Umstellung auf gestufte Studienabschlüsse: Bachelor und Master

Was bedeutet die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen im Rahmen des Bologna-Prozesses?

 

1999 verabredeten 29 europäische Staaten in Bologna, die Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse in Europa durch die Annäherung der Bildungssysteme der Länder zu fördern. Sie unterzeichneten die sogenannte Bologna-Erklärung, die einen einzigartigen Veränderungsprozess der Hochschulbildung in Europa initiierte. Mittlerweile haben sich weitere Länder dem Prozess angeschlossen: 40 europäische Länder wollen das zweistufige System des Bachelor- und Masterabschlusses einführen und damit verknüpft weitere Veränderungen anstoßen.

 

Warum wurde der Bologna-Prozess eingeführt?

 

Im Mittelpunkt des Bologna-Prozesses steht die Überzeugung, dass die tiefgreifenden Integrationsprozesse in Europa, die unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben prägen, nicht vor den Bildungssystemen Halt machen können. Studierende sollen während ihres Studiums Europa erfahren können, das heißt die Mobilität der Studierenden muss erleichtert werden. Ebenso soll der Jobwechsel innerhalb Europas durch die Vergleichbarkeit der Abschlüsse erleichtert werden. Hinter ähnlichen Bezeichnungen sollen sich ähnliche Inhalte verbergen.

 

 

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Bologna-Prozess?

 

Unter Bologna-Prozess ist die Umstellung auf ein gestuftes Hochschulsystem zu verstehen: Der Bachelor als erster berufsbefähigender Regelabschluss nach 6 – 8 Semestern, der Master als weiterführender zweiter Abschluss nach 2 – 4 Semestern. Der Masterabschluss eröffnet den Zugang zur dritten Stufe, der Promotion.

 

 

Was sind die Vorteile der Zweistufigkeit, also der Unterscheidung nach Bachelor- und Masterstudium?

 

  • Das zweistufige System bedeutet, dass ähnlich wie in anderen Ländern, etwa den USA oder Großbritannien, zunächst ein Bachelorstudium absolviert wird, welches für berufliche Aufgaben qualifiziert. Ein abgeschlossenes Bachelorstudium ist die Voraussetzung für ein Masterstudium. Ein größerer Teil der Studierenden, die nicht an einer wissenschaftlichen Laufbahn interessiert sind, werden das Studium mit dem Bachelorabschluss beenden und den Einstieg in den Beruf wählen. Damit wird das durchschnittliche Eintrittsalter in das Berufsleben sinken.
  • Jene, die ein Masterstudium anschließen möchten, können dies sowohl im direkten Anschluss an das Bachelorstudium, als auch nach einer zeitlichen Unterbrechung tun. In vielen Ländern ist das zeitlich erst nach einer Berufsphase aufgenommene weiterbildende Masterstudium die häufigste Form des Masterstudiums, für Deutschland wird ein Mischsystem erwartet.
  • Das zweistufige System erlaubt, dass Absolventen eines Bachelorstudiums ein inhaltlich anders ausgerichtetes Masterstudium wählen können. So wird es beispielsweise möglich sein, dass ein Absolvent eines Bachelorstudiums in Elektrotechnik einen MBA (Master of Business Administration) erwirbt, oder ein Absolvent eines Bachelorstudiums der Betriebswirtschaft mit einem Master in Kommunikationsmanagement abschließt.

 

 

Welche qualitativen Änderungen ergeben sich durch den Bologna-Prozess?

 

Mit dem Bologna-Prozess ist auch die Hoffnung verbunden, die Qualität der Hochschulausbildung in ganz Europa zu verbessern:

 

  • Die überlangen durchschnittlichen Studienzeiten in einigen Ländern sollen reduziert werden.
  • Die Quote jener Studierender, die ihr Studium nicht beenden, soll reduziert werden.
  • Die Inhalte der Studienprogramme sollen im Rahmen der Einführung der neuen Programme den Herausforderungen der Zeit angepasst werden.

