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Internationales
März 2008

ZWEI VON SECHSHUNDERT

Schon vor diesem Fototermin lernten Rabin Bista (l.) und Tomasz Tomczyk (r.) sich kennen: Tomczyk hielt in Bistas Seminar einen Vortrag zur Hochschulpolitik

An der Fachhochschule Osnabrück sind aktuell 7.800 Studierende eingeschrieben. Davon haben etwa 900 einen ausländischen Pass. Rund 600 von ihnen sind für ein volles Studium an der FH und bestreiten ihren Alltag in Osnabrück. Zwei davon heißen: Rabin Bista und Tomasz Tomczyk.

 

Der eine, Rabin Bista, stammt aus Nepal, studiert Nonprofit-Management, und weiß genau was er will: Nach dem Studium zurück nach Nepal, um dort in einer Nonprofit-Organisation zu arbeiten und den nepalesischen Lebensalltag zu verbessern.

 

Der andere, Tomasz Tomczyk, geboren und aufgewachsen in Polen, studiert International Business and Management und ist sich noch nicht sicher, ob er in Polen oder in Deutschland arbeiten wird, aber in einer Sache ist er sich ganz sicher: in seinem politischen Engagement  für die Hochschule.




„Das Ziel immer im Blick“ – Rabin Bista


Rabin Bista ist 28 Jahre alt. Seit knapp einem halben Jahr  studiert er an der FH Osnabrück. Danach, das ist für ihn völlig klar, geht er zurück nach Nepal, wo er für eine internationale NPO arbeiten möchte: „Nepal braucht einheimische Führungskräfte und ich möchte eine werden.“

In Nepal liegen viele Dinge im Argen. Der Wohlstand ist zwischen Land und Stadt ungleich verteilt. Knapp die Hälfte der Nepalesen können nicht lesen und schreiben. Erst vor zwei Jahren ist ein 12 Jahre andauernder Bürgerkrieg zwischen der Kommunistischen Partei Nepals und der Monarchie beendet worden. Offiziell ist Nepal eine föderale demokratische Republik.

Rabin Bista interessiert sich für Politik und auf sein Recht zu wählen legt er besonders viel Wert: “Mit unserer Stimme können wir entscheiden –  das ist nicht nur ein Recht sondern auch eine bürgerliche Pflicht.“ Und auch bei den Hochschulwahlen hat er seine Stimme abgegeben. Selber Politik machen möchte Rabin Bista aber nicht.

Ihm kommt es darauf an, die praktischen Lebensumstände in seinem Land zu verbessern und diese Verbesserung konkret erleben zu können. Allerdings räumt er ein, dass man auch für die Arbeit in einer NPO zum Teil diplomatisches Geschick benötigt. Als Organisation, die neutral sein möchte, sitzt man ansonsten schnell zwischen allen Stühlen.

Vor beinahe zehn Jahren fand Rabin buchstäblich seine Bestimmung. Neben seinem Wirtschaftsstudium, dass er 1998 begann, arbeitete er für eine deutsche NPO in Nepal „Interplast e.V.“, Internationale plastische Chirurgie für Entwicklungsländer. Seine Aufgaben: Dolmetschen und Camp Erkundungen durchführen. Bereits in Nepal schloss er seinen Master im NPO-Management ab. Aber die Erfahrung zeigte, dass das nepalesische Studium nicht ausreichte.
Also beschloss er ein Studium im Ausland zu absolvieren, um seine Chancen auf einen Job zu erhöhen. Über das Internet stieß er schließlich auf den Studiengang Management in Nonprofit-Organisationen an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. „Durch meine Arbeit bei Interplast habe ich schon viel mit Deutschen zu tun gehabt.“

Nun war „nur“ noch die Frage der Finanzierung zu klären: „Aber zum Glück haben sich viele Leute für mich eingesetzt. Eine ehemalige Kollegin von Interplast trieb eine Freundin auf, die mich aufnehmen konnte. So muss ich mir wenigstens um die Miete keine Sorgen mehr machen.“

Allerdings wohnt Beate Hamman in Twistringen, so dass Rabin Bista jeden Tag zur FH hin und zurück etwa vier Stunden pendeln muss. Das macht ihm jedoch wenig aus. „Es erinnert mich an zu Hause. In Nepal musste ich auch jeden Tag zur Uni in Kathmandu pendeln. Ich nutze die Zeit im Zug, um besser Deutsch zu lernen. Und wenn mein Deutsch erst einmal gut genug ist, fange ich mit Französisch an, es gibt nämlich auch eine Menge französische NPOs in Nepal.“

 


„Geht nicht, gibt´s nicht“ – Tomasz Tomczyk

Tomasz Tomczyk ist in Krakau geboren und aufgewachsen. Nach seinem Abitur 2003 hat sich der heute 23-jährige um ein Studium in Deutschland beworben. „Ich dachte, wenn ich schon weggehe, dann kann ich auch gleich ins Ausland gehen.“

Das Verlangen etwas anderes zu erleben, führte ihn zunächst nach Münster und schließlich an die FH Osnabrück. Hier studiert er  International Business and Management. Seine  Entscheidung hat er bis heute nie bereut: „Man darf keine Angst haben und muss einfach etwas wagen. Man kann alles schaffen, wenn man sich motiviert.“
Und motiviert ist Tomasz Tomczyk. Schon auf seinem Gymnasium in Polen war er drei Jahre lang Schülersprecher. „Das hat viel Spaß gemacht. Ich liebe es zu organisieren und zu sehen, wie sich Dinge entwickeln und verändern.“
In dieselbe Zeit fällt auch ein kleiner Ausflug in den Stadtrat von Krakau.

Als er zum Studium nach Deutschland kam, dachte er zunächst nicht daran in der Hochschulpolitik aktiv zu werden. Aber diese selbst verordnete Abstinenz von der Politik im „Kleinen“ hielt nicht lange an. „Vor einem Jahr wurde  ein studentischer Vertreter für die Kommission „Studienbeiträge“ gesucht. Da dachte ich: Ich habe diese 500 Euro auch bezahlt – also bewerbe ich mich um den „Job“. Seine Motivation: „Als ich hier herkam, merkte ich schnell, dass die FH sehr international orientiert ist. Leider beteiligen sich nur wenige internationale Studierende an der Hochschulpolitik. Das finde ich schade, schließlich geht es um die Studienbedingungen von uns allen. Und an deren Entwicklung sollten sich auch alle beteiligen.“

Auch deshalb kam Tomczyk auf die Idee, sich für die Etablierung eines Referates „Internationales“ beim AstA zu engagieren. Das Referat soll eine erste Anlaufstelle für ausländische Studierende sein.
 

Ob es ihm nicht manchmal zuviel wird? Er studiert an der FH, hat dazu zwei Jobs, einen im Internationalen Büro und einen in der Bibliothek, und er engagiert sich ehrenamtlich in der Hochschulpolitik. „An manchen Tagen bin ich 12 Stunden hier, aber es ist mir nie zuviel. Ich bin gerne hier und ich ziehe aus meinen Aktivitäten viel Energie. Je mehr ich zu tun habe, desto besser kann ich meinen Tag organisieren.“


Politik scheint ein Leitmotiv zu sein, das sein Leben durchzieht. Kann Tomasz Tomczyk sich vorstellen einmal keine Politik mehr zu machen? Er schmunzelt...

Dateien:
Zwei.jpg

Von: Miriam Riemann

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