteDorfgemeinschaft 2.0

"DaHeim - in Emlichheim" (auf Plattdeutsch: "te Huus - in Emmelkamp")

Dank aufsuchender Hausbesuche eigenständig interaktiv mobil.

Projektvorhaben

Implementierung Präventiver Hausbesuche zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit

Hintergrund

Aufgrund des andauernden Fachkräftemangels und des demografischen Wandels müssen alternative Versorgungsformen der Bürgerinnen und Bürger innerhalb des Gesundheitssystems im ländlichen Raum konzipiert und implementiert werden, um eine ausreichende Gesundheitsversorgung sicherstellen zu können (SVR, 2014). Der Deutsche Bundestag hat am 18.06.15 das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention verabschiedet. Ziel ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen (Deutscher Bundestag, 2015). Der Wunsch so lange wie möglich im Zuhause wohnen zu bleiben wurde im Rahmen der 50+ Befragung als ein Hauptergebnis identifiziert. Des Weiteren konnte ein Wissensdefizit zum barrierefreien Wohnen identifiziert werden. Dieses Defizit sollte ausgebessert werden um Mobilität, auch im Sinne von geistiger Mobilität, zu erhalten. Gut 1/3 der Befragten sind interessiert durch eine akademisierte Pflegefachkraft gesundheitlich betreut zu werden (Seeling & Blotenberg, 2017). Verschiedene Projekte in unterschiedlichen Kontexten deuten auf einen anhaltenden gesellschaftlichen Bedarf für und Interesse an Präventiven Hausbesuchen hin (Weidner, 2004; Frommelt, 2008). Diese Hausbesuche dienen u.a. zur Sturzprävention, der Vermeidung von Pflegedürftigkeit und damit zur Vermeidung eines Pflegeheimeinzugs (Luck et al, 2011). Somit zielen sie auf Prävention von sozialer Isolation bzw. Verwahrlosung.

Projektziel

Anhand von Präventiven Hausbesuchen sollen Lücken in der Gesundheitsversorgung identifiziert werden. Auf dieser Grundlage wird im Projekt ein innovatives Versorgungskonzept zu Präventiven Hausbesuchen, als eine aufsuchende Beratung in der Häuslichkeit, entwickelt und erprobt. Dieses wird exemplarisch in einem ländlichen Raum, hier die Samtgemeinde Emlichheim, pilotiert. Das Projekt erfordert 36 Monate für die Durchführung. Es wird dadurch das Angebot des Mehrgenerationshauses Senfkorn erweitern. Eine wissenschaftliche Begleitung, um verifizierbare Ergebnisse zu erfassen, erfolgt durch die Hochschule Osnabrück im Rahmen des BMBF Projektes „Dorfgemeinschaft 2.0 - Das Alter im ländlichen Raum hat Zukunft“ (Förderkennzeichen: 16SV7453), welches noch bis 2020 läuft. Der Aufbau eines regionalen Netzwerkes der Gesundheitsanbieter, der Ehrenämter, der Nachbarschaft (ggf. Aufbau neuer Kooperationspartnerschaften) wäre ebenfalls ein wünschenswertes Resultat.

Methodik

Die Durchführung der Präventiven Hausbesuche wird durch eine akademisch qualifizierte Pflegefachperson, die beim Mehrgenerationenhaus Senfkorn angestellt ist, erfolgen. Sie wird Senioren für vier Besuche kontaktieren. Das Angebot wird für Senioren bereitgestellt, die älter als 65 Jahre sind, innerhalb der Samtgemeinde Emlichheim wohnen, Deutsch verstehen und sprechen und bisher keine festgestellte Pflegebedürftigkeit nach SGB XI aufweisen. Die Pflegefachperson analysiert im Rahmen der Präventiven Hausbesuche u.a. die häusliche Situation, reagiert auf die individuelle Lebenssituation, gilt als Ansprechpartnerin und Koordinatorin präventiver Maßnahmen in der Häuslichkeit. Diese Leistungen sind nicht über die Versorgungsbedarfe nach SGB XI abgedeckt, da sie der Vorsorge und nicht der Pflegetherapie dienen. Die zentralen Aufgaben der Pflegefachkraft wären somit der Basisbesuch zur Einschätzung der individuellen Probleme und Risikofaktoren, die Entwicklung eines Versorgungskonzeptes und die Überprüfung und Begleitung der Empfehlungen.

In dem Projekt soll folgende Fragestellung beantwortet werden: „Welches Konzept Präventiver Hausbesuche muss zugrunde liegen, damit Senioren diese in Anspruch nehmen?“ Durch eine wissenschaftliche Begleitforschung werden der Effekt und die Konzeption der Präventiven Hausbesuche evaluiert.

Projektergebnis

Das geplante Vorhaben wird als Pilotprojekt bezeichnet, um Fragen der Akzeptanz, der Wirtschaftlichkeit, des Marktpotentials von Präventiven Hausbesuchen und der technischen Optimierung der verwendeten Software im Feldversuch zu klären. Es wird ein Abschlussbericht in Form einer Handlungsempfehlung verfasst. Der Bericht wird das evaluierte Konzept der Präventiven Hausbesuche sowie die Effekte und die regionale Akzeptanz dieser beinhalten.

Literaturangaben

Deutscher Bundestag (2015). Gesetzentwurf der Bundesregierung. Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention. (Präventionsgesetz – PrävG). Köln: Bundesanzeiger Verlag GmbH.

Frommelt, M., Klie, T., Löcherbach, P., Mennemann, H., Monzer, M., & Wendt, W.-R. (2008). Pflegeberatung, Pflegestützpunkte und das Case Management, die Aufgabe personen- und familienbezogener Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit und ihre Realisierung in der Reform der Pflegeversicherung. Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (Hrsg.). Freiburg: Verlag Forschung – Entwicklung – Lehre.

Luck, T., Roling, G., Heinrich, S., Luppa, M., Matschiger, H., Fleischer, S., Sesselmann, Y., Beutner, K., Rothgang, H., König, H.-H., Riedel-Heller, S. G., & Behrens, J. (2011). Altern zu Hause – Unterstützung durch Präventive Hausbesuche. Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 10(8).

Seeling, S., & Blotenberg, B. (2017). Möglichkeiten und Grenzen der Mensch-Technik-Interaktion. Neue zentrale Erkenntnisse zur Techniknutzung und -affinität älterer Menschen im ländlichen Raum. Pflege & Gesellschaft, 22(3), 248–271.

SVR, Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (2014). Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und ausgewählte Leistungsbereiche. Gutachten 2014, Kurzfassung. Bonn/ Berlin.

Weidner, F., Schulz-Nieswandt, F., Brandenburg, H., Uzarewicz, C., von Renteln-Kruse, W., Klein, M; Isfort, M., & Schmidt, C. (2004). Gutachten. "Strukturen, Leistungsmöglichkeiten und Organisationsformen von Prävention, Gesundheitsförderung und Rehabilitation für ältere, respektive pflegebedürftige Menschen in NRW - Analyse der Versorgungssituation und Empfehlungen für Rahmenbedingungen". Köln: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.

Hauptverantwortliche von Seiten der Hochschule Osnabrück

Britta Blotenberg (M.Sc.), wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Stefanie Seeling, Projektverantwortliche

Involvierte Projektpartner in Emlicheim, Niedergrafschaft

Annika Paul (B.Sc.), Durchführende der Präventiven Hausbesuche

Dita Meding, Projektkoordinatorin

Melanie Breukelman, Projektverantwortliche

Senfkorn Mehrgenerationenhaus Emlichheim gGmbH (Link zur Webseite)

Involvierte Praxispartner

optadata.com GmbH

Kontakt

Projektbüro Dorfgemeinschaft 2.0

Hochschule Osnabrück (Campus Lingen)

Konrad-Adenauer-Ring 13

Raum LL 0122

Telefon: +49 591 80098-249

E-Mail: dorf2.0@hs-osnabrueck.de

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