 

 

Wie soll die qualitative Verbesserung und die Vergleichbarkeit erreicht werden?

 

  • Alle Hochschulen führen zukünftig interne Qualitätsmanagementsysteme, um einen Prozess der permanenten Verbesserung in Gang zu setzen.
  • Die Überprüfung der Qualität der Hochschulen und der Programme wird im Rahmen von Akkreditierungs- und Evaluationsprozessen erfolgen. Vom Staat unabhängige Agenturen werden in regelmäßigen Abständen Hochschulen besuchen und die Qualität der angebotenen Programme überprüfen. Die Akkreditierung gilt zukünftig als eines der zentralen Gütesiegel.
  • Akkreditierungsagenturen arbeiten auch international zusammen, um die Standards in den Unterzeichnerstaaten anzugleichen.
  • Lerninhalte sind in Zukunft modular aufgebaut. Mit der Einführung modularisierter Strukturen werden Inhalte neu ausgerichtet, zusammen hängende Inhalte werden auch in der Lehre verknüpft. Damit ergibt sich eine deutliche Verbesserung der Lernergebnisse. Jedes Modul ist mit so genannten Leistungspunkten (credit points) verknüpft. Die Leistungspunkte werden auf der Basis von Leistungsüberprüfungen vergeben. Mit dem European Credit Transfer System (ECTS), dem Leistungspunktesystem, wird die Vergleichbarkeit der Lernergebnisse möglich, was der Mobilität der Studierenden zu gute kommt. 
  • Mit der Einführung des Leistungspunktesystems ist die Orientierung an einer realistischen Bewertung der Arbeitsbelastung der Studierenden, der work load, verknüpft. Ein Leistungspunkt reflektiert 30 Arbeitsstunden Beschäftigung mit dem Inhalt eines Moduls, egal ob diese Beschäftigung in der Veranstaltung erfolgt, oder in der Arbeit in der Bibliothek oder in Arbeitsgruppen. Für jedes Semester sind 900 Arbeitsstunden vorgesehen, somit 30 Leistungspunkte. Hochschulen überprüfen regelmäßig, ob die geplante zeitliche Belastung mit der tatsächlichen Belastung übereinstimmt. 
  • Allen Hochschulabschlüssen wird ab 2005 als ergänzende Information ein Diploma Supplement (DS) beigefügt, in dem die erworbenen Qualifikationen (Module) inhaltlich präzise beschrieben sind und die Bewertungen (Noten) in ein europaweit vergleichbares System transferiert werden.

 

Werden Arbeitgeber die neuen Abschlüsse akzeptieren?

 

Die wesentlichen Institutionen der deutschen Wirtschaft werben seit Jahren für die Einführung des zweistufigen Systems der Bachelor- und Masterabschlüsse. Sie haben sich in der Initiative Bachelor Welcome engagiert. In manchen kleinen Unternehmen müssen das Wissen und die Erfahrung mit den neuen Abschlüssen erst noch wachsen. Mit der zunehmenden Dynamik des Bologna-Prozesses, d.h. mit der Einführung der neuen Studienprogramme in Hochschulen im ganzen Bundesgebiet ist davon auszugehen, dass das Wissen über die neuen Strukturen schnell zunimmt.

 

Wie schnell werden die Abschlüsse eingeführt?

 

Die Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung haben sich verpflichtet, bis 2010 komplett auf das gestufte Studiensystem umzustellen. In Deutschland entscheiden vor allem die Bundesländer und die Hochschulen selbst über die Geschwindigkeit des Umstellungsprozesses. In Niedersachsen erfolgt die zügige Umstellung, so auch in Nordrhein-Westfalen, in Bremen und in Hamburg. Die Fachhochschule Osnabrück wird bis 2006 komplett umgestellt haben. Die Neuaufnahme erfolgt dann ausschließlich in die neuen Studienprogramme Bachelor und Master. Die Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird bereits zum Wintersemester 2005/06 umstellen. Die alten Diplomstudiengänge werden zu Ende geführt.

 

Wichtige Begriffe und Hinweise: